Fundamentale Analyse: Prinzipien, Arten und Anwendung
Definition
Die fundamentale Analyse misst den inneren Wert eines Wertpapiers, indem sie die Finanzberichte eines Unternehmens sowie umfassendere wirtschaftliche Indikatoren untersucht.
Was ist fundamentale Analyse?
Die fundamentale Analyse ist eine Methode zur Ermittlung des inneren Werts eines Wertpapiers. Dabei werden die Finanzberichte eines Unternehmens sowie makroökonomische Faktoren analysiert, um dessen tatsächlichen Wert auf Basis der finanziellen Gesundheit, des Marktes und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu bestimmen. Investoren nutzen diese Analyse, um zu entscheiden, ob sich eine Investition in ein Unternehmen lohnt – basierend auf dessen aktuellem und zukünftigem Wert.
Wichtige Erkenntnisse
- Die fundamentale Analyse dient dazu, den inneren Wert einer Aktie zu bestimmen.
- Fundamentalanalysten suchen nach Aktien, die über oder unter ihrem wahren Wert gehandelt werden.
- Liegt der faire Marktwert über dem aktuellen Marktpreis, gilt die Aktie als unterbewertet, und es wird eine Kaufempfehlung ausgesprochen.
- Ist der faire Marktwert niedriger als der Marktpreis, gilt die Aktie als überbewertet, und die Empfehlung lautet, nicht zu kaufen oder – falls bereits im Besitz – zu verkaufen.
- Im Gegensatz dazu konzentrieren sich technische Analysten auf historische Kursentwicklungen, um kurzfristige Trends vorherzusagen.
Die fundamentale Analyse verstehen
Bei der fundamentalen Analyse untersucht man das Umsatzwachstum, die Profitabilität und die Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens innerhalb seiner Branche. Ebenso werden makroökonomische Faktoren wie der allgemeine Zustand der Wirtschaft und die Nachfrage nach den Produkten oder Dienstleistungen des Unternehmens berücksichtigt. Auch die Effektivität des Managementteams spielt eine Rolle: Ein kompetentes und erfahrenes Führungsteam kann Herausforderungen meistern und Chancen nutzen, um das Wachstum und den Wert des Unternehmens zu steigern.
Dieser Ansatz ermöglicht es, hinter die Stimmung der Investoren und die Marketingstrategien eines Unternehmens zu blicken und zu beurteilen, ob es Potenzial für langfristigen Erfolg hat. Mit der fundamentalen Analyse kann man feststellen, ob der Marktpreis eines Wertpapiers über- oder unterbewertet ist.
Die Analyse beginnt in der Regel mit der Untersuchung der Finanzberichte eines Unternehmens, einschließlich der Gewinn- und Verlustrechnung, der Bilanz und der Kapitalflussrechnung. Diese Daten dienen zur Berechnung und Bewertung der finanziellen Gesundheit und des inneren Werts. Wichtige Kennzahlen, die aus diesen Berichten abgeleitet werden, umfassen das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), den Gewinn pro Aktie (EPS), die Eigenkapitalrendite (ROE) und das Verschuldungsverhältnis (D/E). Fundamentalanalysten nutzen solche Kennzahlen, um zu prüfen, ob eine Aktie im Vergleich zu ihrem Marktpreis und den Wettbewerbern unter- oder überbewertet ist.
Darüber hinaus berücksichtigt die fundamentale Analyse Faktoren wie das Bruttoinlandsprodukt, die Inflationsrate, Arbeitslosenquoten, Branchen- oder Sektortrends sowie die Wettbewerber des Unternehmens. Sie bewertet nicht nur die Marktperformance, sondern auch die Fähigkeit eines Unternehmens, Waren und Dienstleistungen zu produzieren. Dazu gehört die Analyse der Gesamtwirtschaft, der Branchenentwicklung und der Position des Unternehmens innerhalb der Branche, um dessen Wert abzuschätzen und die künftige Entwicklung zu prognostizieren. Neben ökonomischen und finanziellen Daten werden oft auch das Geschäftsmodell, die Managementqualität, die Markenbekanntheit sowie das Potenzial für Wachstum und Profitabilität einbezogen.
