1. Ziel der neuen Regelungen
Die bisherigen Möglichkeiten, Kryptogewinne vor dem Finanzamt verborgen zu halten, enden weitgehend. Ab 2026 werden Kryptoanbieter verpflichtet, umfangreiche Nutzerdaten und Transaktionsinformationen automatisch an die Steuerbehörden zu melden. Ziel ist eine deutlich verbesserte steuerliche Transparenz im Kryptomarkt.
2. Meldepflichten der Kryptobörsen
Alle Kryptodienstleister,
- die ihren Sitz in Deutschland haben oder
- die mit deutschen Kunden Geschäfte machen,
müssen ihre Daten an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) oder entsprechende EU-Behörden übermitteln.
Gemeldet werden unter anderem:
- Identitätsdaten (Name, Adresse, Geburtsdatum)
- steuerliche Ansässigkeit
- Steueridentifikationsnummer
- Wallet-Salden
- Ein- und Auszahlungen
- Kauf- und Verkaufstransaktionen
- Umtausch zwischen Kryptowährungen
- Umwandlung in Fiatgeld (z. B. Euro)
Die Daten werden anschließend an das zuständige Finanzamt weitergeleitet.
3. Pflichten der Nutzer
Kryptonutzer müssen ihrer Börse künftig zusätzlich mitteilen:
- in welchen Ländern sie steuerpflichtig sind
- ihre gültige Steueridentifikationsnummer
Erfolgt keine Reaktion:
- muss der Anbieter erinnern und mahnen
- spätestens nach 60–90 Tagen dürfen meldepflichtige Transaktionen gesperrt werden
- die Geschäftsbeziehung wird erst nach Nachreichung der Daten wieder freigegeben
4. Bußgelder bis zu 50.000 Euro
Ein zentrales Risiko besteht in der Selbstauskunftspflicht:
- vorsätzlich oder fahrlässig falsche Angaben
- unvollständige Angaben
- verspätete Abgabe
können als Ordnungswidrigkeit gelten und mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro belegt werden.
Auch Kryptoanbieter selbst riskieren Bußgelder in gleicher Höhe, wenn sie Meldungen unterlassen oder fehlerhaft übermitteln. Sie sind verpflichtet, die Angaben ihrer Nutzer auf Plausibilität zu prüfen (z. B. mithilfe der EU-Schnittstelle zur Prüfung von Steuer-ID-Nummern).
5. Konsequenzen für Steuerprüfungen
Die gemeldeten Daten ermöglichen den Finanzämtern:
- erstmals einen umfassenden Überblick über Kryptohandel
- gezielte Prüfungen auffälliger Steuererklärungen
Beispielsweise kann auffallen, wenn:
- hohe Handelsaktivitäten bestehen
- jedoch keine oder nur geringe Gewinne erklärt werden
Die Daten aus dem Jahr 2026 müssen bis 31. Juli 2027 übermittelt werden. Für Steuerprüfungen gelten lange Fristen:
- regulär bis zu 10 Jahre
- bei schweren Fällen bis zu 15 Jahre
6. Steuerliche Einordnung von Kryptogewinnen
Der Artikel fasst die geltenden Grundsätze zusammen:
- Private Veräußerungsgeschäfte
- steuerfrei bei Haltedauer über ein Jahr
- steuerfrei bis 1.000 Euro Gewinn pro Jahr
- Staking-Erträge
- sonstige Einkünfte
- steuerpflichtig über 256 Euro jährlich
- Mining
- meist gewerblich
- ggf. Gewerbe- und Umsatzsteuerpflicht
Trotz Datenaustausch bleibt die Pflicht zur eigenständigen Dokumentation aller Transaktionen bestehen. Ein bloßer Verweis auf gemeldete Börsendaten reicht nicht aus.
7. Keine rückwirkende Meldung – aber Risiken
Die neue Regelung gilt formal erst ab 2026. Dennoch können Finanzämter:
- bei erstmals auffälligen Transaktionen
- Rückfragen zur Herkunft der Vermögenswerte
- und zu Vorjahren stellen
Zusätzlich können Behörden jederzeit Auskunftsersuchen an Kryptobörsen richten.
8. Gibt es noch anonyme Kryptogeschäfte?
Teilweise ja, jedoch stark eingeschränkt:
- Viele Länder (u. a. EU, USA, Großbritannien) beteiligen sich am internationalen CARF-Datenaustausch.
- Einige Staaten wie Panama oder El Salvador sind bisher nicht angeschlossen.
Nicht unter DAC8 und CARF fallen derzeit:
- Selbstverwahrung (eigene Wallets)
- direkter Handel ohne zentrale Börse
- dezentrale Plattformen wie UniSwap oder PancakeSwap
Diese Bereiche bleiben rechtlich erlaubt, stehen jedoch zunehmend im Fokus der Finanzbehörden.
Kritische Einordnung
Die neuen Regelungen erhöhen die Steuergerechtigkeit und schließen systematische Vollzugsdefizite. Gleichzeitig entsteht für private Anleger ein erheblicher bürokratischer Aufwand. Die pauschale Bußgeldandrohung bis 50.000 Euro wirkt insbesondere bei formalen Fehlern unverhältnismäßig streng. Zudem bleibt offen, wie effizient die Finanzverwaltung die enormen Datenmengen technisch auswerten kann.
Unklar ist auch, ob die zunehmende Regulierung langfristig zu einer Abwanderung von Kryptoaktivitäten in unregulierte Drittstaaten führen wird – ein Effekt, der dem eigentlichen Ziel der Transparenz teilweise entgegenlaufen könnte.
