Infla­ti­on sinkt – Ent­las­tung bei Ener­gie und Lebens­mit­teln, aber anhal­ten­der Druck bei Dienst­leis­tun­gen

1. Kern­aus­sa­gen

  • Infla­ti­ons­ra­te Dezem­ber 2025: +1,8 % (tiefs­ter Stand seit Sept. 2024)
  • Jah­res­durch­schnitt 2025: +2,2 % – exakt auf dem Niveau von 2024
  • Haupt­dämp­fer: sin­ken­de Ener­gie­prei­se (Ben­zin, Strom, Heiz­öl) und stark fal­len­de Prei­se bei But­ter und Oli­ven­öl
  • Haupt­trei­ber: Dienst­leis­tun­gen (u. a. Ver­kehr, sozia­le Dienst­leis­tun­gen, Gesund­heit, Mie­ten)

2. Preis­ent­wick­lung im Detail

2.1 Ener­gie

  • Ener­gie­prei­se ins­ge­samt: −1,3 % (Dezem­ber 2025 ggü. Dez. 2024)
  • Heiz­öl: −3,6 %
  • Strom: −1,8 %
  • Kraft­stof­fe: −0,7 %

Die­se Rück­gän­ge sind der wich­tigs­te Grund für die Abschwä­chung der Gesamt­in­fla­ti­on. Beson­ders rele­vant ist, dass sowohl Haus­halts­en­er­gie als auch Treib­stof­fe güns­ti­ger wur­den.

2.2 Nah­rungs­mit­tel

  • Nah­rungs­mit­tel gesamt: +0,8 % (nach +1,2 % im Novem­ber)
  • Deut­lich bil­li­ger:
    • But­ter: −31,7 %
    • Oli­ven­öl: −17,7 %
  • Deut­lich teu­rer:
    • Scho­ko­la­de: +18,9 %
    • Fleisch und Fleisch­wa­ren: +3,9 % (Rind/Kalb teils zwei­stel­lig)

Hier zeigt sich eine star­ke Sprei­zung inner­halb der Waren­grup­pen: Ent­las­tung bei Fetten/Ölen, aber anhal­ten­der Druck bei tie­ri­schen Pro­duk­ten und Süß­wa­ren.

2.3 Dienst­leis­tun­gen (der eigent­li­che Preis­trei­ber)

  • Dienst­leis­tun­gen ins­ge­samt: +3,5 % (sowohl im Jah­res­durch­schnitt als auch im Dezem­ber)
  • Beson­ders stark:
    • Kom­bi­nier­te Per­so­nen­be­för­de­rung: +11,4 %
    • Sozia­le Dienst­leis­tun­gen: +7,7 %
    • Verkehrsdienstleistungen/Versicherungen: ca. +7 %
    • Sta­tio­nä­re Gesund­heits­leis­tun­gen: +6,5 %
    • Schie­nen­ver­kehr: +7,2 %

→ Trotz sin­ken­der Gesamt­in­fla­ti­on bleibt der Bin­nen­preis­druck im Dienst­leis­tungs­sek­tor hoch.

3. Jah­res­be­trach­tung 2025

  • Infla­ti­on gesamt: +2,2 % (sta­bil gegen­über 2024)
  • Kern­in­fla­ti­on (ohne Ener­gie & Nah­rungs­mit­tel): +2,8 %
    → zeigt, dass der „har­te Kern“ der Teue­rung deut­lich über dem Gesamt­wert liegt.
  • Waren­prei­se: +1,0 %
  • Dienst­leis­tun­gen: +3,5 %

Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt spricht von einer „Sta­bi­li­sie­rung“ der Ver­brau­cher­prei­se. Gleich­zei­tig bleibt die Kern­in­fla­ti­on erhöht, was auf struk­tu­rel­le Preis­pro­ble­me hin­weist.