Letztlich soll die fundamentale Analyse eine konkrete Zahl – einen Wert – liefern, den man beim Kauf, Halten oder Verkauf von Aktien nutzen kann. Dafür ist ein tiefes Verständnis der Finanzberichte und eine strategische Einschätzung erforderlich, wie externe Faktoren die zukünftigen Erträge und die Marktposition eines Unternehmens beeinflussen könnten.
Warum ist die fundamentale Analyse wichtig?
Die Fundamentaldaten ermöglichen es Investoren, über kurzfristige Kursschwankungen hinauszublicken und sich auf die zugrunde liegenden Faktoren zu konzentrieren, die die operative Tätigkeit und die langfristige Performance eines Unternehmens bestimmen.
Der Hauptvorteil der fundamentalen Analyse liegt darin, den Wert eines Unternehmens und seiner Aktien zu quantifizieren. Finanzberichte liefern verlässliche Daten, die Einblicke in die Profitabilität, Liquidität und finanzielle Stabilität eines Unternehmens geben. Zusammen mit einer Bewertung des Managementteams, der Wettbewerbsvorteile und der Branchentrends ergibt sich ein Bild des fairen oder angestrebten Werts. Mit diesem Wissen können Investoren fundierte Entscheidungen über den Kauf, das Halten oder den Verkauf einer Aktie treffen.
Zudem hilft die fundamentale Analyse, unterbewertete Unternehmen zu identifizieren. Durch die Betrachtung von Umsatzwachstum, Marktanteil und Produktpipeline können Investoren das Potenzial für künftige Gewinne und steigenden Aktionärswert einschätzen. Investitionen in Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten und vielversprechenden Wachstumsaussichten ermöglichen es, von langfristigen Trends und neuen Chancen zu profitieren. Besonders Value-Investoren suchen nach unterbewerteten Aktien mit hohem fundamentalem Potenzial.
Schließlich hilft die fundamentale Analyse, Warnsignale und überbewertete Investments zu erkennen. Durch die Untersuchung der finanziellen Gesundheit und Marktposition eines Unternehmens können Investoren Aktien meiden, die wahrscheinlich schlechter abschneiden oder starke Rückgänge erleiden könnten. Dies ist besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit oder Marktvolatilität wichtig, wenn die grundlegende Stärke eines Unternehmens entscheidend dafür sein kann, ob es eine Krise übersteht oder vom Markt verdrängt wird.
Wo finde ich Fundamentaldaten eines Unternehmens?
Zu den gängigsten und verlässlichsten Quellen für Fundamentaldaten eines Unternehmens gehören:
- Unternehmensberichte: Öffentlich gehandelte Unternehmen müssen regelmäßig Berichte bei der Securities and Exchange Commission (SEC) einreichen, wie den Form 10-K (Jahresbericht), Form 10-Q (Quartalsbericht) und Form 8-K (aktuelle Ereignisse). Diese Berichte enthalten detaillierte Finanzdaten, Managementdiskussionen und andere wichtige Informationen. Sie sind kostenlos über die EDGAR-Datenbank der SEC zugänglich.
- Unternehmenswebsite: Die meisten börsennotierten Unternehmen bieten auf ihrer Investor-Relations-Seite Finanzberichte, Gewinnmitteilungen, Präsentationen und weitere relevante Informationen für Aktionäre und potenzielle Investoren an. Transkripte von Earnings Calls sind besonders nützlich, da Führungskräfte hier oft Schwachstellen des Unternehmens ansprechen müssen.
- Finanzplattformen: Plattformen wie Yahoo! Finance, Google Finance und MarketWatch bieten Finanznachrichten, Analysen und fundamentale Daten zu börsennotierten Unternehmen, einschließlich Finanzberichten, Kennzahlen und Analystenbewertungen.
