1. Dienstleistungssektor: leichter Rückgang im November 2025
- Der reale Umsatz im Dienstleistungsbereich sank gegenüber Oktober 2025 um 0,4 % (nominal −0,3 %).
- Im Vergleich zum November 2024 ergibt sich jedoch ein realer Anstieg um 0,6 % (nominal +2,5 %).
- Besonders starke Rückgänge:
- sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen: −1,4 %
- Grundstücks- und Wohnungswesen: −1,3 %
- Leichte Rückgänge auch bei freiberuflichen/technischen Dienstleistungen (−0,4 %) sowie Verkehr und Lagerei (−0,1 %);
Information und Kommunikation legte dagegen geringfügig zu (+0,1 %).
Eine zusätzliche Meldung bestätigt:
- Monatsrückgang −0,4 % im November;
- für das 4. Quartal insgesamt −0,9 % gegenüber dem Vorquartal.
Zwischenfazit:
Der Dienstleistungssektor zeigt kurzfristige Schwäche, bleibt aber im Jahresvergleich leicht im Plus.
2. Verarbeitendes Gewerbe: stark steigende Auftragseingänge
Dezember 2025
- Reale Auftragseingänge: +7,8 % zum Vormonat, +13,0 % zum Vorjahr.
- Ohne Großaufträge: nur +0,9 %.
- Im 4. Quartal insgesamt: +9,5 % gegenüber Q3 (ohne Großaufträge +2,5 %).
Diese Entwicklung überraschte Analysten, die einen Rückgang erwartet hatten;
es ist bereits der vierte monatliche Anstieg in Folge.
Branchentreiber
- Metallerzeugnisse: +30,2 %
- Maschinenbau: +11,5 %
- Elektrische Ausrüstung: +9,8 %
- Elektronische/optische Erzeugnisse: +5,7 %
- Rückgänge:
- Automobilindustrie: −6,3 %
- sonstiger Fahrzeugbau: −18,7 %
Nachfrage nach Güterarten
- Investitionsgüter: +10,5 %
- Vorleistungsgüter: +5,7 %
- Konsumgüter: −5,3 %
Herkunft der Aufträge
- Inland: +10,7 %
- Ausland gesamt: +5,6 %
- Eurozone: −0,6 %
- Nicht-Eurozone: +9,7 %
Zwischenfazit:
Die Industrienachfrage zieht deutlich an, jedoch stark durch Großaufträge geprägt und branchenspezifisch uneinheitlich.
3. Industrieumsatz: trotz Auftragsplus rückläufig
- Reale Industrieumsätze im Dezember 2025:
- −1,4 % zum Vormonat
- −1,9 % zum Vorjahr
- Novemberwert wurde auf +2,9 % revidiert.
- Gesamtjahr 2025: −1,3 % gegenüber 2024.
Eine separate Meldung bestätigt die gleichen Rückgänge.
Zwischenfazit:
Zwischen Auftragseingängen (stark positiv) und realem Umsatz (negativ) besteht eine deutliche Diskrepanz.
4. Gesamtbewertung und kritische Einordnung
Konjunkturelles Bild
- Dienstleistungen: kurzfristige Abschwächung, aber stabil im Jahresvergleich.
- Industrie:
- Aufträge stark steigend → mögliches Frühindikator-Signal.
- Umsätze weiterhin rückläufig → reale Produktion bzw. Auslieferungen schwach.
Zentrale Spannungen
- Großauftragsabhängigkeit
- Ohne Großaufträge deutlich geringere Dynamik → Risiko einer Überinterpretation des Aufschwungs.
- Sektorale Divergenz
- Maschinenbau stark, Automobil schwach → strukturelle Transformation der Industrie.
- Zeitverzögerung zwischen Aufträgen und Umsatz
- Auftragsboom könnte erst 2026 in Produktion/Umsatz sichtbar werden.
- Schwäche bei Konsumgütern und Dienstleistungen
- Hinweis auf gedämpfte Binnennachfrage.
Gesamturteil
Die Daten zeigen keine klare Erholung, sondern ein gemischtes Bild:
- Frühindikatoren (Aufträge) verbessern sich,
- aktuelle Aktivität (Umsätze, Dienstleistungen) bleibt schwach.
Damit spricht vieles eher für eine fragile Stabilisierung als für einen robusten Aufschwung.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)
