Öffentliches Defizit sowohl im Euroraum als auch in der EU

1. Kernaussagen

  • Im 3. Quartal 2025 lag das saisonbereinigte öffentliche Defizit
    • im Euroraum (ER20) bei –3,2 % des BIP,
    • in der EU (EU27) ebenfalls bei –3,2 % des BIP.
  • Gegenüber dem 2. Quartal 2025 hat sich das Defizit in beiden Räumen ausgeweitet:
    • Euroraum: von –2,8 % auf –3,2 % des BIP
    • EU: von –2,9 % auf –3,2 % des BIP
  • Ursache ist vor allem ein stärkerer Anstieg der Staatsausgaben gegenüber den Einnahmen.

2. Entwicklung von Einnahmen und Ausgaben

Euroraum (3. Quartal 2025)

  • Einnahmen:
    • 46,7 % des BIP
    • leichter Rückgang gegenüber dem Vorquartal (46,8 %)
    • absoluter Einnahmenzuwachs (+13 Mrd. €) wurde durch stärkeres BIP-Wachstum überkompensiert
  • Ausgaben:
    • 49,9 % des BIP
    • Anstieg gegenüber Q2 (49,5 %)
    • Ausgaben nahmen absolut um rund 32 Mrd. € zu

→ Ergebnis: höheres Defizit trotz steigender Einnahmen, da die Ausgaben schneller wuchsen.

Europäische Union (3. Quartal 2025)

  • Einnahmen:
    • stabil bei 46,3 % des BIP
    • absoluter Zuwachs: ca. +25 Mrd. €
  • Ausgaben:
    • Anstieg auf 49,5 % des BIP (von 49,2 %)
    • absoluter Zuwachs: ca. +39 Mrd. €

→ Auch hier erklärt der Ausgabenanstieg die Verschlechterung des Finanzierungssaldos.

3. Ländervergleich (saisonbereinigt, 3. Quartal 2025)

Länder mit hohen Defiziten

  • Rumänien: –7,3 %
  • Polen: –5,8 %
  • Belgien: –5,7 %
  • Frankreich: –5,4 %
  • Österreich: –4,8 %

Diese Staaten liegen deutlich über der Maastricht-Referenzmarke von –3 % des BIP.

Länder mit Überschüssen

  • Griechenland: +3,2 %
  • Dänemark: +3,3 %
  • Zypern: +2,4 %
  • Irland: +1,2 %

Besonders Griechenland zeigt einen bemerkenswerten strukturellen Wandel im Vergleich zur Vorkrisenzeit.

Deutschland

  • Defizit: –2,8 % des BIP
  • Verschlechterung gegenüber dem Vorquartal um –0,8 Prozentpunkte
  • Damit knapp unter der 3-Prozent-Grenze, aber mit negativer Tendenz.

4. Zeitliche Einordnung

  • Nach einer leichten Defizitreduzierung im Jahr 2024 kam es 2025 erneut zu einer Trendwende.
  • Die Daten zeigen:
    • keine kurzfristige Konsolidierung,
    • vielmehr eine erneute fiskalische Lockerung im Jahresverlauf 2025.
  • Die Zahlen für 2025 sind vorläufig, können sich also noch ändern.

5. Methodische Hinweise

  • Daten basieren auf:
    • ESVG-2010-Methodik
    • saison- und kalenderbereinigtem BIP
  • Quartalsdaten können von Jahresdaten abweichen durch:
    • Rundungseffekte
    • Wechselkurseinflüsse
    • spätere Revisionen
  • Auswirkungen früherer Krisenmaßnahmen (COVID-19, Energiepreise) sind 2025 deutlich geringer, aber noch nicht vollständig verschwunden.

6. Kritische Einordnung

Positiv

  • Transparente und harmonisierte Datenerhebung durch Eurostat.
  • Saisonbereinigung ermöglicht bessere Konjunkturvergleiche.
  • Teilweise solide Haushaltslagen einzelner Staaten (z. B. Griechenland, Dänemark).

Problematisch

  • Strukturelle Defizite bleiben hoch, obwohl sich die Wirtschaft seit der Pandemie stabilisiert hat.
  • Der Ausgabenanstieg dominiert klar gegenüber den Einnahmen – ein Hinweis auf:
    • wachsende Sozialausgaben,
    • steigende Zinslasten,
    • begrenzte Konsolidierungsanstrengungen.
  • Viele große Mitgliedstaaten (u. a. Frankreich, Polen, Italien – Daten teils fehlend) liegen dauerhaft über den Fiskalregeln.
  • Die Rückkehr zu den reformierten EU-Fiskalregeln ab 2024/26 könnte politisch wie ökonomisch konfliktträchtig werden.

7. Gesamteinschätzung

Das Dokument zeigt deutlich:

  • Euroraum und EU befinden sich 2025 erneut in einer Phase steigender Haushaltsdefizite.
  • Das durchschnittliche Defizit von 3,2 % des BIP liegt exakt an der Maastricht-Grenze – allerdings nur als Mittelwert.
  • Die Streuung zwischen den Mitgliedstaaten ist sehr hoch, was die fiskalpolitische Koordination erschwert.
  • Ohne strukturelle Ausgabenkontrolle droht mittelfristig:
    • steigender Konsolidierungsdruck,
    • Konflikt mit EU-Haushaltsregeln,
    • geringerer fiskalischer Spielraum bei zukünftigen Krisen.

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