Viele Brokerhäuser stellen Berichte über Unternehmen bereit, die sie oder ihre Partner abdecken, oft mit detaillierter fundamentaler Analyse und Investitionsempfehlungen. – Finanzdaten-Anbieter:
Abonnementbasierte Dienste wie Bloomberg, FactSet und Morningstar bieten umfassende fundamentale Daten und Analysen zu Unternehmen, Branchen und Märkten. Diese Dienste sind oft kostspielig und werden daher eher von professionellen Investoren und Analysten genutzt. – Branchenfachzeitschriften:
Fachpublikationen zu bestimmten Industrien liefern wertvolle Einblicke in Branchentrends, Wettbewerbsdynamiken und unternehmensspezifische Entwicklungen, die die fundamentale Analyse unterstützen.
Bei der Durchführung einer fundamentalen Analyse ist es wichtig, mehrere Quellen zu nutzen, um ein umfassendes Bild der finanziellen Aussichten eines Unternehmens zu erhalten. Zudem sollten potenzielle Voreingenommenheiten oder Interessenkonflikte in den Informationen berücksichtigt werden.
Wie liest man einen Jahresbericht eines Unternehmens?
Das Lesen eines Jahresberichts ist ein zentraler Bestandteil der fundamentalen Analyse. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Beginnen Sie mit dem Brief des CEOs an die Aktionäre: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über die Unternehmensleistung, wichtige Entwicklungen und die Zukunftsaussichten aus Sicht der Geschäftsführung. Achten Sie auf Ton und Inhalt, da sie Hinweise auf Strategie, Herausforderungen und Perspektiven geben.
- Lesen Sie die Unternehmensbeschreibung: Hier werden die Hauptprodukte oder -dienstleistungen, Zielmärkte, Wettbewerbsvorteile und zentrale Risiken beschrieben. Dies hilft, das Geschäftsmodell und die Erfolgsfaktoren zu verstehen.
- Analysieren Sie die Managementdiskussion und -analyse (MD&A): Die MD&A bietet eine detaillierte Diskussion der finanziellen Performance, einschließlich Umsatz- und Kostentrends, Cashflows und wichtiger Kennzahlen. Sie enthält auch die Sicht des Managements auf Einflussfaktoren und Zukunftsaussichten.
- Prüfen Sie die Finanzberichte: Der Jahresbericht enthält geprüfte Finanzdaten wie Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz und Kapitalflussrechnung. Analysieren Sie diese sorgfältig auf Trends bei Umsatz, Kosten, Gewinn, Vermögen, Verbindlichkeiten und Cashflows, um wichtige Kennzahlen zu berechnen.
- Lesen Sie die Anmerkungen zu den Finanzberichten: Diese Fußnoten liefern zusätzliche Details zu Rechnungslegungspraktiken, bedeutenden Transaktionen und anderen wichtigen Informationen, die in den Hauptberichten nicht sofort ersichtlich sind.
- Prüfen Sie den Prüfungsbericht: Dieser gibt eine unabhängige Einschätzung, ob die Finanzberichte die finanzielle Lage und Leistung des Unternehmens gemäß den allgemein anerkannten Rechnungslegungsgrundsätzen (GAAP) fair darstellen. Achten Sie auf eingeschränkte Meinungen oder Haftungsausschlüsse, die auf Probleme hinweisen könnten.
- Bewerten Sie die Unternehmensführung: Der Jahresbericht enthält oft Informationen über den Vorstand, die Vergütung der Führungskräfte und andere Governance-Aspekte. Prüfen Sie, ob die Governance-Praktiken im Interesse der Aktionäre stehen und ob es Warnsignale wie Interessenkonflikte oder überhöhte Vergütungen gibt.
- Achten Sie auf zusätzliche Angaben: Der Bericht kann Informationen zu rechtlichen Verfahren, regulatorischen Fragen oder Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) enthalten, die die Performance und den Ruf des Unternehmens beeinflussen könnten.
