Wochen­rück­blick: US-Bör­sen 36. KW 2026

Wochen­fa­zit

Die Akti­en­märk­te star­te­ten schwach in den Sep­tem­ber. Aus­lö­ser waren vor allem die erneu­ten mili­tä­ri­schen Span­nun­gen zwi­schen den USA und Iran, stei­gen­de Ölprei­se und damit ver­bun­de­ne Sor­gen um Infla­ti­on und Anlei­he­ren­di­ten. Der S&P 500 fiel zunächst und tes­te­te erneut den unte­ren Bereich sei­ner seit Anfang August bestehen­den Han­dels­span­ne von unge­fähr 7.600–7.800 Punk­ten, konn­te die­sen Bereich aber hal­ten. Aus­sa­gen von Fed-Ver­tre­tern Wil­liams und Wal­ler sorg­ten im wei­te­ren Wochen­ver­lauf wie­der für etwas Unter­stüt­zung bei Anlei­hen und Akti­en.

Die wich­tigs­ten US-Indi­zes:

Index5‑Ta­ge-Ent­wick­lung
Nasdaq Com­po­si­te+0,40 %
Nasdaq 100+0,38 %
Rus­sell 2000+0,11 %
S&P 500+0,09 %
Dow Jones−0,27 %

Damit war die Woche unter dem Strich fast seit­wärts, aller­dings mit einer leich­ten rela­ti­ven Stär­ke der gro­ßen Tech­no­lo­gie­ak­ti­en. Der Dow war der schwächs­te der fünf gro­ßen Refe­renz­in­di­zes. Das passt zur Kern­aus­sa­ge des Reports: Mega Caps hiel­ten sich bes­ser, wäh­rend die Markt­brei­te schwä­cher war.

Tech­no­lo­gie: Hard­ware schlägt Soft­ware

Inner­halb des Tech­no­lo­gie­sek­tors war die Ent­wick­lung sehr unein­heit­lich. Ein­zel­ne Soft­ware­ti­tel reagier­ten stark auf gute Zah­len, aber ins­ge­samt dreh­te sich die rela­ti­ve Stär­ke wie­der zuguns­ten der Hard­ware- und Halb­lei­ter­wer­te. Der ICE-Semi­con­duc­tor-Index leg­te rund 2 % zu, ein DRAM-ETF sogar etwa 7 %, wäh­rend der IGV-Soft­ware-ETF rund 5 % ver­lor. Gleich­zei­tig zeig­ten ein­zel­ne Soft­ware­ak­ti­en nach Ear­nings star­ke Aus­schlä­ge.

Das ist für die Markt­in­ter­pre­ta­ti­on wich­tig: Die posi­ti­ve Ent­wick­lung des Nasdaq war kein gleich­mä­ßi­ger Tech-Ral­ly, son­dern wur­de von bestimm­ten Berei­chen getra­gen.

Ener­gie war der kla­re Gewin­ner

Der domi­nie­ren­de Makro­fak­tor der Woche war Öl. Ener­gy war der stärks­te Sek­tor; Roh­öl stieg infol­ge der neu­en Span­nun­gen im Nahen Osten kräf­tig. Brent leg­te laut Report auf Wochen­ba­sis unge­fähr 8–10 % zu und näher­te sich wie­der der Mar­ke von 100 Dol­lar je Bar­rel.

Neben Ener­gy waren Uti­li­ties rela­tiv stark. Dage­gen gehör­ten Indus­tri­als, Mate­ri­als, Con­su­mer Dis­cre­tio­na­ry und Real Estate zu den schwä­che­ren Berei­chen. Ama­zon belas­te­te Con­su­mer Dis­cre­tio­na­ry, wäh­rend unter ande­rem Lulu­le­mon nach ent­täu­schen­den Ergeb­nis­sen deut­lich ein­brach. Auch Lebens­mit­tel­un­ter­neh­men mel­de­ten schwä­che­re Ent­wick­lun­gen.

US-Kon­junk­tur: Arbeits­markt über­ra­schend stark

Der wich­tigs­te Daten­punkt der Woche war der US-Arbeits­markt­be­richt. Die Beschäf­ti­gung stieg laut Weekly Recap um 162.000 Stel­len, unge­fähr drei­mal so stark wie vom Kon­sens erwar­tet. Zusätz­lich wur­den die bei­den Vor­mo­na­te nach oben revi­diert. Die Arbeits­lo­sen­quo­te blieb bei 4,1 %, wäh­rend gleich­zei­tig die Erwerbs­quo­te stieg.

Das ist geld­po­li­tisch eher ein Argu­ment gegen schnel­le Zins­sen­kun­gen bezie­hungs­wei­se für eine restrik­ti­ve­re Fed. Genau das war an den Märk­ten zu sehen: Nach dem star­ken Arbeits­markt­be­richt stie­gen die Ren­di­ten zunächst wie­der.

Die JOLTS-Daten waren weni­ger ein­deu­tig. Die Zahl der offe­nen Stel­len lag mit 7,271 Mio. knapp unter den Erwar­tun­gen; gleich­zei­tig gin­gen Ein­stel­lun­gen zurück.

