Bundestagsdrucksache 21/3819
1. Anlass und Gegenstand der Kleinen Anfrage
Die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion bezieht sich auf Medienberichte über mutmaßliche vertrauliche Treffen deutscher Ex-Politiker und Lobbyisten mit kremlnahen russischen Akteuren in Abu Dhabi sowie zuvor in Baku. Genannt werden u. a.:
- Ronald Pofalla (ehem. Kanzleramtschef, CDU),
- Matthias Platzeck (ehem. Ministerpräsident Brandenburg, SPD),
- Martin Hoffmann (Deutsch-Russisches Forum),
- sowie Michail Schwydkoi (Beauftragter der russischen Regierung für internationale Kulturbeziehungen).
Die Fragesteller betonen explizit ihre grundsätzliche Unterstützung von Diplomatie mit Russland und werfen der Bundesregierung doppelte Standards bei der Bewertung unterschiedlicher Russlandkontakte vor.
2. Grundhaltung der Bundesregierung
Bereits in der Vorbemerkung distanziert sich die Bundesregierung deutlich:
- Sie nimmt die Darstellung der Fragesteller lediglich zur Kenntnis,
- widerspricht den enthaltenen Wertungen,
- und bestätigt weder Tatsachenbehauptungen noch Schlussfolgerungen.
Diese Formel signalisiert eine defensive und formalistische Antwortstrategie, ohne auf den politischen Kern der Vorwürfe einzugehen.
3. Kenntnis und Beteiligung der Bundesregierung (Fragen 1–3)
Kernaussage:
- Etwaige Treffen in Abu Dhabi oder Baku erfolgten nicht im Auftrag der Bundesregierung und wurden von ihr weder geplant noch veranlasst.
Weitere Details:
- Keine Bestätigung von Vor- oder Nachgesprächen mit Bundesbehörden,
- Verweis auf frühere Antworten zu Schriftlichen Fragen eines anderen Abgeordneten.
Bewertung:
Die Bundesregierung vermeidet bewusst jede Aussage darüber,
- ob sie informell Kenntnis hatte,
- oder ob Kontakte politisch geduldet, missbilligt oder beobachtet wurden.
4. Politische Bewertung der Treffen und Vorwurf doppelter Standards (Fragen 7–9)
Kernaussagen:
- Die Bundesregierung verweist erneut auf frühere Antworten.
- Grundsatz: Kontakte mit russischen Vertretern, die deutschen außen- und sicherheitspolitischen Interessen zuwiderlaufen, werden abgelehnt.
Was ausdrücklich nicht erfolgt:
- Keine Bewertung der Treffen als patriotisch oder regimefreundlich,
- keine individuelle Bewertung der beteiligten Personen,
- keine direkte Auseinandersetzung mit dem Vorwurf, dass AfD-Abgeordnete anders beurteilt würden als Ex-Regierungsmitglieder anderer Parteien.
Bewertung:
Hier zeigt sich der Kern der Kritik:
- Die Bundesregierung vermeidet eine explizite Gleich- oder Ungleichbehandlung, obwohl genau dies Gegenstand der Anfrage ist.
- Der Verweis auf frühere Antworten ersetzt eine inhaltliche Stellungnahme.
5. Weitere geplante Treffen (Frage 10)
Antwort:
- Der Bundesregierung liegen keine Kenntnisse über weitere geplante deutsch-russische Treffen vor.
6. Gesamtbewertung
Zusammenfassend lässt sich festhalten:
- Die Bundesregierung verfolgt eine strikt formale, ausweichende Antwortstrategie.
- Sie bestätigt weder Fakten noch bewertet sie politisch brisante Vorgänge konkret.
- Der Vorwurf doppelter Standards wird nicht substantiiert entkräftet, sondern umgangen.
- Außenpolitisch bleibt die Linie klar restriktiv, kommunikativ jedoch defensiv.
Kritisch betrachtet entsteht der Eindruck, dass die Bundesregierung:
- zwischen formeller Nichtzuständigkeit und politischer Distanzierung laviert,
- ohne transparent zu machen, wo sie informelle Diplomatie toleriert oder ablehnt.
Doppelte Standards?
Vorwurf der Fragesteller
Die AfD argumentiert:
- Ex-Politiker anderer Parteien führen Gespräche → keine Sanktionierung
- AfD-Abgeordnete reisen nach Russland → politische Verurteilung
Differenzierende Gegenargumente
Aus analytischer Sicht bestehen relevante Unterschiede:
- Rollenverständnis
- Ex-Politiker ≠ aktive Mandatsträger
- Symbolwirkung
- Abgeordnete repräsentieren den Bundestag
- Einbettung
- Track-II-Gespräche ≠ öffentliche Solidaritätsgesten
Aber:
Diese Differenzierung wird von der Bundesregierung nicht expliziert, wodurch der Vorwurf politisch wirksam bleibt.