Ein genauerer Blick auf Finanzberichte
Die Informationen in Finanzberichten gehören zu den wertvollsten Daten über die finanzielle Gesundheit und Leistung eines Unternehmens. Hier eine Übersicht, was man aus den einzelnen Berichten erfahren kann:
- Gewinn- und Verlustrechnung: Sie zeigt, wie viel Geld ein Unternehmen einnimmt (Umsatz), wie viel es ausgibt (Kosten) und was übrig bleibt (Gewinn oder Verlust). Trends bei Umsatz und Kosten geben Hinweise darauf, ob das Unternehmen wächst oder Schwierigkeiten hat. Außerdem kann man wichtige Kennzahlen wie die Gewinnmarge berechnen, die angibt, wie viel von jedem Umsatzeuro als Gewinn bleibt.
- Bilanz: Sie bietet einen Überblick über das, was ein Unternehmen besitzt (Vermögenswerte), schuldet (Verbindlichkeiten) und was den Aktionären gehört (Eigenkapital). Damit lässt sich die finanzielle Stabilität und Liquidität beurteilen. Ein hoher Vermögensüberschuss gegenüber Verbindlichkeiten ist positiv. Das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital zeigt die finanzielle Hebelwirkung und das Risiko.
- Kapitalflussrechnung: Sie zeigt, wie viel Geld in einem bestimmten Zeitraum ins Unternehmen fließt und wieder herausgeht. Sie ist in drei Bereiche unterteilt: operative Tätigkeiten (Geld aus dem Kerngeschäft), Investitionstätigkeiten (Geld aus nicht zum Kerngeschäft gehörenden Investitionen) und Finanzierungstätigkeiten (Geld, das zur Finanzierung des Geschäfts aufgebracht oder ausgezahlt wird). Die Kapitalflussrechnung zeigt die Fähigkeit eines Unternehmens, Bargeld zu generieren, Rechnungen zu bezahlen und in Wachstum zu investieren.
Die Kapitalflussrechnung ist besonders wichtig, da Bargeld schwer zu manipulieren ist. Während ein kreativer Buchhalter Gewinne verschönern kann, ist Bargeld auf dem Konto eine klare Größe. Daher sehen manche Investoren die Kapitalflussrechnung als konservativeres Maß für die Unternehmensleistung.
Quantitative und qualitative fundamentale Analyse
Das Problem bei der Definition von „Fundamentaldaten“ ist, dass sie alles umfassen können, was mit dem wirtschaftlichen Wohlergehen eines Unternehmens zusammenhängt. Dazu gehören Zahlen wie Umsatz und Gewinn, aber auch Faktoren wie Marktanteil oder Managementqualität. Diese lassen sich in zwei Kategorien einteilen: quantitativ und qualitativ:
- Quantitativ: Informationen, die durch Zahlen, Kennzahlen oder Formeln dargestellt werden können.
- Qualitativ: Eher die Qualität, der Standard oder die Natur eines Aspekts als eine messbare Größe.
Quantitative Fundamentaldaten sind harte Zahlen, die messbaren Eigenschaften eines Unternehmens. Die wichtigste Quelle dafür sind Finanzberichte. Qualitative Fundamentaldaten sind weniger greifbar und umfassen Aspekte wie die Qualität der Führungskräfte, Markenbekanntheit, Patente oder proprietäre Technologien. Weder die qualitative noch die quantitative Analyse ist per se besser – viele Analysten kombinieren beide Ansätze.
Qualitative Fundamentaldaten im Fokus
Es gibt bestimmte qualitative Fundamentaldaten, die Analysten stets berücksichtigen sollten:
- Geschäftsmodell: Was macht das Unternehmen genau? Dies ist nicht immer offensichtlich. Wenn ein Unternehmen etwa Fast-Food-Hähnchen verkauft, verdient es damit sein Geld – oder lebt es von Lizenzgebühren und Franchise-Einnahmen?
