Kevin Warsh – Trumps umstrit­te­ner Kan­di­dat für die Spit­ze der US-Noten­bank

Kevin Warsh als mög­li­cher neu­er Fed-Chef

1. Aus­gangs­la­ge

Donald Trump hat Kevin Warsh als neu­en Vor­sit­zen­den der US-Noten­bank Fede­ral Reser­ve nomi­niert. Er soll Jero­me Powell nach Ablauf von des­sen Amts­zeit im Mai erset­zen. Die Ernen­nung bedarf der Zustim­mung des US-Senats.

Die Per­so­na­lie ist poli­tisch hoch­sen­si­bel, da Trump seit Jah­ren offen gegen Powell und die Zins­po­li­tik der Fed agi­tiert und zuletzt sogar straf­recht­li­che Ermitt­lun­gen gegen den amtie­ren­den Fed-Chef ein­ge­lei­tet wur­den. Dadurch steht nicht nur die Per­son Warsh, son­dern vor allem die Unab­hän­gig­keit der Zen­tral­bank im Zen­trum der Debat­te.

2. Wer ist Kevin Warsh?

Bio­gra­fi­sche Eck­da­ten

  • Gebo­ren 1970 in New York
  • Stu­di­um der Öko­no­mie (Stan­ford), Jura­stu­di­um (Har­vard)
  • Repu­bli­ka­ner
  • Ver­hei­ra­tet mit Jane Lau­der, Enke­lin von Estée Lau­der; Schwie­ger­va­ter Ronald Lau­der ist ein bedeu­ten­der repu­bli­ka­ni­scher Groß­spen­der

Beruf­li­cher Wer­de­gang

  • 2006–2011: Mit­glied des Direk­to­ri­ums der Fede­ral Reser­ve
    → jüngs­ter Fed-Gou­ver­neur der Geschich­te
  • Enge Zusam­men­ar­beit mit Fed-Chef Ben Ber­nan­ke wäh­rend der Finanz­kri­se 2008
  • Zen­tra­le Rol­le als Ver­bin­dungs­mann zwi­schen Fed und Wall Street
  • Rück­tritt 2011 aus Pro­test gegen die expan­si­ve Geld­po­li­tik (Quan­ti­ta­ti­ve Easing)
  • Seit­dem Fel­low an der kon­ser­va­ti­ven Hoo­ver Insti­tu­ti­on in Stan­ford

3. Wirt­schafts­po­li­ti­sche Posi­tio­nen

Frü­he­res Pro­fil: geld­po­li­ti­scher Fal­ke

  • Lang­jäh­ri­ge War­nun­gen vor Infla­ti­on
  • Ableh­nung groß­an­ge­leg­ter Anlei­he­käu­fe
  • Beto­nung der Preis­sta­bi­li­tät auch wäh­rend der Finanz­kri­se
  • Kri­tik an der Aus­wei­tung der Fed-Bilanz

Die­se Hal­tung brach­te ihm den Ruf eines klas­si­schen Infla­ti­ons­be­kämp­fers ein.

Aktu­el­le Posi­ti­on: über­ra­schen­de Kehrt­wen­de

  • In jün­ge­rer Zeit offen für Zins­sen­kun­gen
  • Öffent­li­che Kri­tik an der der­zei­ti­gen Fed-Poli­tik
  • For­de­rung nach Refor­men und Per­so­nal­ab­bau inner­halb der Noten­bank

Beob­ach­ter sehen dar­in eine deut­li­che Annä­he­rung an Trumps wirt­schafts­po­li­ti­sche Agen­da.

4. Reak­tio­nen der Finanz­märk­te

Die Märk­te reagier­ten zunächst posi­tiv und erleich­tert:

  • Auf­wer­tung des US-Dol­lars
  • Rück­gang des Gold­prei­ses
  • Sta­bi­li­sie­rung der Akti­en­märk­te

Hin­ter­grund ist weni­ger Begeis­te­rung für Warsh selbst als viel­mehr die Tat­sa­che, dass ande­re Kan­di­da­ten – ins­be­son­de­re der poli­tisch stark gebun­de­ne Wirt­schafts­be­ra­ter Kevin Has­sett – als pro­ble­ma­ti­scher gal­ten.

Warsh wird als:

  • fach­lich kom­pe­tent,
  • insti­tu­tio­nell erfah­ren,
  • grund­sätz­lich markt­nah

wahr­ge­nom­men.

