Der sogenannte Halo Trade ist kein offiziell definierter, klar abgegrenzter Investmentbegriff wie etwa „Value Investing“ oder „Growth Investing“. Vielmehr handelt es sich um ein strategisches Narrativ bzw. ein thematisches Investmentkonzept, das typischerweise wie folgt aufgelöst wird:
H.A.L.O. = Heavy Assets, Low Obsolescence
Das bedeutet:
- Heavy Assets → kapitalintensive, physische Sachwerte
- Low Obsolescence → geringe technologische oder strukturelle Alterungsanfälligkeit
Im Kern beschreibt der Ansatz Unternehmen mit:
- hoher Kapitalbindung in materiellen Vermögenswerten
- realer Substanz (z. B. Infrastruktur, Rohstoffe, Industrieanlagen)
- stabiler Nutzungsdauer
- geringer Disruptionsgefahr
- oft soliden, realwirtschaftlich abgesicherten Cashflows
1. Typische Branchen im Halo-Ansatz
Beispiele wären:
- Energie- und Versorgungsunternehmen
- Bergbau und Rohstoffe
- Infrastrukturbetreiber
- Industrie mit langlebigen Produktionsanlagen
- Transport- und Logistiknetzwerke
- Immobilien mit strukturell stabiler Nachfrage
Es geht also um reale Assets mit ökonomischer Dauerhaftigkeit.
2. Ist das einfach „Value Investing“?
Nicht ganz – es gibt Überschneidungen, aber es ist nicht identisch.
Gemeinsamkeiten mit Value
- Fokus auf Substanz
- Häufig niedrige Bewertungsmultiples
- Kapitalintensive Geschäftsmodelle
- Tendenziell geringere Wachstumsraten
- Stabilere Cashflows
Unterschiede
| Halo Trade | Klassisches Value Investing |
|---|---|
| Asset-Substanz steht im Vordergrund | Bewertung steht im Vordergrund |
| Thematischer Makro-Trade | Fundamentale Einzeltitelauswahl |
| Oft inflationssensitiv | Nicht zwingend |
| Fokus auf geringe Disruption | Fokus auf Fehlbewertung |
Ein Unternehmen kann ein Halo-Wert sein, ohne „billig“ zu sein. Umgekehrt kann eine Aktie günstig bewertet sein, obwohl ihr Geschäftsmodell hoher technologischer Disruption ausgesetzt ist – dann wäre sie kein Halo-Kandidat.
3. Makroökonomischer Hintergrund
Der Halo-Trade wird häufig in folgenden Umfeldern diskutiert:
- steigende Inflation
- höhere Zinsen
- Deglobalisierung
- Rohstoffzyklen
- Reindustrialisierung
- geopolitische Spannungen
In solchen Phasen verlieren „lange Duration Assets“ (z. B. stark wachstumsabhängige Tech-Werte) relativ an Attraktivität. Kapitalintensive Substanzwerte mit realen Assets gewinnen dann an relativer Stärke.
4. Kritische Einordnung
Vorteile
- Inflationsschutz durch reale Assets
- Geringere Disruptionsanfälligkeit
- Teilweise monopolartige Marktstrukturen
- Physische Knappheit als Wertanker
Risiken und Gegenargumente
- Kapitalintensität bedeutet nicht automatisch Renditestärke.
Viele asset-heavy Unternehmen erzielen niedrige Eigenkapitalrenditen. - „Low Obsolescence“ kann trügerisch sein.
Beispiele:- Kohlekraftwerke galten lange als strukturell stabil.
- Ölkonzerne stehen heute unter ESG- und Transformationsdruck.
- Politische Risiken
Infrastruktur und Energie sind stark reguliert. - Zyklizität
Rohstoff- und Industriewerte sind stark konjunkturabhängig. - Bewertungsfalle
Ein Asset kann langlebig sein, aber dennoch ökonomisch unattraktiv.
5. Fazit
Deine inhaltliche Beschreibung trifft den Kern durchaus:
„Gewichtige Anlagen, die nicht altern“
Das ist eine gute heuristische Übersetzung.
Aber:
- Es ist nicht deckungsgleich mit Value Investing
- Es ist eher ein makro-thematischer Real-Asset-Trade
- Es fokussiert auf ökonomische Dauerhaftigkeit physischer Kapitalgüter
Wenn man es präzise formulieren will:
Der Halo-Trade ist ein Investmentansatz, der auf kapitalintensive Unternehmen mit langlebigen, schwer ersetzbaren Sachwerten setzt – insbesondere in einem Umfeld steigender Inflation und struktureller Knappheit.