- Wettbewerbsvorteil: Der langfristige Erfolg eines Unternehmens hängt von seiner Fähigkeit ab, einen Wettbewerbsvorteil zu halten. Beispiele wie die Marke Coca-Cola oder Microsofts Dominanz bei Betriebssystemen schaffen eine Schutzbarriere, die Wettbewerber fernhält und Wachstum sowie Gewinne sichert.
- Managementteam: Manche sehen das Management als wichtigstes Kriterium für eine Investition. Selbst das beste Geschäftsmodell scheitert, wenn die Führungskräfte den Plan nicht umsetzen können. Kleinanleger können zwar selten Manager persönlich treffen, aber die Unternehmenswebsite und die Lebensläufe der Führungskräfte und Vorstandsmitglieder geben Aufschluss. Wie erfolgreich waren sie in früheren Positionen? Haben sie kürzlich viele Aktien verkauft?
- Unternehmensführung und Vorstandsstruktur: Diese umfassen die internen Richtlinien, die Beziehungen und Verantwortlichkeiten zwischen Management, Vorstand und Stakeholdern regeln. Sie sind in der Unternehmenssatzung, den Statuten und gesetzlichen Vorschriften definiert. Ein ethisch, fair, transparent und effizient geführtes Unternehmen ist vorzuziehen. Achten Sie darauf, ob das Management die Rechte und Interessen der Aktionäre respektiert und ob die Kommunikation verständlich ist. Unklare oder ausweichende Antworten auf wichtige Fragen sind ein schlechtes Zeichen.
- Branchentrends: Die Branche eines Unternehmens – Kundenbasis, Marktanteil, branchenweites Wachstum, Wettbewerb, Regulierung und Konjunkturzyklen – ist entscheidend. Ein Verständnis der Branche vertieft die Einschätzung der finanziellen Gesundheit eines Unternehmens.
- Zufriedenheit der Stakeholder: Mitarbeiter, Manager, Kunden, Lieferanten, Investoren und andere Beteiligte sollten positiv über das Unternehmen und seine Aussichten denken. Ohne dies leidet das Markenimage, was zu sinkenden Umsätzen, geringeren Gewinnen und fallenden Aktienkursen führen kann.
Quantitative Fundamentaldaten: Finanzkennzahlen
Finanzberichte sind die Hauptquelle, um die finanzielle Leistung eines Unternehmens offenzulegen. Hier sind einige der wichtigsten Finanzkennzahlen mit ihren Formeln:
Wichtige Finanzkennzahlen | ||
---|---|---|
Kategorie | Verhältnis | Formel |
Rentabilität | Rohertragsmarge | (Umsatzerlöse – Kosten der verkauften Waren) / Umsatzerlöse |
Höhere Margen und Renditen deuten in der Regel auf ein profitableres und effizienteres Geschäft hin. | Operative Gewinnmarge | Operatives Ergebnis / Umsatz |
Nettogewinn-Marge | Nettogewinn / Umsatz | |
Kapitalrendite (ROA) | Jahresüberschuss / Durchschnittliche Bilanzsumme | |
Eigenkapitalrendite (ROE) | Jahresüberschuss / Durchschnittliches Eigenkapital | |
Liquidität | Aktuelles Verhältnis | Umlaufvermögen / Kurzfristige Verbindlichkeiten |
Eine höhere Kennzahl deutet darauf hin, dass das Unternehmen über genügend Liquidität verfügt, um seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. | Schnelles Verhältnis | (Zahlungsmittel + Wertpapiere des Umlaufvermögens + Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) / Kurzfristige Verbindlichkeiten |
Zahlungsfähigkeit | Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital | Summe Verbindlichkeiten / Total Eigenkapital |
Diese Kennzahlen messen die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen langfristigen Verbindlichkeiten nachzukommen. Niedrigere Verschuldungsquoten und höhere Zinsdeckungsgrade deuten in der Regel auf ein finanziell stabileres Unternehmen hin. | Verhältnis von Schulden zu Vermögenswerten | Summe Verbindlichkeiten / Bilanzsumme |