5. Poli­ti­scher Kon­text und Senats­ver­fah­ren

Kon­flikt um Jero­me Powell

  • Trump kri­ti­siert Powell seit Mona­ten wegen zu hoher Zin­sen
  • Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ermit­telt gegen Powell wegen angeb­li­cher Falsch­aus­sa­gen
  • Vor­ge­hen wird par­tei­über­grei­fend als poli­ti­scher Druck auf die Fed inter­pre­tiert

Demo­kra­ti­sche Sena­to­ren kün­dig­ten an, Warshs Nomi­nie­rung beson­ders kri­tisch zu prü­fen, solan­ge die­se Ermitt­lun­gen nicht been­det sind.

Offe­ne Fra­gen im Senat

  • Hat Warsh Trump Zusa­gen zur Zins­po­li­tik gemacht?
  • Wird er die Unab­hän­gig­keit der Fed ver­tei­di­gen?
  • Ist sei­ne jüngs­te geld­po­li­ti­sche Kehrt­wen­de glaub­wür­dig oder oppor­tu­nis­tisch?

Eine Blo­cka­de im Finanz­aus­schuss gilt als mög­lich.

6. Zen­tra­le Kri­tik­punk­te an Warsh

6.1 Zwei­fel an geld­po­li­ti­schem Urteils­ver­mö­gen

Meh­re­re Öko­no­men wer­fen Warsh vor, wäh­rend der Finanz­kri­se:

  • die defla­tio­nä­ren Risi­ken unter­schätzt,
  • Infla­ti­on über­be­wer­tet,
  • den wirt­schaft­li­chen Schock falsch ein­ge­ord­net

zu haben.

Sei­ne Kri­tik an den dama­li­gen Ret­tungs­maß­nah­men gilt rück­bli­ckend vie­len als öko­no­misch pro­ble­ma­tisch.

6.2 Zwei­fel an poli­ti­scher Unab­hän­gig­keit

Zwar gilt Warsh als insti­tu­tio­nell erfah­ren, jedoch bestehen erheb­li­che Beden­ken:

  • Nähe zu Trump
  • fami­liä­re Ver­bin­dun­gen zu repu­bli­ka­ni­schen Groß­spen­dern
  • abrup­ter Kurs­wech­sel bei Zins­fra­gen

Eini­ge Ana­lys­ten spre­chen offen von „situa­ti­ver Tau­ben­haf­tig­keit aus Zweck­mä­ßig­keit“.

7. Gesamt­be­wer­tung

Argu­men­te für Warsh

  • Tie­fe Kennt­nis der Fede­ral Reser­ve
  • Erfah­rung aus Finanz­kri­se und Kapi­tal­märk­ten
  • Aner­ken­nung an der Wall Street
  • Fähig­keit, mit Märk­ten zu kom­mu­ni­zie­ren

Argu­men­te gegen Warsh

  • Zwei­fel an Kon­sis­tenz sei­ner geld­po­li­ti­schen Hal­tung
  • umstrit­te­ne Rol­le wäh­rend der Finanz­kri­se
  • poli­tisch hoch auf­ge­la­de­ner Nomi­nie­rungs­pro­zess
  • Risi­ko wei­te­rer Ero­si­on der Fed-Unab­hän­gig­keit

8. Fazit

Kevin Warsh ist kein poli­ti­scher Außen­sei­ter, son­dern ein erfah­re­ner Zen­tral­ban­ker mit exzel­len­tem Netz­werk und hoher Markt­ak­zep­tanz. Gleich­zei­tig steht sei­ne Nomi­nie­rung exem­pla­risch für den tie­fen insti­tu­tio­nel­len Kon­flikt zwi­schen Donald Trump und der Fede­ral Reser­ve.

Ob Warsh:

  • als unab­hän­gi­ger Hüter der Geld­wert­sta­bi­li­tät auf­tre­ten wird
    oder
  • sich dem poli­ti­schen Druck des Prä­si­den­ten beugt,

bleibt offen.

Die eigent­li­che Bedeu­tung sei­ner Ernen­nung liegt daher weni­ger in sei­ner Per­son als in der Grund­satz­fra­ge:

Kann die US-Noten­bank ihre Unab­hän­gig­keit unter wach­sen­dem poli­ti­schen Druck bewah­ren?

Die­se Fra­ge wird das Senats­ver­fah­ren – und ver­mut­lich auch sei­ne gesam­te Amts­zeit – prä­gen.


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