GameStop-Aktien steigen nach Bitcoin-Investition und Filialschließungen

Die Aktien von GameStop sind am Mittwoch um 13 % gestiegen, nachdem das Unternehmen bekannt gab, einen Teil seines Unternehmensvermögens in Bitcoin zu investieren – ähnlich wie das Softwareunternehmen MicroStrategy (heute Strategy genannt). Die Ankündigung bestätigt Berichte von CNBC aus dem Februar, dass GameStop plant, Bitcoin und andere Kryptowährungen in seine Bilanz aufzunehmen. Zum 1. Februar verfügte das Unternehmen über fast 4,8 Milliarden US-Dollar in bar, und es gebe keine Obergrenze für die Menge an Bitcoin, die gekauft werden könnte, hieß es.

Der Videospielhändler folgt damit dem Beispiel von Strategy, das in den letzten Jahren Milliarden in Bitcoin investierte und zum größten Unternehmensinhaber der Kryptowährung wurde – mit einem rasanten, wenn auch volatilen Anstieg der Aktie als Folge. Für GameStop ist dieser Schritt der neueste Versuch von CEO Ryan Cohen, das angeschlagene stationäre Geschäft zu revitalisieren, indem Kosten gesenkt und Abläufe optimiert werden.

Gleichzeitig warnte GameStop in einer Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC vor den Risiken: Bitcoin sei ein hochvolatiles Gut, und die Strategie sei ungetestet und könnte scheitern. Tatsächlich hat Bitcoin seit der Wiederwahl von Donald Trump eine Achterbahnfahrt erlebt – nach einem Höchststand von über 100.000 US-Dollar fiel der Kurs um etwa 18 % auf rund 88.000 US-Dollar.

Neben der Krypto-Ankündigung freuten sich Investoren auch über starke Quartalsergebnisse: GameStop meldete einen Nettogewinn von 131,3 Millionen US-Dollar, mehr als das Doppelte der 63,1 Millionen aus dem Vorjahr.

Filialschließungen und neuer Fokus

Parallel dazu schließt GameStop weltweit zahlreiche Filialen. Innerhalb des letzten Jahres wurden etwa 1.000 der einst rund 6.000 Standorte geschlossen, darunter 590 in den USA und über 330 in Europa. Aktuell gibt es noch 3.203 Filialen, doch weitere „maßgebliche“ Schließungen stehen bevor, auch wenn konkrete Standorte noch nicht festgelegt sind. Der Rückgang ist auf veränderte Kundenpräferenzen – Online-Käufe und Streaming – sowie anhaltende wirtschaftliche Herausforderungen zurückzuführen.

Mit der Investition in Bitcoin als Reserve-Asset wendet sich GameStop zunehmend vom klassischen Einzelhandel ab. Analyst Neil Saunders bezeichnete dies gegenüber CNN als „Verteidigung gegen Irrelevanz“ – eine ungewöhnliche Wende, die das Unternehmen weniger als Händler, sondern mehr als Krypto-Investmentvehikel positioniere. Die Ankündigung ließ die Aktie im vorbörslichen Handel am Mittwoch um 16 % steigen.

GameStop reiht sich damit in die Liste bekannter Einzelhändler wie Joann, Forever 21 oder Macy’s ein, die ebenfalls mit Filialschließungen oder gar dem Verschwinden kämpfen – ein Trend, der durch Inflation, Private-Equity-Druck und sich wandelnde Einkaufsgewohnheiten verstärkt wird.


GameStops Aufstieg als Meme-Stock in der Coronakrise

Während der Pandemie, als viele Menschen zu Hause blieben und sich verstärkt in Online-Communities wie Reddit engagierten, wurde GameStop zum Symbol eines außergewöhnlichen Börsenphänomens. Im Januar 2021 schoss die Aktie des Videospielhändlers von unter 20 US-Dollar auf zeitweise über 400 US-Dollar – ein Anstieg, der wenig mit den Fundamentaldaten des Unternehmens zu tun hatte.

Auslöser war ein Kampf zwischen Kleinanlegern, organisiert im Reddit-Forum „WallStreetBets“, und großen Hedgefonds, die auf sinkende Kurse von GameStop gewettet hatten (sogenannte Short-Positionen). Die Community kaufte massiv Aktien und Optionen, was einen „Short Squeeze“ auslöste: Die Hedgefonds mussten ihre Verluste decken, indem sie Aktien zu immer höheren Preisen zurückkauften, was den Kurs weiter in die Höhe trieb. Begünstigt wurde dies durch die erhöhte Marktaktivität während der Pandemie, als viele neue Anleger – oft mit Corona-Hilfsgeldern – Plattformen wie Robinhood nutzten.

Für GameStop, das damals mit sinkenden Umsätzen und einer ungewissen Zukunft als stationärer Händler kämpfte, kam dieser Hype zur rechten Zeit. Der neue CEO Ryan Cohen, ein bekannter Unternehmer, nutzte die Aufmerksamkeit, um das Unternehmen umzustrukturieren. Der kurzfristige Aktien-Boom verschaffte GameStop zudem Kapital durch neue Aktienemissionen, was die finanzielle Lage stärkte – eine Grundlage, auf der nun auch die Bitcoin-Strategie aufbaut.

Das Phänomen machte GameStop zum Sinnbild eines Machtkampfes zwischen „Main Street“ und „Wall Street“ und prägte den Begriff der Meme-Stocks nachhaltig. Auch wenn der Höhenflug nicht anhielt, bleibt dieser Moment ein prägender Teil der Unternehmensgeschichte, der es GameStop ermöglichte, in der Krise zu überleben und sich neu zu erfinden.



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