Kupferpreis erreicht Rekordhoch – Spekulationen über US-Zölle heizen Markt an

Gold ist nicht das einzige Metall, das derzeit Rekorde bricht. Auch Kupfer sorgt für Schlagzeilen: An der New Yorker Börse erreichte der Preis für das rote Metall am Mittwoch ein neues Allzeithoch, nachdem Berichte die Runde machten, dass Präsident Donald Trump möglicherweise schon in den kommenden Wochen Importzölle auf Kupfer verhängen könnte. Diese Entwicklung überraschte die Wall Street, die mit solchen Maßnahmen erst später im Jahr gerechnet hatte.

Der meistgehandelte Kupfer-Future-Kontrakt in New York kletterte kurzzeitig auf 5,374 US-Dollar pro Pfund, bevor er sich bei einem Rekordwert von 5,24 US-Dollar einpendelte. Seit Jahresbeginn summiert sich der Anstieg damit auf beeindruckende 30 %. Kupfer lässt damit nicht nur Gold hinter sich, das im gleichen Zeitraum um 16 % zulegte, sondern übertrifft auch deutlich die Performance der großen US-Aktienindizes.

Haupttreiber dieser rasanten Preissteigerung ist die Angst vor drohenden Zöllen. Obwohl noch keine offizielle Ankündigung erfolgt ist, unterzeichnete Trump bereits im Vormonat eine Verfügung zur Untersuchung der nationalen Sicherheitsrisiken durch Kupferimporte. Viele US-Käufer scheinen nun zu versuchen, sich durch massive Vorratskäufe gegen mögliche Zölle abzusichern. „Kupfer […] setzt seine Rallye fort in der Annahme, dass es nur eine Frage der Zeit ist“, bis es in Trumps Liste tarifbelegter Produkte aufgenommen wird, kommentierte Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank.

Experten sind sich einig: Der jüngste Preissprung in New York ist weniger auf eine gestiegene fundamentale Nachfrage zurückzuführen, sondern vielmehr auf „große Lagerbestandsverschiebungen in die USA“ aufgrund der Zollspekulationen. Adam Turnquist, Chef-Stratege bei LPL Financial, spricht von einem „Front-running“ potenzieller Zölle, das eine Welle kurzfristiger Nachfrage nach in den USA gelagertem Kupfer ausgelöst habe. Daten stützen diese These: Laut Bloomberg schätzt der Rohstoffriese Mercuria, dass diesen Monat rund 500.000 Tonnen Kupfer in die USA verschifft werden – ein extremer Anstieg im Vergleich zu den üblichen 70.000 Tonnen pro Monat. Analysten von Goldman Sachs prognostizieren ebenfalls einen sprunghaften Anstieg der Importe und hatten ursprünglich erst zwischen September und November mit Zöllen gerechnet.

Diese Entwicklung führt zu ungewöhnlichen Verwerfungen am Markt. Während die Kupferpreise in London ebenfalls gestiegen sind, blieben neue Rekorde dort aus. Auffällig ist, dass sich die New Yorker Preise seit Januar von den Londoner Preisen abgekoppelt haben, obwohl sie sich normalerweise parallel entwickeln. Derzeit wird Kupfer in New York mit einem Aufschlag von etwa 17 % gegenüber London gehandelt. „Es unterstreicht, wie Zölle das normale Marktverhalten weiterhin aushebeln“, so Hansen.

Kupfer selbst ist zwar kein Seltene Erden-Mineral und zählt auch nicht zu den 50 vom US Geological Survey als „kritisch“ eingestuften Mineralien. Allerdings wurde es 2023 vom US-Energieministerium als „kritisches Material für die Energieversorgung“ deklariert. Das vielseitige Metall ist essenziell für das Bauwesen, die Fertigungsindustrie, Elektronik, den Energiesektor und die Verteidigung.

Neben der akuten Zollangst gibt es jedoch auch längerfristige Faktoren, die den Kupferpreis stützen. Dazu gehören die weltweit steigende Nachfrage im Zuge der Energiewende und für Technologien wie Elektrofahrzeuge, sowie eine anhaltend hohe Nachfrage aus China. Die massiven Lageraufstockungen in den USA könnten zudem die Verfügbarkeit im Rest der Welt verknappen. Laut der Internationalen Energieagentur könnte die Welt bis 2035 nur noch 70 % des globalen Kupferbedarfs decken. Angebotsseitige Engpässe, wie die kürzliche vorübergehende Produktionsaussetzung einer Kupferschmelze von Glencore in Chile, tragen ebenfalls zu höheren Preisen bei.

Trotz der aktuellen Hausse bleibt die Unsicherheit groß. Die Märkte müssen abwarten, wie die US-Regierung tatsächlich in Bezug auf Kupferzölle entscheiden wird. Analysten der Commerzbank weisen darauf hin, dass eine Preiskorrektur möglich ist, „sobald der Vorzieheffekt auf die US-Nachfrage endet“. Die weitere Entwicklung des Kupferpreises hängt somit maßgeblich von politischen Entscheidungen und dem Abklingen der aktuellen Lageraufbauwelle ab.


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