Infla­ti­on bleibt das zen­tra­le Pro­blem

Auch die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes zei­gen ein gemisch­tes Bild. Der ISM Manu­fac­tu­ring PMI lag mit 54,6 wei­ter­hin klar im Expan­si­ons­be­reich, hat­te sich aber gegen­über dem Vor­mo­nat abge­schwächt. Beson­ders auf­fäl­lig sind die Kom­men­ta­re der Unter­neh­men zu stei­gen­den Prei­sen, Lie­fer­eng­päs­sen, Energie‑, Stahl- und Arbeits­kos­ten.

Der Dienst­leis­tungs-PMI fiel stär­ker aus als erwar­tet. Die Neu­auf­trä­ge lagen sogar über 60. Gleich­zei­tig erreich­te die Preis­kom­po­nen­te den höchs­ten Stand seit August 2022.

Das ist wahr­schein­lich die wich­tigs­te makro­öko­no­mi­sche Aus­sa­ge des gesam­ten Reports: Das Wachs­tum ist noch rela­tiv robust, aber der Infla­ti­ons­druck ver­schwin­det nicht.

Zin­sen: Fed-Erwar­tun­gen wer­den restrik­ti­ver

Die US-Zins­kur­ve wur­de stei­ler. Die 10-jäh­ri­ge Tre­asu­ry-Ren­di­te stieg im Wochen­ver­gleich um etwa 7 Basis­punk­te, die 2‑jährige um rund 2 Basis­punk­te. Die 10-Jäh­ri­ge lag nahe 4,8 %. Nach dem star­ken Arbeits­markt­be­richt stieg die vom Markt ein­ge­preis­te Wahr­schein­lich­keit einer Fed-Zins­er­hö­hung auf unge­fähr 60 %.

Damit ent­steht für Akti­en ein Span­nungs­feld: soli­de Wirt­schaft und Unter­neh­mens­ge­win­ne auf der einen Sei­te, aber höhe­re lang­fris­ti­ge Ren­di­ten und weni­ger Hoff­nung auf geld­po­li­ti­sche Locke­rung auf der ande­ren.

Welt­märk­te

Außer­halb der USA war das Bild über­wie­gend schwä­cher. Japan ver­lor rund 2 %, wäh­rend der Yen gegen­über dem Dol­lar deut­lich auf­wer­te­te. China/Hongkong zeig­te ein gemisch­tes Bild; ins­be­son­de­re chi­ne­si­sche Tech­no­lo­gie­wer­te stan­den unter Druck, unter ande­rem wegen hoher KI-Inves­ti­tio­nen und Mar­gen­sor­gen. Emer­ging Mar­kets waren dage­gen rela­tiv stark, unter­stützt durch den schwä­che­ren Dol­lar und höhe­re Ölprei­se.

Euro­pa ent­wi­ckel­te sich eben­falls schwä­cher. Ener­gie- und Finanz­wer­te pro­fi­tier­ten zwar von höhe­ren Ölprei­sen bezie­hungs­wei­se Ren­di­ten, aber stei­gen­de Gas­prei­se und Infla­ti­ons­si­gna­le blie­ben Belas­tungs­fak­to­ren. Der DAX ver­lor etwa ‑1,97 %.

Was dar­aus für die kom­men­de Woche folgt

Der nächs­te ent­schei­den­de Kata­ly­sa­tor ist Infla­ti­on. Ins­be­son­de­re PPI und CPI sind wich­tig, weil die­se Daten unmit­tel­bar vor der dar­auf­fol­gen­den Fed-Sit­zung erschei­nen. Wal­ler hat­te aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Infla­ti­ons­zah­len sei­ne Ent­schei­dung beein­flus­sen könn­ten. Zusätz­lich steht die EZB-Ent­schei­dung an, und meh­re­re gro­ße Unter­neh­men – unter ande­rem Ora­cle und Ado­be.

Mei­ne kom­pri­mier­te Inter­pre­ta­ti­on: Die Bör­se befin­det sich wei­ter­hin in einer Kon­so­li­die­rung, nicht in einem kla­ren Abwärts­trend. Die gro­ßen US-Indi­zes beweg­ten sich auf 5‑Ta­ge-Sicht nur wenig; Tech­no­lo­gie zeig­te rela­ti­ve Stär­ke, wäh­rend die Markt­brei­te schwä­cher war. Gleich­zei­tig ver­schiebt sich das Makro­ri­si­ko: Nicht eine schwa­che Kon­junk­tur ist momen­tan das Haupt­pro­blem, son­dern die Kom­bi­na­ti­on aus robus­tem Wachs­tum + star­kem Arbeits­markt + Ölpreis­an­stieg + hart­nä­cki­gem Preis­druck. Das erhöht das Risi­ko län­ger hoher bezie­hungs­wei­se noch­mals stei­gen­der Zin­sen.

Für die kurz­fris­ti­ge Markt­be­ur­tei­lung wür­de ich daher vor allem drei Varia­blen beob­ach­ten: US-Infla­ti­ons­da­ten, die 10-jäh­ri­ge Tre­asu­ry-Ren­di­te und den Ölpreis. Solan­ge der S&P sei­ne Zone um 7.600 ver­tei­digt, bleibt die Kon­so­li­die­rungs­struk­tur grund­sätz­lich intakt; ein nach­hal­ti­ger Aus­bruch über etwa 7.800 wäre dage­gen ein posi­ti­ves tech­ni­sches Signal.


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