Die US-Wirtschaft steht unter Druck. Die Aktienmärkte sind volatil, Investoren zeigen extreme Angst und das Vertrauen der Verbraucher ist erschüttert. Umfragen signalisieren eine wachsende Unsicherheit über die finanzielle Zukunft vieler Amerikaner. Wirtschaftsexperten sprechen von einer „Ruhe vor dem Sturm“.
Doch während die ökonomischen Herausforderungen zunehmen, schiebt Donald Trump die Verantwortung dafür seinem Amtsvorgänger Joe Biden zu. Immer wieder bezeichnet er die wirtschaftliche Lage, die er von der Biden-Administration übernommen habe, als „katastrophal“, „horrend“ oder gar als „Albtraum“.
Aber ist das gerechtfertigt? Ein Blick auf die Fakten zeigt ein differenzierteres Bild.
Wirtschaftliche Realität vs. Politische Rhetorik
Laut ökonomischen Indikatoren befand sich die US-Wirtschaft Ende von Bidens Amtszeit auf stabilem Kurs. Inflation, die in den Jahren zuvor stark angestiegen war, hatte sich abgeschwächt, die Arbeitsmarktzahlen waren solide und das Wachstumspotenzial intakt. Viele Analysten sprachen von einem „reifen Aufschwung“ zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit.
„Die Wirtschaft war unter Biden problematisch, das hat sich auch in den Umfragen widergespiegelt. Doch als Trump das Amt übernahm, hatten sich Inflation und andere Kennzahlen stabilisiert“, erklärt Jai Kedia, Wirtschaftsexperte am libertären Cato Institute.
Das ewige Blame-Game
Kedia sieht Trumps Vorwürfe vor allem als klassisches politisches Manöver: „Der wirtschaftliche Schuldzuweisungs-Zyklus ist so alt wie die Politik selbst.“
Zwar hatte Biden mit massiven Konjunkturpaketen zur Inflation beigetragen, doch Trumps eigene wirtschaftspolitischen Maßnahmen – darunter neue Zölle und protektionistische Strategien – haben ebenfalls ihre Auswirkungen.
„Die Märkte reagierten zunächst positiv auf Trumps Wiederwahl. Doch mit der Einführung neuer Handelszölle und protektionistischer Maßnahmen geriet die Wirtschaft ins Wanken“, so Kedia.
Wie zuverlässig sind wirtschaftliche Indikatoren?
Die Interpretation wirtschaftlicher Daten ist komplex. Einzelne Monatswerte können kein Gesamtbild liefern, da sie oft nachträglich korrigiert werden oder von kurzfristigen Ereignissen beeinflusst sind.
Ein Beispiel: Biden reklamierte die Schaffung von 16 Millionen Arbeitsplätzen für sich, während Trump sich für 10.000 neue Industriearbeitsplätze im Februar 2025 feierte. Beide Zahlen enthalten wahre Elemente, müssen jedoch kontextualisiert werden: Ein Großteil von Bidens Jobs war eine Erholung nach der Pandemie, und Trumps Industriezuwächse basieren möglicherweise auf Investitionen aus Bidens Amtszeit.
Droht eine Rezession?
Die Angst vor einer Rezession wächst. Laut Joe Brusuelas, Chefökonom von RSM US, stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession jüngst von 15 % auf 20 %. Sollte sich der Handelskonflikt verschärfen, könnte dieser Wert weiter steigen.
„Falls die wirtschaftlichen Turbulenzen durch spezifische Handelsmaßnahmen ausgelöst werden, wird Trump die Verantwortung tragen müssen“, sagt Brusuelas. „Das heißt aber nicht, dass die Regierung nicht weiter Biden die Schuld gibt.“
Fazit: Wirtschaft ist keine Einbahnstraße
Die aktuelle Wirtschaftslage ist das Ergebnis langfristiger Entwicklungen und nicht allein der Politik einer einzelnen Regierung geschuldet. Während Trump Biden für eine vermeintlich marode Wirtschaft verantwortlich macht, sehen die Zahlen differenzierter aus. Die Märkte und das Vertrauen der Verbraucher haben in den letzten Monaten unter Unsicherheiten gelitten – doch ob dies Trumps oder Bidens Politik zuzuschreiben ist, bleibt umstritten.
Eins ist sicher: Die Wirtschaft wird weiterhin als politisches Schlachtfeld genutzt werden – unabhängig von der Realität.