Marktkommentar – 03.02.2026

Marktkommentar – Globale Finanzmärkte

Morning Briefing

1. Gesamtbild und Marktstimmung

Die globalen Finanzmärkte zeigen sich breit positiv, allerdings mit klaren Spannungen unter der Oberfläche. Aktienmärkte steigen nahezu weltweit, Volatilität geht deutlich zurück, während gleichzeitig Edelmetalle explodieren und Renditen am langen Ende weiter anziehen.

Dieses Muster spricht weniger für einen klassischen „Risk-on“-Modus, sondern eher für eine gleichzeitige Jagd nach Rendite und Absicherung – ein inhärent widersprüchliches Umfeld.

2. USA – Aktienmärkte

Marktentwicklung

IndexVeränderung
DJIA+1,05 %
S&P 500+0,54 %
Nasdaq+0,56 %
Russell 2000+1,02 %
VIX−6,31 %

Analyse

Die US-Märkte zeigen ein breit abgestütztes Plus:

  • Dow Jones und Russell 2000 outperformen, was auf eine temporäre Rückkehr zu zyklischen und Value-orientierten Titeln hindeutet.
  • Technologiewerte steigen moderat, bleiben aber weiterhin der strukturelle Treiber.
  • Der starke Rückgang des VIX signalisiert kurzfristig sinkende Absicherungsnachfrage.

Kritische Einordnung

Die Kombination aus:

  • steigenden Aktien,
  • fallender Volatilität,
  • gleichzeitig stark steigenden Goldpreisen

ist nicht konsistent. Historisch geht ein solches Muster häufig mit:

  • überhöhtem Optimismus an der Aktienoberfläche
  • bei gleichzeitig wachsender makroökonomischer Skepsis institutioneller Investoren einher.

Der Markt wirkt ruhig – aber nicht entspannt.

3. USA – Zinsen, Dollar und Querverbindungen

IndikatorVeränderung
US 10Y4,283 % (+0,006)
US-Dollar-Index−0,18 %
EUR/USD+0,17 %

Interpretation

  • Steigende Renditen signalisieren anhaltenden Inflations- und Emissionsdruck.
  • Gleichzeitig schwächt sich der US-Dollar ab, was untypisch ist.
  • Normalerweise stützen steigende Renditen den Dollar – das Gegenteil deutet auf:
    • wachsende Haushalts- und Schuldensorgen
    • strukturelle Dollar-Skepsis

Dies ist ein Warnsignal, das von Aktienmärkten derzeit ignoriert wird.

4. Europa – Breite, aber fragile Erholung

IndexVeränderung
FTSE 100+1,15 %
DAX+1,05 %
CAC 40+0,67 %
Stoxx 600+1,03 %
FTSE MIB+1,05 %

Bewertung

Europa profitiert aktuell von:

  • globaler Risikobereitschaft
  • relativer Unterbewertung
  • stärkerem Finanz- und Value-Anteil

Gegenargumente

  • Die europäische Rally ist nicht wachstumsgetrieben, sondern bewertungs- und liquiditätsgetrieben.
  • Strukturelle Probleme bleiben:
    • schwache Produktivität
    • geopolitische Nähe zu Konfliktherden
    • hohe Energieabhängigkeit

Europa folgt – es führt nicht.

5. Asien – Extrem divergente Dynamik

Auffällige Bewegungen

MarktVeränderung
Nikkei+3,85 %
KOSPI+5,81 %
Nifty 50+2,89 %
Hang Seng−0,19 %
Shanghai+0,42 %

Analyse

  • Japan und Südkorea explodieren förmlich – getrieben von:
    • Tech-Exporten
    • Yen-Schwäche
    • globalem KI-Narrativ
  • China bleibt strukturell schwach, trotz leichter Stabilisierung.

Kritisch

Die asiatische Stärke ist hoch konzentriert:

  • ex-Japan/ex-Korea bleibt das Bild deutlich verhaltener
  • China zeigt keine nachhaltige Trendwende

Asien ist aktuell kein homogener Wachstumsblock.

6. Rohstoffe – Das eigentliche Marktsignal

Preisbewegungen

RohstoffVeränderung
Gold+4,04 %
Silber+8,24 %
Öl−0,47 %
Kupfer+1,06 %

Interpretation

Der massive Anstieg bei Gold und Silber ist das stärkste Signal des Tages:

  • Absicherung gegen:
    • geopolitische Risiken
    • Währungsabwertung
    • fiskalische Instabilität
  • Silber outperformt → spekulative Beimischung nimmt zu.

Widerspruch

Ein solches Edelmetall-Momentum passt nicht zu:

  • fallender Volatilität
  • steigenden Aktienkursen

Der Rohstoffmarkt ist deutlich skeptischer als der Aktienmarkt.

7. Anleihemärkte – Latente Spannungen

LaufzeitVeränderung
US 2Y+0,002
US 10Y+0,006
US 30Y+0,011
  • Die Zinskurve bleibt flach.
  • Langfristige Finanzierungskosten steigen weiter.
  • Die Märkte preisen keine schnelle geldpolitische Entspannung ein.

8. Gesamtfazit

Kernaussagen

  1. Aktienmärkte steigen – aber ohne überzeugende fundamentale Basis.
  2. Edelmetalle senden ein klares Absicherungs- und Misstrauenssignal.
  3. Steigende Renditen widersprechen der Aktienrally.
  4. Die Volatilität unterschätzt potenzielle Risiken.
  5. Die Marktbreite verbessert sich, bleibt aber fragil.

Kritische Schlussfolgerung

Die aktuelle Marktphase ist instabil-balanciert:

  • kurzfristig konstruktiv
  • mittelfristig widersprüchlich
  • strategisch anfällig

Der Markt glaubt an Kontrolle – investiert aber gleichzeitig in Schutz.
Das ist selten ein dauerhaft tragfähiger Zustand.


*Es sei darauf hingewiesen, dass es sich bei den vorliegenden Daten um jene des vorherigen Handelstags handelt. Die Kursdaten der Futures sowie die Kursdaten aus Asien sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuelle Momentaufnahmen.

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