Deutsche Exporte brechen ein, Importe steigen – Außenhandel unter Druck im November 2025

1. Kernergebnisse auf einen Blick

Kalender- und saisonbereinigt (wichtig für Konjunkturbeurteilung):

  • Exporte: 128,1 Mrd. €
    –2,5 % gegenüber Oktober 2025
    –0,8 % gegenüber November 2024
  • Importe: 115,1 Mrd. €
    +0,8 % gegenüber Oktober 2025
    +5,4 % gegenüber November 2024
  • Außenhandelsüberschuss: 13,1 Mrd. €
    (Oktober 2025: 17,2 Mrd. €, November 2024: 20,0 Mrd. €)

Interpretation:
Der Rückgang der Exporte bei gleichzeitig steigenden Importen führt zu einem deutlich geschrumpften Außenhandelsüberschuss. Das ist ökonomisch relevant, weil der Außenbeitrag traditionell eine Stütze des deutschen Wachstums ist.

2. Entwicklung nach Regionen

2.1 EU-Handel

  • Exporte in die EU: 73,1 Mrd. € → –4,2 % zum Vormonat
  • Importe aus der EU: 58,7 Mrd. € → –4,0 % zum Vormonat
  • Eurozone: Exporte –3,9 %, Importe –3,7 %
  • Nicht-Eurozone: Exporte –4,8 %, Importe –4,7 %

Bewertung:
Der gleichzeitige Rückgang von Exporten und Importen innerhalb der EU deutet auf eine konjunkturelle Schwäche im europäischen Binnenmarkt hin, nicht nur auf ein deutsches Angebotsproblem.

2.2 Drittstaaten (Nicht-EU)

  • Exporte in Drittstaaten: 55,1 Mrd. € → –0,2 %
  • Importe aus Drittstaaten: 56,3 Mrd. € → +6,3 %

Bewertung:
Hier zeigt sich eine Asymmetrie: Deutschland importiert deutlich mehr, exportiert aber kaum mehr. Das verschlechtert die Handelsbilanz und kann auf eine nachlassende internationale Wettbewerbsfähigkeit oder auf schwache Auslandsnachfrage hindeuten.

3. Wichtige Handelspartner

3.1 Exporte

  • USA: 10,8 Mrd. € → –4,2 % zum Vormonat, –22,9 % zum Vorjahr
  • China: 6,5 Mrd. € → +3,4 %
  • Vereinigtes Königreich: 6,0 Mrd. € → –8,1 %
  • Russland: 0,6 Mrd. € → –5,5 % (–22,5 % zum Vorjahr)

Bewertung:

  • Der massive Exportrückgang in die USA ist besonders auffällig und wirtschaftspolitisch brisant, da die USA der wichtigste Einzelmarkt sind.
  • Der Anstieg der Exporte nach China ist positiv, relativiert sich aber durch das insgesamt niedrigere Niveau und die strukturellen Risiken der China-Abhängigkeit.

3.2 Importe

  • China: 14,9 Mrd. € → +8,0 %
  • USA: 7,7 Mrd. € → +7,9 %
  • Vereinigtes Königreich: 3,4 Mrd. € → +10,9 %
  • Russland: 0,1 Mrd. € → +22,5 % (aber sehr niedriges Niveau)

Bewertung:
Der starke Importzuwachs aus China verstärkt die Handelsasymmetrie. Deutschland wird stärker von Drittstaaten beliefert, während die eigenen Exporte stagnieren oder sinken – ein potenzielles Strukturproblem.

4. Nominalwerte (nicht bereinigt)

  • Exporte: 130,7 Mrd. € → –1,7 % zum Vorjahr
  • Importe: 117,0 Mrd. € → +4,4 % zum Vorjahr
  • Saldo: 13,7 Mrd. € (Nov. 2024: 20,9 Mrd. €)

Einordnung:
Auch ohne Bereinigung zeigt sich: Exporte rückläufig, Importe deutlich steigend. Das bestätigt den Trend der bereinigten Zahlen und ist kein statistisches Artefakt.

5. Zeitlicher Kontext (Verlauf 2024–2025)

Die Tabelle und die Grafik (Seite 4/5) zeigen:

  • 2025 insgesamt schwankende, aber tendenziell stagnierende Exporte
  • Importe seit Frühjahr 2025 eher steigend
  • November 2025 markiert einen klaren Dämpfer bei den Exporten

Kritische Einordnung:
Das spricht gegen eine nachhaltige Exporterholung. Vielmehr wirkt die deutsche Außenwirtschaft fragil und stark abhängig von einzelnen Märkten.

6. Gesamtbewertung (kritisch)

Positiv:

  • Stabiler Export nach China im Monatsvergleich
  • Außenhandelsüberschuss weiterhin vorhanden

Negativ / problematisch:

  1. Deutlicher Exportrückgang insgesamt (–2,5 %)
  2. Massiver Einbruch im US-Geschäft (–22,9 % zum Vorjahr)
  3. Stark steigende Importe, insbesondere aus Drittstaaten
  4. Schwäche des EU-Binnenmarkts (gleichzeitiger Rückgang von Exporten und Importen)

Strukturelle Risiken:

  • Abhängigkeit von wenigen Großmärkten
  • Mögliche Wettbewerbsnachteile durch Energiepreise, Regulierung, Wechselkurse
  • Geopolitische Unsicherheiten (USA, China, Russland)

7. Fazit in einem Satz

Der November 2025 signalisiert keine Erholung, sondern eine zunehmende Belastung der deutschen Außenwirtschaft: sinkende Exporte, steigende Importe und ein schrumpfender Handelsüberschuss – mit besonders alarmierenden Signalen aus dem US-Geschäft und dem EU-Binnenmarkt.


Quelle: Exporte im November 2025: -2,5 % zum Oktober 2025 – Statistisches Bundesamt

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