Wenn die Märkte beben, greifen Anleger offenbar lieber zum Happy Meal statt zum Sparbuch. Während Trumps neue Zollpolitik die Börsen erschüttert, liefern Fast-Food-Konzerne stabile Renditen – ein Signal für eine tiefere Umwälzung im Verhältnis zwischen geopolitischer Unsicherheit und Anlegerverhalten.
Börsenrutsch trifft breite Märkte – Fast-Food-Aktien im Aufwind
In einem wirtschaftlichen Umfeld, das zunehmend durch geopolitische Spannungen geprägt ist, zeigt sich ein überraschender Gewinner: die Fast-Food-Branche. Am Donnerstag legten die Aktien von McDonald’s (+2 %), Yum! Brands (+2 %) sowie Restaurant Brands International (+1,4 %) deutlich zu – und das, obwohl der S&P 500 nahezu 5 % einbüßte.
Ein Grund für diese gegenläufige Entwicklung: Anleger suchen in Zeiten politisch motivierter Zölle und Handelsbarrieren nach stabilen Anlagehäfen. Fast-Food-Riesen wie McDonald’s, Burger King oder Taco Bell scheinen diese Erwartung zu erfüllen – zumindest kurzfristig.
Trumps Zollpolitik als Katalysator
Hintergrund der jüngsten Marktturbulenzen ist die neue Zollstruktur, die US-Präsident Donald Trump auf den Weg gebracht hat. Ab dem 5. April gelten flächendeckende Einfuhrzölle von 10 % auf alle Importe. Für etwa 60 Länder steigen die Zölle ab dem 9. April sogar noch weiter. Besonders betroffen ist China: Mit einem zusätzlichen „Reziprozitätszoll“ von 34 % steigt die Gesamtbelastung für chinesische Waren auf 54 %.
Kanada und Mexiko kommen vergleichsweise glimpflich davon – zumindest dann, wenn die importierten Güter den Vorgaben des USMCA (United States-Mexico-Canada Agreement) entsprechen. Laut TD Cowen-Analyst Andrew Charles erfüllen etwa 80 % der importierten Nahrungsmittel aus diesen beiden Ländern die USMCA-Anforderungen. Für die Fast-Food-Industrie ist das eine wichtige Entlastung – viele der genutzten Rohstoffe wie Rindfleisch, Weizen und Gemüse stammen aus nordamerikanischen Lieferketten.
Franchise-Modelle als Schutzschild
Ein weiterer Vorteil: Die großen Fast-Food-Ketten operieren überwiegend im Franchise-Modell. Das bedeutet: geringere Fixkosten, skalierbare Geschäftsmodelle, und vor allem eine höhere Resilienz gegenüber schwankender Nachfrage. BTIG-Analyst Peter Saleh bringt es auf den Punkt: „Wenn die Umsätze allgemein sinken, sind die Gewinne von Franchise-Modellen weniger stark betroffen.“
Die Kehrseite zeigt sich bei Fast-Casual-Ketten wie Chipotle, Sweetgreen oder Shake Shack. Ihre Aktien verloren im Zuge des Börsengeschehens teils dramatisch: −4 % (Chipotle), −7 % (Cava), −13 % (Sweetgreen) und −12 % (Shake Shack). Ihr direkter Betrieb hoher Filialanzahlen wird in Krisenzeiten zur Belastung – ein struktureller Nachteil gegenüber den Fast-Food-Giganten.
Aber: Wachstumsgrenzen und Margendruck bleiben Thema
Trotz der kurzfristigen Erholung bleiben auch bei McDonald’s und Co. kritische Fragen offen. Analysten wie Danilo Gargiulo (Bernstein) und Peter Saleh (BTIG) zeigen sich zurückhaltend: Beide stufen McDonald’s und Yum! Brands lediglich mit Neutral ein. Hauptkritikpunkt ist das enttäuschende Gewinnwachstum bei gleichzeitig hoher Bewertung. McDonald’s wird mit dem 25-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt – ein Kurs-Gewinn-Verhältnis, das laut Saleh „keine überzeugende Wertentwicklung verspricht“.
Hinzu kommt ein zunehmender Margendruck durch den Kampf um preisbewusste Kundschaft. Taco Bell hat seinen Anteil günstiger Menüangebote („Value Mix“) von 13 % auf 18 % erhöht, McDonald’s liegt bereits bei über 33 %. Für Saleh ein Warnsignal: „Ein Drittel ist zu viel. Man muss zurück zu einem gesunden Gleichgewicht zwischen Rabatten und regulären Preisen.“
Fazit: Fast Food als Schutz vor der Krise – aber kein Freifahrtschein
Der gegenläufige Trend an den Börsen zeigt: Fast-Food-Konzerne profitieren kurzfristig von geopolitischer Unsicherheit, schützenden Franchise-Strukturen und robusten Lieferketten innerhalb Nordamerikas. Doch hinter der glänzenden Fassade brodeln Herausforderungen – von strukturell stagnierendem Gewinnwachstum bis hin zum Preiskampf um die Gunst der Konsumenten.
Fast Food ist aktuell ein sicherer Hafen – aber keiner ohne Untiefen. Wer investiert, sollte wissen: Auch Big Macs haben Grenzen.