Warum Privatanleger in den USA die Buy-the-Dip-Strategie in der Marktkorrektur aufgeben

Lange Zeit galt die „Buy the Dip“-Strategie als bewährtes Mittel für Privatanleger, um Marktrückgänge zu nutzen und günstig Aktien zu kaufen. Doch in der jüngsten Marktkorrektur zeigt sich ein anderes Bild: Anleger ziehen sich vermehrt aus dem Markt zurück, anstatt die Gelegenheit für günstige Nachkäufe zu nutzen.

Rückzug der Privatanleger aus Aktien

Laut Daten von Barclays haben Privatanleger in den letzten zwei Wochen rund 4 Milliarden US-Dollar aus US-Aktien abgezogen. Der S&P 500, der zuvor einen beeindruckenden Aufwärtstrend erlebt hatte, geriet in eine dreitägige Korrekturphase, die von wirtschaftlichen Unsicherheiten und Handelskonflikten beeinflusst wurde.

Besonders auffällig ist, dass Inhaber von 401(k)-Pensionsplänen vermehrt ihre Portfolios umschichten – laut Alight Solutions wurde in diesem Zeitraum viermal so häufig gehandelt wie im langfristigen Durchschnitt. Dies deutet darauf hin, dass sich viele Anleger von Panik leiten lassen, anstatt eine langfristige Strategie zu verfolgen.

Höhere Sensibilität gegenüber Marktschwankungen

Ein wesentlicher Grund für diese Verhaltensänderung ist die gestiegene Abhängigkeit der US-Haushalte vom Aktienmarkt. Laut Daten der US-Notenbank liegt der Anteil von Aktien an den Finanzvermögen der Haushalte auf einem Rekordniveau von fast 50 %. Dies bedeutet, dass Schwankungen an den Märkten unmittelbare Auswirkungen auf das Vermögen vieler Amerikaner haben – und entsprechend nervöse Reaktionen hervorrufen.

Der Wandel: Von optimistischem Bullenmarkt zu skeptischer Vorsicht

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die „Buy the Dip“-Strategie für viele Anleger ausgezahlt, insbesondere durch den KI-getriebenen Bullenmarkt, der den S&P 500 auf Rekordhöhen führte. Die Volatilität war historisch niedrig: Über einen Zeitraum von mehr als 370 Tagen gab es keinen Kursrückgang von mehr als 2,1 %. Dies war die längste Phase dieser Art seit der globalen Finanzkrise 2008/09.

Doch diese Stabilität geriet zuletzt ins Wanken. Vor allem die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der US-Regierung, darunter aggressive Zollerhöhungen und abrupte politische Kurswechsel, haben für Unsicherheit gesorgt. Die Furcht vor sinkendem Konsum, schwächerem Wachstum und niedrigeren Unternehmensgewinnen schürte Ängste vor einer möglichen Rezession.

Kein vollständiger Rückzug der Anleger

Trotz der gestiegenen Verkaufsaktivität ist es jedoch verfrüht, von einer Massenflucht der Privatanleger aus dem Aktienmarkt zu sprechen. Laut Barclays bleibt die Netto-Verschuldung in Margin-Konten – ein Indikator für die Risikobereitschaft von Privatanlegern – weiterhin hoch. Dies zeigt, dass sich viele Investoren noch nicht vollständig vom Markt abgewandt haben.

Analysten bei Barclays betonen, dass es noch erheblichen Spielraum für einen weiteren Rückzug aus dem Aktienmarkt gibt. Doch von einer Kapitulation sei bisher keine Rede. Auch das hauseigene „Euphorie-Barometer“ zeigt, dass die Marktstimmung zwar gedämpft ist, aber im historischen Vergleich weiterhin auf hohem Niveau liegt.

Fazit: Eine Trendwende oder nur eine kurze Schrecksekunde?

Die Zurückhaltung der Privatanleger in der aktuellen Korrektur könnte auf eine langfristige Verhaltensänderung hindeuten. Während die „Buy the Dip“-Strategie in den letzten Jahren erfolgreich war, scheint sich nun eine vorsichtigere Haltung durchzusetzen. Dennoch bleibt abzuwarten, ob es sich hierbei nur um eine temporäre Anpassung oder eine fundamentale Veränderung in der Anlagestrategie von Privatanlegern handelt.

Wie so oft an den Märkten wird sich die Antwort erst in den kommenden Monaten zeigen – je nachdem, ob sich die wirtschaftlichen Sorgen bestätigen oder der Markt erneut zu alter Stärke zurückfindet.


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