War­um Geduld und Diver­si­fi­ka­ti­on oft die bes­ten Rat­ge­ber sind

Lang­fris­tig inves­tie­ren

Tur­bu­len­te Märk­te, ver­un­si­cher­te Anle­ger, fal­len­de Kur­se – und den­noch plä­die­ren vie­le Finanz­ex­per­ten für Gelas­sen­heit. Doch wie fun­diert ist der Rat, in Kri­sen­zei­ten inves­tiert zu blei­ben? Und für wen gilt er wirk­lich? Eine Ein­ord­nung.

An der Bör­se ist Geduld kei­ne Tugend – sie ist eine Stra­te­gie

In Zei­ten wirt­schaft­li­cher Unsi­cher­heit – sei es aus­ge­löst durch Krie­ge, Infla­ti­ons­sor­gen oder geo­po­li­ti­sche Span­nun­gen – gera­ten vie­le Pri­vat­an­le­ger ins Grü­beln. Ist jetzt der rich­ti­ge Moment, um Geld anzu­le­gen? Soll­te man aus­stei­gen, bevor es noch schlim­mer kommt? Oder ist genau jetzt der Zeit­punkt, ruhig zu blei­ben – oder gar nach­zu­kau­fen?

Zahl­rei­che Finanz­ex­per­ten raten zur Gelas­sen­heit, vor allem jenen, die mit einem lan­gen Anla­ge­ho­ri­zont von zehn bis fünf­zehn Jah­ren an den Markt gehen. Wer breit gestreut in soge­nann­te ETFs inves­tiert, also bör­sen­ge­han­del­te Index­fonds, kön­ne Kri­sen aus­sit­zen und lang­fris­tig von robus­ten Ren­di­ten pro­fi­tie­ren – his­to­risch betrach­tet lagen die­se im Bereich von 6 % bis 8 % pro Jahr.

Die­se Emp­feh­lung basiert auf einer gut doku­men­tier­ten Erkennt­nis: Kapi­tal­märk­te schwan­ken kurz­fris­tig, wach­sen aber lang­fris­tig. Wer nicht auf täg­li­che Kurs­be­we­gun­gen fixiert ist, kann durch­hal­ten – und pro­fi­tiert irgend­wann von der Erho­lung.

ETFs: Pas­siv inves­tie­ren, aber nicht blind ver­trau­en

ETFs gel­ten als idea­les Vehi­kel für lang­fris­tig ori­en­tier­te Anle­ger. Sie bil­den gro­ße Akti­en­in­di­zes wie den MSCI World, den FTSE All-World oder den S&P 500 ab – also Hun­der­te bis Tau­sen­de Unter­neh­men welt­weit. Der Clou: Die­se Indi­zes pas­sen sich „auto­ma­tisch“ an glo­ba­le wirt­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen an. Wenn chi­ne­si­sche oder euro­päi­sche Unter­neh­men wach­sen, steigt ihr Gewicht im Index. Der ETF bil­det das ab – ganz ohne akti­ves Ein­grei­fen.

Doch die­se Selbst­an­pas­sung hat Gren­zen. Denn ETFs reagie­ren rein mecha­nisch, und das mit­un­ter ver­spä­tet. Sie bil­den Ent­wick­lun­gen erst dann ab, wenn sie sich im Markt­wert der Unter­neh­men nie­der­schla­gen. Früh­zei­ti­ge Trends oder Risi­ken – etwa poli­ti­sche Inter­ven­tio­nen in Chi­na oder regu­la­to­ri­sche Hür­den – flie­ßen nicht aktiv in die Gewich­tung ein.

Ein wei­te­rer oft unter­schätz­ter Aspekt: Die Kon­zen­tra­ti­on auf eini­ge weni­ge Mega-Kon­zer­ne. So machen US-Tech­gi­gan­ten inzwi­schen mehr als ein Vier­tel der Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung vie­ler Welt-ETFs aus. Diver­si­fi­ka­ti­on? Ja – aber nicht unbe­grenzt.