Zinsdeckungsgrad | Operatives Ergebnis / Zinsaufwand | |
Effizienz | Umschlagsquote | Umsatz / Durchschnittliche Bilanzsumme |
Diese Kennzahlen messen, wie effektiv ein Unternehmen sein Vermögen verwaltet, um Umsatz zu generieren. Höhere Fluktuationsquoten deuten darauf hin, dass das Unternehmen seine Vermögenswerte effizienter einsetzt, um Einnahmen zu erzielen. | Verhältnis des Lagerumschlags | Kosten der verkauften Waren / Durchschnittlicher Lagerbestand |
Forderungsumschlagsquote | Umsatz / Durchschnittliche Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | |
Bewertung | KGV | Marktpreis je Aktie / Ergebnis je Aktie |
Niedrigere Kennzahlen können darauf hindeuten, dass die Aktie unterbewertet ist, während höhere Kennzahlen darauf hindeuten können, dass sie überbewertet ist. | Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) | Marktpreis pro Aktie / Buchwert pro Aktie |
Kurs-Umsatz-Verhältnis (KGV) | Marktpreis pro Aktie / Umsatz pro Aktie | |
Dividendenrendite | Jährliche Dividende je Aktie / Marktpreis je Aktie |
Fundamentale Analyse vs. Technische Analyse
Die fundamentale Analyse unterscheidet sich stark von der technischen Analyse, die historische Marktdaten wie Preis und Volumen nutzt, um Kursentwicklungen vorherzusagen. Technische Analysten verwenden Kursmuster und Indikatoren, oft grafisch dargestellt, wie das „Kopf-Schulter-Muster“.
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Wertbestimmung: Technische Analysten sehen den Wert durch den Markt vorgegeben, während Fundamentalanalysten einen inneren Wert annehmen, den der Markt oft verfehlt.
Fundamentale vs. Technische Analyse
Fundamentale Analyse
- Schätzt den inneren Wert eines Unternehmens anhand seiner operativen Daten.
- Berücksichtigt Finanzberichte und qualitative Faktoren.
- Langfristiger Fokus (Monate/Jahre).
- Optimal für Buy-and-Hold-Investitionen.
Technische Analyse
- Untersucht Preis- und Markttrends, um die Marktpsychologie zu verstehen.
- Nutzt historische Kurse und Chartmuster.
- Kurzfristiger Fokus (Tage/Wochen).
- Optimal für kurzfristiges oder Swing-Trading.
Einschränkungen der fundamentalen Analyse
Obwohl die fundamentale Analyse wertvolle Einblicke in die Zukunft eines Unternehmens bietet, hat sie auch Nachteile. Beachten Sie folgende Punkte:
- Zeitaufwändig: Die Analyse erfordert eine detaillierte Prüfung von Finanzberichten, Wirtschaftsdaten, Branchenberichten und unternehmensspezifischen Faktoren. Das Sammeln der Daten, komplexe Berechnungen und die Interpretation von Kennzahlen nehmen viel Zeit in Anspruch.
- Nachlaufender Indikator: Neben dem hohen Zeitaufwand basiert die Analyse oft auf vergangenen Daten. Bis Veränderungen in den Fundamentaldaten sichtbar werden, hat sich der Aktienkurs möglicherweise schon angepasst.
- Abhängigkeit von historischen Daten: Die Analyse stützt sich stark auf vergangene Finanzinformationen. Diese bieten eine Grundlage für Zukunftsprognosen, können aber künftige Risiken oder Chancen nicht vollständig abbilden, da die Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft ist.
- Beeinflusst durch Rechnungslegung: Die Genauigkeit hängt von der Integrität und Transparenz der Finanzberichte ab. Management-Schätzungen, Abschreibungen oder GAAP-konforme Praktiken können die Analyse verzerren.
- Schwierige Bewertung von Immateriellem: Immaterielle Vermögenswerte wie Patente, Marken, Reputation oder Humankapital sind schwer zu quantifizieren und oft nicht vollständig in den Finanzberichten erfasst. Der Glaube an Apple wegen Steve Jobs wäre etwa nicht messbar.
- Wirtschaftliche Annahmen: Die Analyse basiert auf Annahmen über künftige wirtschaftliche Bedingungen wie Zinssätze, Inflation oder Wachstum, die sich ändern können und nicht eintreffen müssen.
- Verpasste kurzfristige Chancen: Der Fokus auf langfristigen Wert und Wachstum kann dazu führen, dass kurzfristige Trading-Möglichkeiten übersehen werden, die technische Analysen wie Preismuster oder Volumensprünge erkennen könnten.
Beispiel für eine fundamentale Analyse
Analysieren wir ein hypothetisches Unternehmen, ABC Inc., mit fundamentalen Methoden. Wir betrachten die Finanzberichte und berechnen Kennzahlen, um die finanzielle Gesundheit und Leistung zu bewerten.
Daten aus den Finanzberichten von ABC Inc. für das vergangene Geschäftsjahr:
ABC Gewinn- und Verlustrechnung & Bilanz | ||||
---|---|---|---|---|
Gewinn- und Verlustrechnung | (Millionen US-Dollar) | . | Bilanz | (Millionen US-Dollar) |
Einnahme | 1.000 $ | . | Vermögen | |
Kosten der verkauften Waren | 600 $ | . | Umlaufvermögen | 750 $ |
Bruttogewinn | 400 $ | . | Geld | 200 $ |
Betriebliche Aufwendungen | 200 $ | . | Marktfähige Wertpapiere | 250 $ |
Operatives Ergebnis | 200 $ | . | Forderungen | 300 $ |
Nettoeinkommen | 150 $ | . | Langfristige Vermögenswerte | 750 $ |
. | Bilanzsumme | 1.500 $ | ||
. | ————— | |||
. | Passiva | |||
. | Kurzfristige Verbindlichkeiten | 250 $ | ||
. | Langfristige Verbindlichkeiten | 250 | ||
. | Total Verbindlichkeiten | 500 $ | ||
. | ||||
. | Eigenkapital | 1.000 $ |
ABC Kapitalflussrechnung & Aktieninformationen | ||||
---|---|---|---|---|
Cashflows aus: | (Millionen US-Dollar) | . | Informationen zur Aktie | |
Transaktionen | 250 $ | . | # Ausstehende Aktien | 100 Millionen |
Investments | 100 $ | . | Aktienkurs | 25,00 $ |
Finanzierung | 150 $ | . |
Berechnung wichtiger Kennzahlen:
Profitabilitätskennzahlen:
- Bruttogewinnmarge = (1.000 – 600) / 1.000 = 40 %
- Operative Gewinnmarge = 200 / 1.000 = 20 %
- Nettogewinnmarge = 150 / 1.000 = 15 %
- Gesamtkapitalrendite (ROA) = 150 / 1.500 = 10 %
- Eigenkapitalrendite (ROE) = 150 / 1.000 = 15 %
Die Profitabilitätskennzahlen von ABC Inc. zeigen, dass das Unternehmen solide Gewinne erzielt. Mit einer Bruttomarge von 40 %, einer operativen Marge von 20 % und einer Nettomarge von 15 % sowie einem ROA von 10 % und einem ROE von 15 % generiert es gute Renditen auf Vermögen und Eigenkapital.
Liquiditätskennzahlen:
- Current Ratio = 750 / 250 = 3,00
- Quick Ratio = (200 + 150 + 200) / 250 = 2,20
Angenommen, das Umlaufvermögen beträgt 750 Mio. $ (200 Mio. $ Bargeld, 150 Mio. $ liquide Wertpapiere, 200 Mio. $ Forderungen) und die kurzfristigen Verbindlichkeiten 250 Mio. $, dann sind die Liquiditätskennzahlen stark. Ein Current Ratio von 3,0 und ein Quick Ratio von 2,2 zeigen, dass ABC Inc. seine kurzfristigen Verpflichtungen problemlos decken kann.
