Marktbericht Schweiz: 27.03.2025

Tagesanalyse Schweizer Finanzmarkt – 27. März 2025

1. Gesamtmarkt: Der Schweizer Aktienmarkt zeigte sich am Donnerstag klar schwächer. Hauptauslöser war die Ankündigung neuer US-Zölle von 25 % auf Autoimporte durch Präsident Trump, was weltweit die Konjunktursorgen anheizte und den Druck auf exportorientierte sowie konjunkturabhängige Sektoren erhöhte. Zudem belasteten zahlreiche Dividendenabschläge das Kursbild.

2. Indizes:

  • SMI schloss bei 12’867,23 Punkten (-0,67 %). Belastet wurde der Index v. a. durch Schwergewichte wie Roche und UBS.
  • SLI gab 0,76 % auf 2’082,83 Punkte nach. 17 von 30 Titeln lagen im Minus.
  • SPI verlor 0,17 % auf 17’131,62 Punkte – die geringeren Verluste im Vergleich zum SMI reflektieren die stärkere Gewichtung kleinerer, weniger exportabhängiger Titel.
  • EURO STOXX 50 sank um 0,62 %, der DAX fiel sogar um 0,77 % auf 22’663,78 – getrieben durch die Sorgen um die deutsche Autoindustrie.
SMI 5-Tage

3. Einzelwerte (SMI/SLI):

Verlierer:

  • UBS (-4,1 % auf 28,32 Fr.): Deutlicher Druck nach Herabstufungen durch Bank of America („Underperform“) und Goldman Sachs. Befürchtet werden steigende regulatorische Anforderungen.
  • Roche (-2,8 % auf 294,40 Fr.): Ex-Dividende (9,70 Fr.), daher rein technischer Rückgang, belastete aber aufgrund der Indexgewichtung stark den SMI.
  • Sika (-2,9 %) und Schindler (-4,3 %) ebenfalls ex-Dividende. Sika zusätzlich durch Branchenschwäche im Bauzuliefersektor belastet.
  • Holcim (-3,1 %): Schwäche im Vorfeld des Kapitalmarkttags; zusätzlicher Druck durch protektionistische Tendenzen in den USA.
  • Logitech (-2,6 %) und VAT (-2,7 %): Negative Nasdaq-Vorgaben zogen Technologiewerte nach unten.
  • ABB (-1,0 %), Richemont (-1,0 %), Partners Group (-1,28 %): Zyklische Titel unter generellem Verkaufsdruck.
  • Swiss Life (-0,59 %) und Swiss Re (-0,23 %): Versicherer eher schwach; Zurich konnte sich hingegen mit +0,32 % leicht behaupten.

Gewinner:

  • Alcon (+5,2 % auf 84,60 Fr.): Starkes Plus nach Ankündigung strategischer Initiativen und Marktbereinigung durch Rückruf eines Mitbewerbers (Bausch & Lomb).
  • Novartis (+1,0 %): Profitiert als defensiver Wert in einem nervösen Marktumfeld.
  • Nestlé (+0,7 %): Unterstützung durch Berichte über strategische Optionen im Wassergeschäft.
  • Kühne+Nagel (+0,98 %): Trotz gesenkter Kursziele positiv aufgenommenes Ziel-Update.
  • Adecco (+0,51 %): Neues Gemeinschaftsunternehmen mit Salesforce zur Integration von KI und menschlicher Arbeit.
  • Leonteq (+7,7 %): Dividendenüberraschung durch Raiffeisen – statt 0,25 nun 3 Fr. je Aktie.
  • Evolva (+6,4 %): Kursfantasie durch Machtübernahme eines Ankeraktionärs und geplanten Reverse Merger.
SMI

4. Devisen, Rohstoffe und Kryptos:

  • EUR/CHF stieg um +0,24 % auf 0,9520 – Aufwertung des Euro deutet auf erhöhte Risikoaversion.
  • USD/CHF leicht schwächer bei 0,8817 (-0,29 %).
  • Gold deutlich fester mit +0,99 % auf 3’049,45 USD – klassischer „Safe Haven“-Zufluss.
  • Öl (Brent) verlor 0,40 % auf 73,06 USD – reflektiert Wachstumssorgen.
  • Bitcoin legte um +0,45 % auf 86’918,08 USD zu – zunehmende Korrelation mit Gold bei geopolitischer Unsicherheit.

5. Zinsen:

  • Schweizer Bundesobligationen verloren 4,57 % – ein markanter Rückgang. Dies kann auf Umschichtungen in Liquidität oder eine vorübergehende Risikoaversion bei Staatsanleihen hindeuten.

