Volks­wa­gen in der Kri­se: Gewinn­ein­bruch und 50.000 Stel­len­strei­chun­gen bis 2030

Gewinn­ein­bruch und Stel­len­ab­bau bei Volks­wa­gen

1. Mas­si­ve Gewinn­ein­bu­ßen 2025

Der Volks­wa­gen-Kon­zern ver­zeich­ne­te 2025 einen deut­li­chen Rück­gang sei­ner Gewin­ne.

  • Der Net­to­ge­winn sank um etwa 44 % von 12,4 Mrd. € auf 6,9 Mrd. €.
  • Auch das ope­ra­ti­ve Ergeb­nis hal­bier­te sich auf 8,9 Mrd. €.
  • Der Umsatz blieb mit rund 322 Mrd. € nahe­zu unver­än­dert.
  • Die ope­ra­ti­ve Ren­di­te fiel auf etwa 2,8 %, ein Niveau, das zuletzt wäh­rend der Die­sel­kri­se 2016 erreicht wur­de.

Damit zeigt sich: Das Pro­blem liegt weni­ger im Absatz als in der sin­ken­den Pro­fi­ta­bi­li­tät.

2. Ursa­chen für den Gewinn­ein­bruch

Meh­re­re Fak­to­ren belas­te­ten das Geschäft:

1. Pro­ble­me bei Por­sche

  • Der ope­ra­ti­ve Gewinn der Toch­ter Por­sche brach stark ein:
    • von rund 5,3 Mrd. € auf nur noch etwa 90 Mio. €.
  • Grün­de sind u. a. Fehl­kal­ku­la­tio­nen beim Elek­tro­au­to-Stra­te­gie­wech­sel und schwa­che Ver­käu­fe in Chi­na.

2. Schwa­ches Geschäft in Chi­na

  • Rück­gang der Ver­käu­fe durch star­ke loka­le Kon­kur­renz und ver­än­der­te Markt­be­din­gun­gen.

3. US-Import­zöl­le und geo­po­li­ti­sche Span­nun­gen

  • Neue Zöl­le und poli­ti­sche Risi­ken belas­ten ins­be­son­de­re das Nord­ame­ri­ka-Geschäft.

4. Kos­ten der Trans­for­ma­ti­on zur Elek­tro­mo­bi­li­tät

  • Elek­tro­au­tos ver­ur­sa­chen hohe Ent­wick­lungs- und Pro­duk­ti­ons­kos­ten und drü­cken daher auf die Gewinn­mar­gen.

3. Absatz­ent­wick­lung

Die Ver­kaufs­zah­len zei­gen ein gemisch­tes Bild:

  • Welt­weit wur­den etwa 8,98 Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge ver­kauft (leicht weni­ger als im Vor­jahr).
  • Euro­pa und Süd­ame­ri­ka ver­zeich­ne­ten Zuwäch­se.
  • Chi­na und Nord­ame­ri­ka gin­gen deut­lich zurück.

Elek­tro­au­tos gewin­nen zwar an Bedeu­tung:

  • Ihr Anteil im Auf­trags­be­stand stieg auf 22 %,
  • der Absatz stieg sogar um 55 %,
  • jedoch mit nied­ri­ge­ren Mar­gen.

4. Gro­ßes Spar­pro­gramm und Stel­len­ab­bau

Als Reak­ti­on auf die schwa­chen Zah­len plant Volks­wa­gen einen umfang­rei­chen Spar­kurs.

  • Bis 2030 sol­len rund 50.000 Stel­len in Deutsch­land abge­baut wer­den.
  • Ein Groß­teil davon betrifft die Kern­mar­ke VW (ca. 35.000 Stel­len).
  • Ende 2024 beschäf­tig­te der Kon­zern rund 293.000 Mit­ar­bei­ter in Deutsch­land.

Laut Ver­ein­ba­rung mit der Gewerk­schaft IG Metall sol­len betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen bis 2030 ver­mie­den wer­den, der Abbau erfolgt also über Fluk­tua­ti­on, Alters­teil­zeit oder frei­wil­li­ge Pro­gram­me.

Auch das Manage­ment ist betrof­fen:

  • Vor­stand und Kon­zern­chef Oli­ver Blu­me ver­zich­ten teil­wei­se auf Gehalt.

5. Stra­te­gi­sche Maß­nah­men

Volks­wa­gen plant umfas­sen­de struk­tu­rel­le Ver­än­de­run­gen:

  • Über­prü­fung aller Kos­ten­be­rei­che (Ent­wick­lung, Ein­kauf, Pro­duk­ti­on, Ver­trieb).
  • Umbau meh­re­rer Kon­zern­be­rei­che, dar­un­ter Audi und die Soft­ware­toch­ter Cari­ad.
  • Aus­bau der Stra­te­gie „in Chi­na für Chi­na“, um lokal güns­ti­ger pro­du­zie­ren zu kön­nen.

