1. Einleitung
Das Zinsumfeld hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Nach einer langen Phase niedriger Zinsen kam es 2023 zu deutlichen Zinserhöhungen. Dies führte zu einer Abflachung der Zinskurve, bei der kurzfristige Zinsen oft nahe an oder sogar über langfristigen Zinsen liegen (inverse Zinskurve).
Wichtige Grundlagen:
- Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert die kurzfristigen Zinsen (Geldmarktzinsen).
- Langfristige Zinsen werden von den Markterwartungen über die zukünftige Wirtschaftsentwicklung und Inflation bestimmt.
Unterscheidung:
- Geldmarkt: Für kurzfristige, sehr sichere Anlagen mit geringen Schwankungen.
- Anleihen (Renten): Festverzinsliche Wertpapiere mit mittlerem Risiko und gewissen Kursschwankungen.
2. Anleihen-ETFs (Bond ETFs)
Anleihen-ETFs investieren in ein Portfolio von Anleihen und bilden in der Regel einen Anleihenindex nach. Diese Anleihen können von Regierungen, supranationalen Organisationen oder Unternehmen emittiert werden.
Merkmale:
- Laufzeiten: Kurz-, mittel- und langfristig.
- Zinsrisiko: Höher als bei Geldmarkt-ETFs, besonders bei langlaufenden Anleihen.
- Rendite: Höher als bei Geldmarkt-ETFs, abhängig von Zinsniveau und Bonität der Anleihen.
- Volatilität: Mittel bis hoch, je nach Laufzeit und Bonität der Anleihen.
- Ertragsquelle: Zinszahlungen (Coupons) und Kursgewinne.
- Kreditrisiko: Abhängig von der Bonität der Emittenten (z. B. Staatsanleihen vs. Unternehmensanleihen).
Typen von Anleihen-ETFs:
- Staatsanleihen-ETFs (z. B. deutsche Bundesanleihen, US-Treasuries)
- Unternehmensanleihen-ETFs (Investment Grade oder High Yield)
- Inflationsgeschützte Anleihen-ETFs (TIPS in den USA)
- Emerging Markets-Anleihen-ETFs (Schwellenländeranleihen)
Vorteile:
- Diversifikation
- Regelmäßige Zinserträge
- Höhere Rendite als Geldmarkt-ETFs
- Hohe Liquidität
- Kosteneffizienz
Nachteile & Risiken:
- Zinsänderungsrisiko (steigende Zinsen = sinkende Kurse)
- Kein fester Rückzahlungspreis
- Kreditrisiko (Zahlungsausfälle möglich)
- Währungsrisiko bei Fremdwährungen
- Inflations- und Liquiditätsrisiken
3. Geldmarkt-ETFs (Money Market ETFs)
Geldmarkt-ETFs investieren in kurzfristige, hochliquide Wertpapiere mit hoher Bonität. Dazu gehören Staatsanleihen mit sehr kurzen Restlaufzeiten, kurzfristige Unternehmensanleihen oder Einlagenzertifikate.
Merkmale:
- Laufzeiten: Sehr kurz (meist unter 1 Jahr).
- Zinsrisiko: Gering.
- Rendite: Sehr niedrig, oft nahe am aktuellen Leitzinsniveau.
- Volatilität: Sehr gering.
- Ertragsquelle: Geringe Zinsen aus kurzfristigen Wertpapieren.
- Kreditrisiko: Sehr gering (Investment-Grade-Emittenten).
Zweck von Geldmarkt-ETFs:
- Kapitalerhalt mit minimalem Risiko.
- Alternative zu Tagesgeld- oder Festgeldkonten.
- Parkmöglichkeit für Liquidität in unsicheren Marktphasen.
Vorteile:
- Hohe Sicherheit
- Hohe Liquidität
- Geringe Volatilität
- Alternative zu Tagesgeld
- Minimales Zinsrisiko
Nachteile & Risiken:
- Niedrige Rendite
- Inflationsrisiko
- Keine Einlagensicherung
- Fremdwährungsrisiko
4. Direkter Vergleich: Anleihen-ETFs vs. Geldmarkt-ETFs
Kriterium | Anleihen-ETFs | Geldmarkt-ETFs |
---|---|---|
Sicherheit | Mittel bis hoch | Sehr hoch |
Renditepotenzial | Mittel bis hoch | Niedrig |
Zinsrisiko | Hoch | Gering |
Kreditrisiko | Variabel | Sehr gering |
Volatilität | Mittel bis hoch | Sehr gering |
Liquidität | Hoch | Sehr hoch |
Inflationsrisiko | Mittel | Hoch |
Ertragsquelle | Zinsen & Kursgewinne | Zinsen |
5. Wie sollte man auf eine Zinssenkung reagieren?
- Tagesgeld & Festgeld: Unattraktiv, Festgeld ggf. noch kurzfristig nutzen.
- Geldmarkt-ETFs: Weiterhin eine Alternative für kurzfristige Liquidität.
- Langfristige Anleihen-ETFs: Profitieren besonders von Zinssenkungen.
- Aktien-ETFs: Bleiben langfristig die beste Wahl.
6. Anlagestrategien
Sicherheitsorientierte Anleger (Kapitalerhalt)
- 20-30% Tagesgeld/Festgeld
- 20% Geldmarkt-ETFs
- 50% kurz- bis mittelfristige Anleihen-ETFs
Ausgewogene Anleger (Stabilität & Rendite)
- 10-15% Geldmarkt-ETFs
- 30% langfristige Anleihen-ETFs
- 25% Dividenden-ETFs
- 30% breit gestreute Aktien-ETFs
Risikofreudige Anleger (Maximierung der Rendite)
- 60-70% breit gestreute Aktien-ETFs
- 15% Dividenden-ETFs
- 15% langfristige Staats- oder Unternehmensanleihen-ETFs
7. Fazit
- Anleihen-ETFs profitieren von sinkenden Zinsen.
- Geldmarkt-ETFs sind gut für kurzfristige Sicherheit.
- Langfristig sind Aktien-ETFs die beste Renditequelle.
- Ein gut diversifiziertes Portfolio kombiniert verschiedene Anlageklassen.