6. Makroökonomischer Kontext & Ausblick:

  • Die Ankündigung der US-Zölle trifft Schweizer Firmen nur indirekt, aber signalisiert eine neue Phase strukturellen Protektionismus. Besonders betroffen sind exportorientierte Industrien mit globaler Wertschöpfungskette.
  • Frühindikatoren in den USA deuten auf ein Nachlassen der Konjunktur hin, was global Bremsspuren hinterlassen könnte.
  • Die aktuelle Marktreaktion ist von Unsicherheit, aber noch nicht von Panik geprägt – defensive Titel gewinnen an Bedeutung.

Fazit: Die Schweizer Börse erlebte einen von geopolitischen Spannungen und dividendenbedingten Effekten geprägten Verlusttag. Während zyklische und exportorientierte Titel stark unter Druck standen, zeigten defensive Werte sowie gezielte Unternehmensstorys (Alcon, Leonteq) Widerstandskraft. Die Struktur der Kursbewegungen unterstreicht die steigende Risikodifferenzierung im Markt. Anleger positionieren sich zunehmend vorsichtiger – eine Tendenz, die sich mit Blick auf Q2 verstärken dürfte.


Wohnen und Mobilität verteuern sich in der Schweiz überdurchschnittlich

Im Februar 2025 sind die Kosten für Wohnen und Mobilität in der Schweiz um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, was deutlich über der offiziellen Inflationsrate von 0,3 Prozent liegt. Diese Ausgabenkategorien machen rund 40 Prozent des Haushaltsbudgets einer durchschnittlichen Familie aus und führen zu jährlichen Mehrkosten von 311 Franken. Besonders in den letzten vier Jahren hat der Preisanstieg stark zugenommen. Die Energiepreise, darunter Gas, Heizöl und Brennholz, sind um fast 50 Prozent gestiegen, während Stromkosten um 40 Prozent zulegten. Auch die Wohnungsmieten stiegen in diesem Zeitraum um 9,3 Prozent, getrieben von einem höheren Referenzzinssatz und einem begrenzten Wohnraumangebot. Im Bereich Mobilität haben sich Neu- und Gebrauchtwagen kurzfristig verteuert, sind jedoch langfristig im Vergleich zu vor 20 Jahren günstiger geworden. Zudem stiegen die Motorfahrzeugversicherungen im Jahresvergleich um 6,1 Prozent. Einzelne Preise, wie beispielsweise für Elektrizität sowie Küchen- und Kochgeräte, entwickelten sich hingegen rückläufig.


Schweizer Kaufkraft legt 2025 deutlich zu

Im Jahr 2025 wird die Kaufkraft der Schweizer Bevölkerung um 2,3 Prozent steigen, wie eine Studie prognostiziert. Dieser Anstieg übertrifft das Wachstum in den deutschsprachigen Nachbarländern Österreich und Deutschland, wo jeweils ein Plus von 2,0 Prozent erwartet wird. Die durchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft in der Schweiz wird auf 53.011 Euro geschätzt – ein deutlich höherer Wert als in Österreich (29.852 Euro) und Deutschland (29.566 Euro). Besonders touristisch geprägte Regionen wie der Kanton Graubünden profitieren vom Kaufkraftzuwachs und verbessern sich kontinuierlich in den Rankings. Die Kaufkraft selbst ist definiert als das nominal verfügbare Nettoeinkommen der Bevölkerung, das staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld, Kindergeld oder Renten einschließt. Dieses Einkommen steht den Bürgern für Konsumausgaben, Wohnen, Freizeitaktivitäten oder Sparen zur Verfügung.


Existenz des Flughafens St. Gallen-Altenrhein durch Sparpläne des Bundesrates bedroht

Der Flughafen St. Gallen-Altenrhein sieht sich aufgrund geplanter Sparmaßnahmen des Schweizer Bundesrates in seiner Existenz gefährdet. Der Bund plant, die Subventionen für Regionalflugplätze zu kürzen, wobei der Bodensee-Airport Altenrhein künftig keine finanzielle Unterstützung mehr erhalten soll. Aktuell werden acht Regionalflugplätze mit insgesamt 30 Millionen Franken aus Mitteln der Mineralölsteuer auf Flugbenzin unterstützt, darunter auch Altenrhein. Durch die geplanten Einsparungen würde der Flughafen jährlich zwischen 3,4 und 5,3 Millionen Franken an Subventionen verlieren.

Weiterhin subventioniert würden nur noch die Flugplätze Grenchen und Bern-Belp, insbesondere für die Pilotenausbildung sowie für Staatsflüge. Die St. Galler Regierung betont, dass es unrealistisch sei, die entfallenden Beträge vollständig auf die Nutzer des Flughafens abzuwälzen. Daher stößt das Vorhaben auf Widerstand.

Der Flughafen Altenrhein bietet derzeit Linienflüge, wie die Strecke nach Wien, sowie saisonale Ferienflüge an. Über das Schicksal der geplanten Kürzungen wird im Rahmen der Vernehmlassung, die bis zum 5. Mai läuft, diskutiert. Im Dezember soll das Parlament über das Sparpaket entscheiden.


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