6. Aus­blick

Für die kom­men­den Jah­re erwar­tet Volks­wa­gen:

  • 2026 eine ope­ra­ti­ve Mar­ge von etwa 4–5,5 %.
  • Lang­fris­tig (2030) eine Ren­di­te von 8–10 %.

Das Ziel ist eine deut­li­che Ver­bes­se­rung der Pro­fi­ta­bi­li­tät nach der aktu­el­len Kri­se.

Volks­wa­gen steht vor einer struk­tu­rel­len Her­aus­for­de­rung:
Trotz sta­bi­ler Umsät­ze und wei­ter­hin hoher Ver­kaufs­zah­len bre­chen die Gewin­ne wegen geo­po­li­ti­scher Risi­ken, Pro­ble­men bei Toch­ter­un­ter­neh­men, schwa­chen Märk­ten (v. a. Chi­na) und hohen Kos­ten des Umstiegs auf Elek­tro­mo­bi­li­tät ein.

Der Kon­zern reagiert mit einem umfas­sen­den Trans­for­ma­ti­ons- und Spar­pro­gramm, das bis 2030 auch mas­si­ven Stel­len­ab­bau in Deutsch­land umfasst.


Die wirt­schaft­li­chen Ursa­chen des Gewinn­ein­bruchs bei Volks­wa­gen

Der star­ke Gewinn­ein­bruch bei Volks­wa­gen im Jahr 2025 (−44 % Net­to­ge­winn) ist nicht aus­schließ­lich durch kurz­fris­ti­ge Ereig­nis­se erklär­bar. Viel­mehr han­delt es sich um eine Kom­bi­na­ti­on aus struk­tu­rel­len Pro­ble­men der Auto­mo­bil­in­dus­trie, stra­te­gi­schen Fehl­ent­schei­dun­gen und exter­nen poli­ti­schen Fak­to­ren. Die wich­tigs­ten Ursa­chen las­sen sich in fünf zen­tra­le Berei­che ein­tei­len.

1. Struk­tur­pro­blem: Über­gang zur Elek­tro­mo­bi­li­tät

Der Wan­del vom Ver­bren­nungs­mo­tor zum Elek­tro­au­to stellt das Geschäfts­mo­dell tra­di­tio­nel­ler Auto­her­stel­ler grund­sätz­lich infra­ge.

Hohe Inves­ti­ti­ons­kos­ten

Elek­tro­au­tos ver­ur­sa­chen der­zeit deut­lich höhe­re Kos­ten durch:

  • Bat­te­rie­pro­duk­ti­on
  • neue Soft­ware­platt­for­men
  • neue Pro­duk­ti­ons­an­la­gen
  • Ent­wick­lung neu­er Platt­for­men

Die­se Inves­ti­tio­nen drü­cken kurz­fris­tig mas­siv auf die Gewinn­mar­gen. Gleich­zei­tig wer­den mit Elek­tro­au­tos häu­fig gerin­ge­re Gewin­ne pro Fahr­zeug erzielt als mit Ver­bren­nern.

Ver­lust tra­di­tio­nel­ler Wett­be­werbs­vor­tei­le

Deut­sche Her­stel­ler waren lan­ge füh­rend bei:

  • Ver­bren­nungs­tech­no­lo­gie
  • Inge­nieurs­kunst im Moto­ren­bau

Im Elek­tro­au­to-Bereich ver­schiebt sich der Wett­be­werb jedoch zu:

  • Bat­te­rie­kom­pe­tenz
  • Soft­ware
  • Halb­lei­tern
  • Platt­form­öko­no­mie

Hier haben Tech­no­lo­gie­fir­men und chi­ne­si­sche Her­stel­ler teil­wei­se Vor­tei­le.

2. Schwä­che im chi­ne­si­schen Markt

Chi­na war lan­ge der wich­tigs­te Wachs­tums­markt für Volks­wa­gen. Der Absatz­rück­gang dort hat daher enor­me Aus­wir­kun­gen.

Ursa­chen

  • Star­ker Wett­be­werb durch chi­ne­si­sche Elek­tro­au­to­her­stel­ler (z. B. BYD, Nio)
  • schnel­le­re Inno­va­ti­ons­zy­klen loka­ler Her­stel­ler
  • aggres­si­ve Preis­stra­te­gien
  • staat­li­che För­de­rung hei­mi­scher Mar­ken

Stra­te­gi­sches Pro­blem

Volks­wa­gen hat den Wan­del des chi­ne­si­schen Mark­tes rela­tiv spät erkannt. Wäh­rend chi­ne­si­sche Her­stel­ler früh auf Elek­tro­au­tos und digi­ta­le Platt­for­men setz­ten, blieb VW lan­ge stark auf Ver­bren­ner aus­ge­rich­tet.

Dadurch ver­lor der Kon­zern Markt­an­tei­le in einem sei­ner wich­tigs­ten Märk­te.