Tages­geld: Sicher­heit um den Preis der Kauf­kraft

Ein immer wie­der genann­ter Kon­trast ist das Tages­geld­kon­to. Sicher, liqui­de, ver­läss­lich – aber eben auch von der Infla­ti­on bedroht. Selbst wenn Ban­ken mitt­ler­wei­le wie­der 3 % oder mehr Zin­sen zah­len, liegt die rea­le Ren­di­te oft unter null. Die Kauf­kraft schrumpft – lang­sam, aber ste­tig.

Den­noch: Wer in den nächs­ten Mona­ten oder weni­gen Jah­ren grö­ße­re Anschaf­fun­gen plant – etwa ein Auto, eine Immo­bi­lie oder eine Welt­rei­se –, soll­te nicht in Akti­en inves­tie­ren. Denn Kur­se kön­nen auch in einem Jahr um 20 % oder mehr fal­len. Die Bör­se ist kein Spar­kon­to.

Kri­sen als Ein­stiegs­chan­ce – oder doch nicht?

Ein gern genutz­tes Argu­ment pro lang­fris­ti­ges Inves­tie­ren lau­tet: „Kri­sen sind Kauf­ge­le­gen­hei­ten.“ Die Finanz­kri­se 2008 oder der pan­de­mie­be­ding­te Crash 2020 führ­ten zu mas­si­ven Kurs­ver­lus­ten – aber auch zu schnel­len und nach­hal­ti­gen Erho­lun­gen. Wer damals mutig war, wur­de belohnt.

Doch Vor­sicht: Die­se Rück­schau ent­hält einen Bestä­ti­gungs­feh­ler. Denn nie­mand weiß im Moment der Kri­se, ob – und wann – sich die Märk­te erho­len. Es gibt his­to­ri­sche Gegen­bei­spie­le. Der japa­ni­sche Akti­en­markt etwa hat nach dem Plat­zen der Bla­se Anfang der 1990er Jah­re mehr als zwei Jahr­zehn­te gebraucht, um wie­der frü­he­re Höchst­stän­de zu errei­chen – infla­ti­ons­be­rei­nigt teil­wei­se bis heu­te nicht.

Lang­fris­ti­ges Inves­tie­ren ist eine Wet­te – aber eine mit guter Quo­te

Das viel­leicht wich­tigs­te Miss­ver­ständ­nis rund ums Inves­tie­ren lau­tet: „Akti­en brin­gen immer hohe Ren­di­ten.“ Das stimmt so nicht. Akti­en brin­gen poten­zi­ell hohe Ren­di­ten – aber eben nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen:

  • lan­ger Anla­ge­ho­ri­zont,
  • brei­te Diver­si­fi­ka­ti­on,
  • kei­ne Panik­ver­käu­fe in Kri­sen,
  • und idea­ler­wei­se: regel­mä­ßi­ges Nach­kau­fen.

Wer die­se Bedin­gun­gen erfüllt, hat his­to­risch gute Chan­cen auf rea­le Ver­mö­gens­zu­wäch­se. Aber das ist kei­ne Garan­tie. Es ist – wie alles an der Bör­se – eine Wet­te. Doch es ist eine, deren Chan­cen nach allem, was wir wis­sen, gut ste­hen – zumin­dest lang­fris­tig.

Fazit: Ruhe bewah­ren – aber mit kla­rem Kom­pass

Nicht jeder soll­te jetzt in ETFs inves­tie­ren. Nicht jeder soll­te „in der Kri­se kau­fen“. Aber wer:

  • lang­fris­tig denkt,
  • nicht auf das inves­tier­te Geld ange­wie­sen ist,
  • und ein gewis­ses Maß an Kurs­schwan­kun­gen aus­hal­ten kann,

der ist mit breit gestreu­ten Index­fonds gut bera­ten. Sie sind kos­ten­güns­tig, trans­pa­rent und rich­ten sich nach der Welt­wirt­schaft – nicht nach ein­zel­nen Pro­gno­sen.

Die Devi­se lau­tet: Nicht hek­tisch han­deln, son­dern stra­te­gisch inves­tie­ren. Gelas­sen­heit ist kein Man­gel an Hand­lung – son­dern eine Form von Kon­trol­le.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater