Der Begriff „Scare Trade“ (meist in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz als „AI Scare Trade“ bezeichnet) ist ein Phänomen an den Finanzmärkten, das besonders Anfang 2026 stark in den Fokus gerückt ist. Es beschreibt einen plötzlichen, von Angst getriebenen massiven Abverkauf von Aktien bestimmter Unternehmen, deren Geschäftsmodelle durch den rasanten Fortschritt von Künstlicher Intelligenz (KI) als akut bedroht gelten.
Hier sind die wichtigsten Merkmale und Hintergründe des „AI Scare Trade“:
- Die Angst vor dem Margenverlust (Erosion of Moats)
Es geht beim „Scare Trade“ weniger um die Technologie an sich, sondern um harte Wirtschaftszahlen. Investoren geraten in Panik, weil KI-Systeme und sogenannte „KI-Agenten“ zunehmend in der Lage sind, komplexe Aufgaben autonom zu erledigen. Die Angst ist, dass Unternehmen, die traditionell hohe Gebühren für menschliche Expertise, Routineaufgaben oder Datenvermittlung verlangen, schlagartig ihre Preismacht (ihren wirtschaftlichen „Burggraben“ bzw. Moat) verlieren. - Welche Branchen sind betroffen?
Der Ausverkauf trifft vor allem wissens- und arbeitsintensive Dienstleister sowie klassische „Mittelsmänner“ (Middlemen). Zu den hart getroffenen Sektoren gehören:
Software (SaaS): Wenn KI in wenigen Stunden maßgeschneiderten Code schreiben kann, sinkt die Zahlungsbereitschaft für teure Standard-Software-Abos.
Vermögensverwaltung & Steuerberatung (Wealth Management): KI-Tools können komplexe, grenzüberschreitende Finanz- und Steuerpläne in Minuten und zu einem Bruchteil der Kosten erstellen.
Gewerbeimmobilien-Makler (Commercial Real Estate): Unternehmen wie CBRE oder JLL, die stark von menschlichen Netzwerken und Informationsvorsprüngen leben, wurden abgestraft, da KI Marktdaten effizienter analysieren kann.
Logistik- und Zahlungsdienstleister: KI optimiert Routen und Prozesse mittlerweile so stark, dass menschliche Sachbearbeiter in großen Teilen überflüssig werden könnten.
- Wie funktioniert der „Trade“ (Handel)?
An der Börse bedeutet ein „Trade“ oft eine bestimmte Investmentstrategie oder Kapitalrotation. Beim Scare Trade ziehen Investoren ihr Kapital massiv und oft unselektiv aus den oben genannten Sektoren ab, sobald neue, leistungsfähige KI-Tools vorgestellt werden (selbst wenn die Firmen fundamental noch gute Gewinne schreiben). Sie schichten das Geld in vermeintlich sichere Häfen oder in die Hardware-/Infrastruktur-Unternehmen um, die die KI erst ermöglichen (z. B. Chiphersteller oder Rechenzentren).
Zusammenfassend: „Scare Trade“ bedeutet an der Börse aktuell ein panikartiges Umschichten von Kapital. Investoren verkaufen fluchtartig die Aktien von Dienstleistungs- und Softwareunternehmen aus Angst, dass Künstliche Intelligenz deren Dienstleistungen in naher Zukunft drastisch verbilligen und die bisherigen Geschäftsmodelle zerstören wird.