4. Geld­po­li­ti­scher Kon­text

  • Die EZB hat den Leit­zins zwi­schen Mit­te 2024 und Mit­te 2025 acht­mal gesenkt auf aktu­ell 2 %.
  • Ziel der EZB: 2 % Infla­ti­on mit­tel­fris­tig.
  • Für 2026 pro­gnos­ti­ziert das IfW Kiel einen wei­te­ren Rück­gang auf 1,8 %.

5. Wirt­schaft­li­che Ein­ord­nung

Der Pres­se­ar­ti­kel betont die kon­junk­tu­rel­le Dau­er­flau­te als wesent­li­chen Fak­tor:

  • Wirt­schafts­wachs­tum 2025: nur +0,2 %
  • Wirt­schafts­leis­tung wei­ter­hin auf Niveau von 2019

→ Schwa­che Nach­fra­ge begrenzt die Preis­set­zungs­macht der Unter­neh­men.

6. Kri­ti­sche Wür­di­gung

6.1 „Ent­span­nung“ ist ungleich ver­teilt

Die Schlag­zei­le „Infla­ti­on fällt“ ist nur bedingt ent­las­tend:

  • Haus­hal­te pro­fi­tie­ren bei Ener­gie und ein­zel­nen Lebens­mit­teln.
  • Gleich­zei­tig stei­gen dienst­leis­tungs­na­he All­tags­kos­ten (Ver­kehr, Gesund­heit, Mie­ten, Pfle­ge) wei­ter spür­bar.

Gera­de die­se Berei­che sind für vie­le Haus­hal­te nicht sub­sti­tu­ier­bar.

6.2 Kern­in­fla­ti­on als Warn­si­gnal

Dass die Kern­in­fla­ti­on bei 2,8 % liegt, wäh­rend die Gesamt­in­fla­ti­on 2,2 % beträgt, bedeu­tet:

  • Der Rück­gang ist stark von exter­nen Fak­to­ren (Ener­gie­prei­se) abhän­gig.
  • Der inlän­di­sche Kos­ten­druck (Löh­ne, Dienst­leis­tun­gen) bleibt hoch.

→ Das ist geld­po­li­tisch rele­van­ter als die Gesamt­in­fla­ti­on.

6.3 Sozia­le Schief­la­ge

Sin­ken­de But­ter­prei­se hel­fen, aber:

  • Mie­ten, Ver­kehr, Gesund­heit, sozia­le Diens­te tref­fen ein­kom­mens­schwä­che­re Haus­hal­te über­pro­por­tio­nal.
  • Die Sta­tis­tik bil­det Durch­schnitts­wer­te – die indi­vi­du­el­le Infla­ti­on kann deut­lich höher lie­gen (dar­auf weist Desta­tis selbst mit dem Infla­ti­ons­rech­ner hin).

6.4 Poli­ti­sche Impli­ka­ti­on

Die Ent­las­tung durch Weg­fall der Gas­um­la­ge und gerin­ge­re Netz­ent­gel­te ist poli­tisch gewollt – aber:

  • Sie kaschiert struk­tu­rel­le Pro­ble­me (Demo­gra­fie, Fach­kräf­te­man­gel im Dienst­leis­tungs­sek­tor).
  • Dau­er­haf­te Preis­sta­bi­li­tät erfor­dert mehr als Ener­gie­preis­glück.

7. Fazit

  • Ja, die Infla­ti­on ist deut­lich gesun­ken und sta­bi­li­siert sich.
  • Nein, das bedeu­tet kei­ne gene­rel­le Ent­war­nung.

Die Preis­be­ru­hi­gung ist ener­gie­ge­trie­ben und kon­junk­tur­be­dingt, wäh­rend der Bin­nen­preis­druck im Dienst­leis­tungs­sek­tor hoch bleibt. Für vie­le Haus­hal­te bleibt die gefühl­te Teue­rung daher deut­lich über dem sta­tis­ti­schen Durch­schnitt.


Quel­le: Pres­se­mit­tei­lung Nr. 019

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