Koali­ti­ons­ver­trags zwi­schen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der CDU für Baden-Würt­tem­berg für die Legis­la­tur­pe­ri­ode 2026 bis 2031

Das Doku­ment trägt den Titel „Aus Ver­ant­wor­tung fürs Land – Gemein­sam stark in stür­mi­schen Zei­ten“. Es mar­kiert einen poli­ti­schen Neu­an­fang unter der Füh­rung des desi­gnier­ten Minis­ter­prä­si­den­ten Cem Özd­emir (Grü­ne), wobei bei­de Par­tei­en
(jeweils 56 Sit­ze im Land­tag) als gleich­be­rech­tig­te Part­ner auf Augen­hö­he agie­ren wol­len. Der Fokus liegt auf einer prag­ma­ti­schen Poli­tik der Mit­te.

Hier sind die zen­tra­len Kern­punk­te und Vor­ha­ben zusam­men­ge­fasst:

Staats­mo­der­ni­sie­rung und Büro­kra­tie­ab­bau

Dies ist ein zen­tra­les Anlie­gen (Kapi­tel 1). Der Staat soll hand­lungs­fä­hi­ger, schnel­ler und digi­ta­ler wer­den.

  • Effi­zi­enz­ge­setz: Es soll ein Gesetz ver­ab­schie­det wer­den, das vie­le Berichts- und Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten bis Ende 2027 aus­lau­fen lässt („Sun­set-Klau­seln“).
  • „One-in, two-out“-Regel: Für jede neue Belas­tung sol­len zwei alte gestri­chen wer­den.
  • Geneh­mi­gungs­fik­ti­on: Wenn Behör­den nicht inner­halb einer Frist ent­schei­den, gilt ein Antrag künf­tig oft auto­ma­tisch als geneh­migt.
  • Digi­ta­li­sie­rung: Ver­wal­tungs­gän­ge sol­len mas­siv digi­ta­li­siert wer­den (One-Stop-Shops), um Per­so­nal zu ent­las­ten (Abbau von 5 % der Stel­len in der Zen­tral­ver­wal­tung).

Wirt­schaft, Indus­trie und Arbeit

Die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Stand­orts Baden-Würt­tem­berg soll gesi­chert wer­den, beson­ders ange­sichts der Trans­for­ma­ti­on der Auto­mo­bil­in­dus­trie.

  • Schlüs­sel­tech­no­lo­gien: Mas­si­ve För­de­rung von Künst­li­cher Intel­li­genz (KI), Robo­tik, Green Tech, Bat­te­rie­tech­no­lo­gie und Was­ser­stoff.
  • Zukunfts­fonds BW: Ein neu­er Fonds soll pri­va­tes Kapi­tal für Start-ups und Inno­va­tio­nen hebeln.
  • Fach­kräf­te: Geziel­te Anwer­bung aus dem Aus­land (Lan­des­agen­tur für Fach­kräf­te­zu­wan­de­rung), Stär­kung der dua­len Aus­bil­dung und bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf.

Bil­dung und Kin­der­be­treu­ung

Das Bil­dungs­sys­tem soll wie­der stär­ker auf Kern­kom­pe­ten­zen und Leis­tung aus­ge­rich­tet wer­den.

  • Kita: Ein­füh­rung eines ver­bind­li­chen und kos­ten­frei­en letz­ten
    Kin­der­gar­ten­jah­res (Vor­zie­hen der Schul­pflicht), um vor allem Sprach­de­fi­zi­te vor der Ein­schu­lung zu behe­ben.
  • Schu­le: Rück­kehr zu G9 (ver­bun­den mit Stär­kung von MINT-Fächern und Infor­ma­tik). Fokus auf Basis­kom­pe­ten­zen (Lesen, Schrei­ben, Rech­nen). Aus­bau mul­ti­pro­fes­sio­nel­ler Teams an Schu­len.
  • Han­dy-Rege­lung: Es soll eine lan­des­ein­heit­li­che Rege­lung erar­bei­tet wer­den, die die pri­va­te Nut­zung digi­ta­ler End­ge­rä­te im Unter­richt unter­bin­det.
  1. Inne­re Sicher­heit und Jus­tiz

Ein star­ker Fokus liegt auf der Sicher­heit im öffent­li­chen Raum und dem Kampf gegen Kri­mi­na­li­tät.

  • Poli­zei: Fort­set­zung der Ein­stel­lungs­of­fen­si­ve. Schaf­fung von 1.000 neu­en Stel­len im Nicht­voll­zug (z.B. IT-Spe­zia­lis­ten), um Poli­zis­ten für die Arbeit auf der Stra­ße frei­zu­be­kom­men.
  • Befug­nis­se: Aus­wei­tung der intel­li­gen­ten Video­über­wa­chung (KI) und Anpas­sun­gen bei Body­cams (auto­ma­ti­sches Ein­schal­ten beim Zie­hen der Waf­fe).
  • Extre­mis­mus & Kri­mi­na­li­tät: Har­te Linie gegen Hass, Het­ze, Cyber­crime, orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät und Anti­se­mi­tis­mus.

