Das Problem liegt nicht in einem Mangel an Fachkräften, nicht in der Demografie und schon gar nicht in zu geringer Zuwanderung, sondern in einem systematisch deformierten Markt, dessen Signalfunktion durch den Staat lahmgelegt wurde.
Der Kern jeder funktionierenden Marktwirtschaft ist die freie Preisbildung. Wenn ein Gut knapp ist, steigt sein Preis. Das gilt für Kupfer, Öl oder Weizen – und es gilt auch für Arbeit. Der sogenannte „Fachkräftemangel“ ist daher keine Naturkatastrophe, sondern ein Resultat politischer Eingriffe, die verhindern, dass Löhne dorthin steigen können, wo sie steigen müssten. Anstatt Unternehmen in Wettbewerb um die besten Köpfe zu zwingen, hat man ein Arbeitsumfeld geschaffen, in dem steigende Löhne durch Steuerprogression und Sozialabgaben sofort weggesteuert werden. Ein Facharbeiter, der mehr verdient, sieht davon netto kaum etwas. Und der Unternehmer, der höhere Bruttolöhne zahlt, finanziert in Wahrheit nicht den Mitarbeiter, sondern den Staat.
Die Politik setzt reflexhaft auf Fachkräftezuwanderung, doch das ist die Fortsetzung der Fehlsteuerung mit anderen Mitteln. Jeder Zuwanderer erzeugt zusätzlichen Infrastrukturbedarf – Wohnungen, Schulen, Krankenhäuser, Verkehr – und verschärft damit die Knappheit an anderer Stelle. Man importiert den Mangel, den man zu beheben vorgibt. Dass dies keine nachhaltige Strategie sein kann, liegt auf der Hand. Migration mag aus individueller Sicht wünschenswert sein, aus arbeitsmarktökonomischer Sicht ist sie kein Allheilmittel, sondern in ihrer jetzigen Form Teil des Problems.
Die Lösung ist simpel und im Geist des demokratischen Kapitalismus längst angelegt: Löhne müssen steigen dürfen. Wenn bestimmte Branchen dringend Fachkräfte benötigen, sollen sie mehr zahlen – und zwar so viel, bis Arbeitnehmer aus weniger produktiven Sektoren bereit sind, zu wechseln. Dieser Mechanismus schafft Effizienz, weil Arbeit dorthin fließt, wo sie den höchsten Wert schöpft. Dass dies in Deutschland nicht geschieht, ist kein Marktversagen, sondern ein Staatsversagen.
Ein weiterer Aspekt ist die Lebensarbeitszeit. Es ist ein Irrweg, Bürger durch Zwang – etwa die „Rente mit 67“ oder noch weiter hinaus – im Erwerbsleben zu halten. Wer körperlich oder psychisch erschöpft ist, wird dadurch nur verbittert und weniger produktiv. Wer hingegen leistungsfähig bleibt, sollte durch klare Anreize ermutigt werden, länger zu arbeiten. Eine radikale Steuererleichterung für Arbeitseinkommen ab 68 wäre der richtige Hebel: Wer dann noch arbeitet, behält den Großteil seines Einkommens. Das ist freiwillig, marktkonform und hochwirksam.
Die deutsche Arbeitsmarktpolitik braucht also nicht mehr Regulierung, nicht mehr Subventionen und nicht mehr staatlich gesteuerte „Fachkräfteimporte“. Sie braucht weniger Staat, weniger Steuern, weniger Vorschriften – und den Mut, den Markt wieder arbeiten zu lassen. Die Knappheit an Arbeit ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir Knappheit durch Bürokratie und Abgabenlast ignorieren.
Ein freier Arbeitsmarkt mit echter Preisbildung würde den Mangel nicht nur sichtbar machen, sondern ihn auch beheben. Alles andere ist Symptombekämpfung – und führt tiefer in die Sackgasse.