Solvabilitätskennzahlen:
- Verschuldungsgrad (D/E) = 500 / 1.000 = 0,50
- Schuldenquote = 500 / 1.500 = 0,33
Die Solvabilitätskennzahlen deuten auf ein moderates Schuldenniveau hin. Mit einem D/E von 0,5 und einer Schuldenquote von 0,33 ist das Unternehmen nicht übermäßig verschuldet und finanziell flexibel.
Bewertungskennzahlen (bei 100 Mio. ausstehenden Aktien und einem Aktienkurs von 25 $):
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) = 25 / (150 / 100) = 16,67
- Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) = 25 / (1.000 / 100) = 2,50
- Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) = 25 / (1.000 / 100) = 2,50
Die Bewertungskennzahlen zeigen, dass die Aktie zu einem vernünftigen Preis gehandelt wird. Ein KGV von 16,67 entspricht dem Marktdurchschnitt, während KBV und KUV von 2,5 darauf hindeuten, dass die Aktie nicht überteuert ist.
Qualitative Fundamentaldaten:
Wettbewerbsvorteile:
- Starke Markenbekanntheit und hohe Kundenloyalität in der Branche.
- Proprietäre Technologie, die die Produkte von Wettbewerbern abhebt.
- Effiziente Lieferkette und Vertriebsnetz für schnellere Lieferung und geringere Kosten.
Managementqualität:
- Erfahrenes Managementteam mit nachgewiesenen Erfolgen.
- Der CEO ist seit 15 Jahren im Unternehmen und hat mehrere Wachstumsphasen geleitet.
- Engagement für Innovation durch strategische Investitionen in Forschung und Entwicklung.
Branchentrends:
- Die Branche wächst stetig um 5 % jährlich.
- Steigende Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten, passend zu ABC Inc.s Angebot.
- Günstigere regulatorische Rahmenbedingungen für die Produkte des Unternehmens.
Wachstumsaussichten:
– Starke Pipeline neuer Produkte für die nächsten 12–18 Monate. – Expansion in neue geografische Märkte, mit Plänen für zwei neue Länder im nächsten Jahr. – Jüngste Übernahmen bieten Synergien und steigern den Marktanteil.
Unternehmensführung:
- Diverser und unabhängiger Vorstand.
- Starke Historie in Transparenz und zeitnaher Berichterstattung.
- Vergütung der Führungskräfte ist an langfristige Aktionärsinteressen gekoppelt.
ESG-Faktoren:
- Ehrgeizige Ziele zur Reduktion des CO₂-Fußabdrucks und Nutzung erneuerbarer Energien.
- Engagement für Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion mit entsprechenden Programmen.
- Unterstützung lokaler Gemeinschaften und philanthropischer Initiativen.
Basierend auf dieser hypothetischen Analyse erscheint ABC Inc. finanziell gesund und als potenziell attraktive Investition. Dies ist jedoch ein vereinfachtes Beispiel. In der Praxis wäre eine umfassendere Analyse nötig, die Wettbewerbsposition, Branchentrends, Managementqualität und Wachstumsperspektiven berücksichtigt, bevor eine Investitionsentscheidung getroffen wird.
Fazit
Die fundamentale Analyse dient dazu, den Wert eines Unternehmens zu bestimmen und festzustellen, ob eine Aktie vom Markt über- oder unterbewertet ist. Sie berücksichtigt wirtschaftliche, markt- und sektorspezifische Faktoren sowie die finanzielle Leistung.
Finanzkennzahlen aus Berichten und staatliche Wirtschafts- und Branchenberichte werden zur Bewertung herangezogen. Nicht jeder Analyst verwendet dieselben Werkzeuge oder bewertet Aktien gleich – Ihre Einschätzung kann von der anderer abweichen. Entscheidend ist, dass die analysierte Aktie Ihren Wertkriterien entspricht und Ihre Analyse handlungsrelevante Erkenntnisse liefert.