Migra­ti­on und Inte­gra­ti­on

Die Koali­ti­on ver­folgt einen restrik­ti­ve­ren Kurs in der Migra­ti­ons­po­li­tik bei gleich­zei­ti­ger För­de­rung von Fach­kräf­ten.

  • Kla­re Regeln: Tren­nung von Asyl und Arbeits­mi­gra­ti­on.
  • Rück­füh­run­gen: Straf­tä­ter und Gefähr­der sol­len schnellst­mög­lich abge­scho­ben wer­den. Die Abschie­be­haft-Kapa­zi­tä­ten (z.B. am Flug­ha­fen Stutt­gart) wer­den aus­ge­baut.
  • Inte­gra­ti­on: Wer blei­ben darf, soll schnell in Arbeit gebracht wer­den. Der Erwerb der deut­schen Spra­che wird als zen­tral ange­se­hen.

Kli­ma, Umwelt und Ener­gie

Nach­hal­tig­keit und wirt­schaft­li­cher Erfolg sol­len ver­bun­den wer­den.

  • Kli­ma­ziel 2040: Baden-Würt­tem­berg hält am Ziel fest, bis 2040 kli­ma­neu­tral zu sein.
  • Erneu­er­ba­re Ener­gien: Mas­si­ver Aus­bau von Wind- und Solar­kraft (auch auf Frei­flä­chen und ent­lang von Autobahnen/Schienen) sowie Bio­gas.
  • Wär­me­wen­de: Umset­zung der kom­mu­na­len Wär­me­pla­nung und Aus­bau von Geo­ther­mie.

Bau­en, Woh­nen und Ver­kehr

  • BW-Stan­dard: Um Bau­kos­ten zu sen­ken, wird ein neu­er Gebäu­de­ty­pus mit redu­zier­ten (aber siche­ren) Stan­dards ein­ge­führt. Die Lan­des­bau­ord­nung wird ent­schlackt (z.B. Erleich­te­run­gen bei der Stell­platz­pflicht).
  • Eigen­tum: Ein­füh­rung eines „Heim­Vor­teils BW“ (z.B. Erstat­tung der Grund­er­werb­steu­er für Fami­li­en beim Erst­erwerb).
  • Ver­kehr: Tech­no­lo­gie­of­fe­ner Ansatz (Elek­tro­mo­bi­li­tät, aber auch E‑Fuels). Mas­si­ve Inves­ti­tio­nen in den Erhalt von Stra­ßen und Brü­cken sowie in den Aus­bau des Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehrs (SPNV) und in digi­ta­le Ver­kehrs­len­kung.

Finan­zen und Kom­mu­nen

  • Schul­den­brem­se: Die Koali­ti­on bekennt sich klar zur Schul­den­brem­se und zu Aus­ga­ben­dis­zi­plin.
  • Kom­mu­nen: Ein­rich­tung eines „Zukunfts­bünd­nis­ses Land-Kom­mu­nen“ bis Ende 2026, um die finan­zi­el­le Hand­lungs­fä­hig­keit der Städ­te und Gemein­den zu sichern und sie von Auf­ga­ben zu ent­las­ten (Kon­ne­xi­täts­prin­zip: „Wer
    bestellt, bezahlt“).

Res­sort­ver­tei­lung (Regie­rungs­bil­dung)

Die Minis­te­ri­en wer­den wie folgt auf­ge­teilt:

  • Grü­ne (MP Özd­emir): Finan­zen; Umwelt/Klima/Energie;
    Wissenschaft/Forschung/Kunst; Soziales/Gesundheit; Landesentwicklung/Wohnen.
  • CDU (Stellv. MP): Inneres/Digitales/Europa; Justiz/Migration; Kul­tus (Bil­dung); Wirtschaft/Handwerk/Tourismus; Ver­kehr; Länd­li­cher Raum/Landwirtschaft.

Fazit: Der Koali­ti­ons­ver­trag atmet den Geist des Prag­ma­tis­mus und der Kri­sen­be­wäl­ti­gung. Grü­ne und CDU ver­su­chen, den Spa­gat zwi­schen öko­lo­gi­scher Moder­ni­sie­rung, strik­tem Büro­kra­tie­ab­bau, har­ter Sicher­heits­po­li­tik und der Siche­rung des Indus­trie­stand­orts in wirt­schaft­lich ange­spann­ten Zei­ten zu meis­tern.


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