1. Gesamtlage: Schwache Frühjahrsbelebung
Die wirtschaftliche Erholung, die in den ersten beiden Monaten des Jahres angedeutet wurde, kommt aufgrund der Auswirkungen des Iran-Krieges vorerst zum Stillstand. Höhere Energiepreise dämpfen die Kaufkraft und verteuern die Produktion, was zu einer deutlich verschlechterten Stimmung in den Unternehmen führt. Der Arbeitsmarkt reagiert darauf mit einer schwachen Entwicklung.
2. Arbeitsmarkt im Detail
- Arbeitslosigkeit:
- Die Zahl der Arbeitslosen sank im April leicht um 13.000 auf 3,008 Millionen. Dies ist für einen April (typischerweise Monat der starken Frühjahrsbereinigung) eine sehr schwache Abnahme.
- Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit sogar um 20.000 gestiegen.
- Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,4 %.
- Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit um 77.000 gestiegen.
- Besonders stark stieg die Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg, Sachsen, Bayern und Hessen (jeweils +4 % oder mehr im Vorjahresvergleich).
- Beschäftigung:
- Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist im Februar (aktuellste verfügbare Daten) saisonbereinigt weiter gesunken (-16.000).
- Insgesamt liegt die Beschäftigung nun unter dem Vorjahresniveau.
- Es wächst ausschließlich die Teilzeitbeschäftigung; die Vollzeitbeschäftigung geht zurück.
- Die Zahl der Selbstständigen und der ausschließlich geringfügig Beschäftigten nimmt weiter ab.
- Stellenangebot:
- Die gemeldeten Arbeitsstellen haben sich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert (Bestand: 641.000 im April).
- Der BA-Stellenindex (BA‑X) sank leicht auf 102 Punkte.
- Die Vakanzzeiten bleiben hoch (durchschnittlich 162 Tage), was auf Passungsprobleme zwischen Angebot und Nachfrage hindeutet, trotz gestiegener Arbeitslosigkeit.
- Kurzarbeit:
- Die Inanspruchnahme von konjunkturellem Kurzarbeitergeld hat im Februar leicht zugenommen (156.000 Personen), liegt aber deutlich unter dem Vorjahresniveau.
3. Soziale Sicherung
- Insgesamt bezogen im April 2026 rund 4,831 Millionen Menschen Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts (SGB II und SGB III).
- Arbeitslosengeld (SGB III): Rund 1,07 Millionen Bezieher (+93.000 gegenüber dem Vorjahr). Dies spiegelt die konjunkturelle Schwäche wider.
- Bürgergeld (SGB II): Rund 3,826 Millionen erwerbsfähige Leistungsberechtigte (-125.000 gegenüber dem Vorjahr).
4. Ausbildungsmarkt (Berichtsjahr 2025/26)
- Angebot: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Oktober 2025 bis April 2026) erneut gesunken (statistisch ‑12 %, real geschätzt etwas weniger aufgrund von Prozessumstellungen in der Statistik).
- Nachfrage: Die Zahl der gemeldeten Bewerber ist leicht gestiegen (+1 % auf 357.000).
- Versorgungslage:
- Weniger Bewerber mündeten in eine Ausbildung ein (-13 %).
- Die Zahl der unversorgten Bewerber (ohne Stelle und ohne Alternative) ist um 4 % auf 211.000 gestiegen.
- Der Anteil der unversorgten Bewerber liegt bei 59 %.
- Die Situation hat sich insbesondere in Berlin, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein verschärft.
5. Arbeitsmarktpolitik
- Im April 2026 nahmen rund 726.000 Personen an geförderten Maßnahmen teil (deutlich mehr als im Vorjahresmonat).
- Die Aktivierungsquote lag bei 16,2 %.
- Schwerpunkte lagen weiterhin in der beruflichen Weiterbildung und der Aktivierung/Eingliederung.
Fazit und Ausblick
Der Arbeitsmarkt zeigt sich im April 2026 robust, aber mit klaren Ermüdungserscheinungen. Die typische Frühjahrsentlastung blieb aus. Die Risiken, arbeitslos zu werden, steigen langsam wieder an, während die Chancen, aus der Arbeitslosigkeit in eine Beschäftigung zu finden, historisch niedrig sind. Der Iran-Krieg und die daraus resultierenden Unsicherheiten sowie Energiepreissteigerungen belasten die Konjunktur und damit mittelfristig auch den Arbeitsmarkt. Der Ausbildungsmarkt bleibt angespannt, mit zunehmenden Schwierigkeiten für Jugendliche, einen Platz zu finden.