Die Inflationsrate in Deutschland ist zum Jahresbeginn 2026 wieder leicht gestiegen. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts liegt sie im Januar bei 2,1 Prozent – exakt auf dem Niveau des geldpolitischen Ziels der Europäischen Zentralbank. Auf den ersten Blick klingt das nach Entspannung. Doch unter der Oberfläche zeigt sich ein deutlich komplexeres Bild.
Denn die aktuelle Inflation wird nicht mehr von Energiepreisen getrieben, sondern von strukturellen Faktoren, die sich deutlich schwerer bekämpfen lassen.
Der Blick hinter die Schlagzeile
Während Energiepreise im Jahresvergleich sogar leicht rückläufig sind, liegt die sogenannte Kerninflation – also die Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel – bei 2,5 Prozent. Genau dieser Wert ist für Notenbanken, Investoren und Märkte besonders relevant.
Die Kerninflation zeigt, wie tief Preissteigerungen in der Volkswirtschaft verankert sind. Und hier signalisiert sie klar:
Der Inflationsdruck ist keineswegs überwunden.
Dienstleistungen als neuer Haupttreiber
Der wichtigste Preistreiber im Jahr 2026 sind Dienstleistungen. Ihre Preise steigen aktuell um 3,2 Prozent und damit mehr als dreimal so stark wie die Preise für Waren.
Besonders betroffen sind:
- Versicherungen
- Gesundheitsdienstleistungen
- Gastronomie
- Tourismus und Pauschalreisen
Der Grund ist strukturell: Dienstleistungen sind stark personalabhängig. Steigende Löhne, höhere Sozialabgaben und dauerhaft erhöhte Energie- und Mietkosten lassen sich kaum durch Produktivitätsgewinne kompensieren. Unternehmen geben diese Kosten zwangsläufig an Verbraucher weiter.
Für die Inflationsbekämpfung ist das problematisch – denn Zinserhöhungen wirken hier nur begrenzt.
Löhne: Stütze der Kaufkraft – und Inflationstreiber zugleich
Trotz schwacher Konjunktur bleibt das Lohnwachstum robust. Tariflöhne legten zuletzt nominal um rund 2,6 Prozent zu. Zusätzlich wurde der Mindestlohn zum Jahreswechsel um 8,4 Prozent auf 13,90 Euro erhöht.
Aus volkswirtschaftlicher Sicht stabilisiert das die Kaufkraft vieler Haushalte. Gleichzeitig steigen jedoch die Kosten für personalintensive Branchen erheblich – insbesondere im Dienstleistungssektor.
Das Ergebnis ist ein klassischer Zielkonflikt:
Sozialpolitisch sinnvoll, preislich jedoch inflationstreibend.
Warum Steuersenkungen kaum helfen
Ein gutes Beispiel ist die sogenannte „Schnitzelsteuer“. Zwar wurde die Mehrwertsteuer auf Restaurantessen von 19 auf 7 Prozent gesenkt, doch bei den Gästen kam davon wenig an.
Grund dafür sind stark gestiegene Kosten für Personal, Mieten und Lebensmittel. Viele Betriebe konnten oder wollten die Steuersenkung nicht vollständig weitergeben. Für die Inflationsrate hatte die Maßnahme daher kaum dämpfende Wirkung.
Mobilität wird teurer
Auch der Verkehrssektor trägt 2026 zur Inflation bei. Das Deutschlandticket wurde auf 63 Euro erhöht, regionale Verkehrsverbünde zogen nach. Für Millionen Nutzer schlägt dieser Preisanstieg direkt auf die Verbraucherpreise durch.
Mobilität ist ein stark gewichteter Bestandteil des Warenkorbs – entsprechend sichtbar sind diese Effekte in der Inflationsstatistik.
Mieten: Der unterschätzte Inflationstreiber
Ein besonders hartnäckiges Problem bleibt der Wohnungsmarkt. Mieten machen rund acht Prozent des Verbraucherpreisindex aus, ihr Einfluss auf die Inflation wächst jedoch kontinuierlich.
In vielen Großstädten steigen die Mieten um 3,5 bis 5 Prozent, teils deutlich stärker als Löhne und Gesamtinflation. Der strukturelle Wohnungsmangel sorgt dafür, dass dieser Druck kaum nachlässt.
Für viele Haushalte liegt die persönlich empfundene Inflation daher deutlich über dem offiziellen Durchschnittswert.
CO₂-Preis: Politisch gewollt, ökonomisch spürbar
Hinzu kommt der steigende CO₂-Preis, der 2026 auf bis zu 65 Euro pro Tonne klettern könnte. Das verteuert Heizen und Kraftstoffe, auch wenn kurzfristig sinkende Stromnetzentgelte und niedrigere Energiepreise den Effekt abmildern.
Langfristig bleibt der CO₂-Preis jedoch ein kalkulierter, politisch gewollter Inflationstreiber.
Fazit: Eine neue Art von Inflation
Die Inflationsrate von 2,1 Prozent vermittelt Stabilität – doch sie täuscht. Deutschland hat es nicht mehr mit einer energiegetriebenen Kriseninflation zu tun, sondern mit einer strukturellen Dienstleistungs- und Kosteninflation.
Diese ist:
- weniger volatil
- weniger konjunkturabhängig
- deutlich schwerer zu bekämpfen
Für Anleger bedeutet das:
Das Inflationsproblem ist nicht verschwunden, sondern hat seine Form verändert.
Inflation dürfte sich auf absehbare Zeit nahe, aber dauerhaft über der gefühlten Wohlfühlgrenze bewegen – mit spürbaren Folgen für Zinsen, Immobilienmärkte, Konsumverhalten und reale Renditen.
Wer investiert, sollte sich daher weniger auf kurzfristige Inflationsrückgänge verlassen – und stärker auf langfristige Kaufkrafterhaltung achten.