Das Hindenburg-Omen ist ein technischer Börsenindikator, der eine potenzielle Instabilität im Gesamtmarkt andeuten soll. Es basiert auf der Annahme, dass ein Markt, der gleichzeitig viele neue Hochs und viele neue Tiefs produziert, intern widersprüchlich und damit anfällig ist.
Grundidee
Ein gesunder Aufwärtstrend zeigt breite Beteiligung: Viele Aktien steigen, wenige fallen stark. Wenn jedoch sowohl ungewöhnlich viele neue Jahreshochs als auch viele neue Jahrestiefs auftreten, gilt das als Zeichen eines bröckelnden Marktgleichgewichts.
Kriterien
Das Omen wird ausgelöst, wenn mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
- An der Börse (typischerweise der NYSE) erreichen mindestens 2,2% der Aktien sowohl neue 52-Wochen-Hochs als auch neue 52-Wochen-Tiefs am selben Tag.
- Die Anzahl der neuen Hochs darf nicht mehr als doppelt so hoch sein wie die Anzahl der neuen Tiefs, was auf Unsicherheit und Verteilung im Markt hinweist.
- Der zugrundeliegende Marktindex befindet sich noch in einem Aufwärtstrend (z. B. anhand eines 10-Wochen-Durchschnitts oder eines 50-Tage-Änderungsindikators).
- Zudem zeigt der McClellan-Oszillator (ein Markttiefe-Oszillator) typischerweise eine negative Divergenz an.
Historische
Einschätzung In turbulenten Marktphasen taucht das Omen öfter auf und hatte einzelne Treffer bei größeren Kursrückgängen. Über lange Zeiträume ist die Trefferquote jedoch schwach. Viele Signale führen zu keinerlei signifikanten Korrekturen. Daher ist seine praktische Aussagekraft begrenzt.
Kritische Bewertung
Die verwendeten Schwellenwerte sind nicht robust statistisch begründet. Die Gleichzeitigkeit vieler Hochs und Tiefs kann auch durch normale sektorale Rotation entstehen, nicht zwingend durch Marktzerfall. Der dramatische Name erzeugt psychologische Verzerrungen und überschätzt die Bedeutung des Signals. Fundamentale Faktoren bleiben komplett unberücksichtigt, obwohl sie entscheidend für echte Trendwechsel sind.
Das Hindenburg-Omen ist weniger ein Crash-Frühwarnsystem als ein Hinweis auf Marktdivergenzen. Es kann helfen, erhöhte Unsicherheit zu erkennen, taugt aber nicht als eigenständige Entscheidungsgrundlage. Wenn du möchtest, kann ich es auf einer Grafik mit typischen Marktbreitesignalen vergleichen oder dir die häufigsten Fehlinterpretationen herausarbeiten.