Friedrich Merz lässt durchblicken, dass er gerne eine zweite Amtszeit als Kanzler hätte. Er sagt sinngemäß: Ich will das „längere Zeit“ machen, und malt sich aus, in fünf Jahren noch im Amt zu sein. Als Begründung kommt dann sogar die Familiengeschichte: Sein Vater ist über 100 geworden.
Das klingt erstmal nach Selbstbewusstsein. In Wahrheit ist es vor allem ein Signal: Merz will zeigen, dass er sich nicht als Übergangskanzler sieht. Er will Führung ausstrahlen – besonders kurz vor dem CDU-Parteitag und mitten im Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, wo er sichtbar Rückenwind geben soll.
Der Haken: Wille ersetzt keine Zustimmung
Der Wunsch nach einer zweiten Amtszeit ist das eine. Die Frage ist: Wollen das die Leute auch? In den Berichten steckt ziemlich deutlich, dass seine Lage nicht bequem ist. Es wird auf Umfragen verwiesen, nach denen viele Merz eher nicht noch mal als Kandidaten sehen wollen – auch wegen seines Alters.
Und selbst da, wo ihm Publikum applaudiert: Das ist ein CDU-Heimspiel. Das sagt wenig darüber, wie es draußen im Land aussieht.
Wenn ein Kanzler früh über „noch fünf Jahre“ spricht, kann das auch so wirken: Er macht schon Karriereplanung, während viele erstmal Ergebnisse sehen wollen.
„Klartext“ ist nicht automatisch gute Politik
Merz setzt stark auf klare Kante: gegen die AfD, gegen die Grünen, gegen „falsche Nachrichten“, für strengere Regeln im Netz, für mehr Leistung und mehr Arbeit.
Das klingt entschlossen, aber es hat zwei Probleme:
- Viel Ton, wenig Beweis.
„Wir müssen mehr arbeiten“ kann stimmen – aber die Leute fragen sich dann: Was genau wird besser? Was kommt konkret raus, außer Appelle? - Spalten hilft beim Applaus, nicht beim Regieren.
Wenn man ständig mit Spitzen arbeitet („Was ist in die Grünen gefahren?“), bringt das Stimmung im Saal. Aber ein Land regiert man nicht wie einen Aschermittwoch.
Die Altersfrage: nicht unfair, aber real
Nur aufs Alter zu schauen wäre billig. Erfahrung kann ein Vorteil sein. Aber: Wenn viele Menschen sagen, sie hätten gern eine jüngere Person an der Spitze, ist das nicht nur Altersdiskriminierung. Es geht auch um Energie, Modernität, Anschluss an die Lebenswelt vieler. Merz selbst macht das Thema ja auf – wenn er seine mögliche „lange Zeit“ mit Genetik begründet.
Das ist politisch sogar riskant: Wer so argumentiert, macht die Debatte zwangsläufig persönlicher – und lädt zum Widerspruch ein.
Was hinter der Ansage steckt
Am Ende wirkt die Botschaft „zweite Amtszeit“ wie ein doppelter Zweck:
- nach innen: CDU zusammenhalten, Stärke zeigen, Parteitag absichern.
- nach außen: das Bild erzeugen, er sei der Mann für „schwierige Zeiten“ und langfristige Stabilität.
Nur: Stabilität ist kein Selbstzweck. Wenn die Stimmung im Land kippt oder die Ergebnisse nicht passen, hilft auch das stärkste Durchhalte-Statement nichts.
Fazit
Merz’ Ambition ist verständlich – und politisch sogar logisch. Aber sie wirkt verfrüht und ein bisschen wie: „Vertraut mir einfach.“ Viele werden sagen: Zeig erst, dass du’s kannst. Dann reden wir über die Verlängerung.
Kaum im Amt – schon auf Verlängerung
Friedrich Merz redet über eine zweite Amtszeit, obwohl er noch nicht einmal ein Jahr Kanzler ist. Das wirkt nicht wie Weitblick, sondern eher wie falsche Prioritäten. Viele Menschen erwarten zuerst Ergebnisse. Stattdessen hören sie schon Gedanken über die nächsten fünf Jahre. Das passt zeitlich einfach nicht zusammen.
Große Ansage, kleine Bilanz
Wer so früh über Verlängerung spricht, muss liefern. Genau da liegt das Problem.
Bei der Migration gibt es weiterhin hohe Zahlen und wenig spürbare Entlastung.
Die Arbeitslosigkeit steigt wieder.
Gleichzeitig schrumpfen Teile der Industrie oder wandern ab.
Das sind keine Randthemen, sondern Kernfragen für Wohlstand und Stabilität. Wenn hier kaum Fortschritt sichtbar ist, wirkt jede Debatte über eine zweite Amtszeit schnell wie Selbstbeschäftigung der Politik.
Kommunikation statt Lösung
Merz setzt stark auf klare Worte, Appelle zu mehr Leistung und harte Töne gegen politische Gegner. Das bringt Schlagzeilen und Applaus im eigenen Lager. Aber klare Worte ersetzen keine funktionierenden Lösungen.
Regieren zeigt sich nicht daran, wie entschlossen jemand klingt, sondern daran, ob sich die Lage im Land verbessert. Genau dieser Nachweis fehlt bisher.
Der Vergleich mit Trump zeigt ein Dilemma
Oft wird auf das Alter von Politikern geschaut. Donald Trump ist älter als Merz – trotzdem wird ihm von Anhängern zugutegehalten, konkrete politische und wirtschaftliche Effekte vorweisen zu können.
Der Punkt ist weniger das Alter, sondern die wahrgenommene Wirksamkeit. Wer Ergebnisse liefert, dem verzeiht man vieles. Wer sie nicht liefert, bekommt jede Schwäche doppelt angerechnet.
Falscher Zeitpunkt für Zukunftsträume
Politisch klug wäre jetzt etwas anderes: Ruhe, Konzentration auf konkrete Probleme, sichtbare Verbesserungen im Alltag. Erst wenn diese Bilanz steht, ergibt eine Debatte über eine zweite Amtszeit Sinn.
So aber entsteht der Eindruck, dass Machtperspektiven wichtiger sind als Problemlösungen.
Fazit
Der Wunsch, länger Kanzler zu bleiben, ist menschlich und politisch verständlich. Aber er kommt zu früh – und auf zu dünner Grundlage.
Bevor man über Verlängerung spricht, sollte man zeigen, dass die erste Amtszeit mehr ist als nur große Worte.
In einer INSA‑Umfrage (für Bild) finden nur 22% der Befragten, dass Merz seinen Job besser macht als Scholz, 35% bewerten Scholz besser; rund ein Drittel sieht keinen Unterschied.
Olaf Scholz galt bisher als der unfähigste Bundeskanzler aller Zeiten. Diesen Titel hat nun Merz übernommen.