3. Über­durch­schnitt­lich hohe Kos­ten­struk­tur in Euro­pa

Ein wei­te­res struk­tu­rel­les Pro­blem sind die hohen Pro­duk­ti­ons­kos­ten.

Kos­ten­fak­to­ren

  • hohe Löh­ne
  • kom­ple­xe Lie­fer­ket­ten
  • rela­tiv gerin­ge Fle­xi­bi­li­tät der Wer­ke
  • star­ke Mit­be­stim­mung
  • hohe Ener­gie­prei­se

Die­se Fak­to­ren füh­ren dazu, dass die Pro­duk­ti­on in Euro­pa teil­wei­se deut­lich teu­rer ist als in Chi­na oder den USA.

Die nied­ri­ge ope­ra­ti­ve Ren­di­te von rund 2,8 % zeigt die man­geln­de Effi­zi­enz im Ver­gleich zu Wett­be­wer­bern.

4. Stra­te­gi­sche Fehl­ent­schei­dun­gen inner­halb des Kon­zerns

Ein Teil der Kri­se ist auch haus­ge­macht.

Soft­ware­pro­ble­me (Cari­ad)

Volks­wa­gen inves­tier­te Mil­li­ar­den in eine eige­ne Soft­ware­platt­form, doch die Ent­wick­lung ver­lief deut­lich lang­sa­mer als geplant.

Fol­gen:

  • Ver­zö­ge­run­gen bei neu­en Model­len
  • hohe Zusatz­kos­ten
  • tech­no­lo­gi­sche Rück­stän­de gegen­über Tes­la oder chi­ne­si­schen Her­stel­lern

Fehl­kal­ku­la­ti­on bei Por­sche

Der dras­ti­sche Gewinn­ein­bruch bei Por­sche hängt auch mit einer Fehl­ein­schät­zung der Nach­fra­ge nach Elek­tro-Sport­wa­gen zusam­men. Gleich­zei­tig brach der Absatz in Chi­na ein.

5. Geo­po­li­ti­sche Risi­ken und Han­dels­kon­flik­te

Exter­ne poli­ti­sche Fak­to­ren ver­stär­ken die wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me.

US-Zöl­le und Indus­trie­po­li­tik

Neue Import­zöl­le und Ver­än­de­run­gen in der US-Indus­trie­po­li­tik belas­ten euro­päi­sche Her­stel­ler.

Sub­ven­ti­ons­po­li­tik

Vie­le Staa­ten för­dern zuneh­mend loka­le Pro­duk­ti­on von Elek­tro­au­tos. Dadurch ent­steht ein Stand­ort­wett­be­werb, der inter­na­tio­na­le Her­stel­ler benach­tei­li­gen kann.

6. Para­do­xer Effekt: Wachs­tum ohne Gewinn­stei­ge­rung

Ein beson­ders kri­ti­scher Punkt ist die Dis­kre­panz zwi­schen Absatz und Pro­fi­ta­bi­li­tät.

Volks­wa­gen ver­kauft wei­ter­hin:

  • fast 9 Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge pro Jahr
  • stei­gen­de Zah­len bei Elek­tro­au­tos

Trotz­dem sinkt der Gewinn stark.

Das deu­tet auf ein grund­le­gen­des Pro­blem hin:
Das aktu­el­le Geschäfts­mo­dell erzeugt nicht mehr genü­gend Mar­ge.

Gesamt­be­wer­tung

Der Gewinn­ein­bruch ist daher weni­ger eine kurz­fris­ti­ge Kri­se als viel­mehr ein Sym­ptom eines tief­grei­fen­den Struk­tur­wan­dels in der glo­ba­len Auto­mo­bil­in­dus­trie.

Die zen­tra­len Her­aus­for­de­run­gen für Volks­wa­gen sind:

  1. Anpas­sung an die Elek­tro­mo­bi­li­tät
  2. Wie­der­ge­win­nung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit in Chi­na
  3. Sen­kung der Pro­duk­ti­ons­kos­ten in Euro­pa
  4. tech­no­lo­gi­sche Auf­hol­jagd im Soft­ware­be­reich
  5. Umgang mit geo­po­li­ti­schen Han­dels­kon­flik­ten

Der geplan­te Stel­len­ab­bau und Spar­kurs sind daher vor allem Ver­su­che, die Kos­ten­struk­tur an die neue Rea­li­tät der Bran­che anzu­pas­sen.


Wie hilf­reich war die­ser Bei­trag?

Kli­cke auf die Ster­ne um zu bewer­ten!

Durch­schnitt­li­che Bewer­tung 0 / 5. Anzahl Bewer­tun­gen: 0

Bis­her kei­ne Bewer­tun­gen! Sei der Ers­te, der die­sen Bei­trag bewer­tet.

Es tut uns leid, dass der Bei­trag für dich nicht hilf­reich war!

Las­se uns die­sen Bei­trag ver­bes­sern!

Wie kön­nen wir die­sen Bei­trag ver­bes­sern?

Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater