Divi­den­den und Quel­len­steu­er: War­um hohe Ren­di­ten oft trü­gen

Divi­den­den gel­ten für vie­le Anle­ger als ver­läss­li­che Ein­kom­mens­quel­le. Die Idee dahin­ter ist ein­fach: Akti­en von Unter­neh­men mit sta­bi­len Aus­schüt­tun­gen sol­len regel­mä­ßi­ge Zusatz­erträ­ge lie­fern – unab­hän­gig von kurz­fris­ti­gen Kurs­schwan­kun­gen. In der Pra­xis zeigt sich jedoch, dass die tat­säch­li­che Divi­den­den­ren­di­te häu­fig deut­lich gerin­ger aus­fällt als auf dem Papier ver­mu­tet. Der ent­schei­den­de Grund dafür ist die aus­län­di­sche Quel­len­steu­er.

Das Kern­pro­blem: Quel­len­steu­er als Ren­di­te­kil­ler

Bei Divi­den­den aus dem Aus­land behält der jewei­li­ge Staat oft direkt einen Teil der Aus­schüt­tung ein. Die­se soge­nann­te Quel­len­steu­er soll sicher­stel­len, dass auch aus­län­di­sche Inves­to­ren zur Besteue­rung bei­tra­gen.

Für deut­sche Anle­ger ent­steht hier ein struk­tu­rel­les Pro­blem: Zwar lässt sich ein Teil der aus­län­di­schen Quel­len­steu­er mit der deut­schen Abgel­tungs­steu­er ver­rech­nen – aller­dings nur bis zu einer Gren­ze von 15 Pro­zent. Liegt die Quel­len­steu­er dar­über, bleibt der über­schüs­si­ge Anteil zunächst im Aus­land.

Das Ergeb­nis ist eine fak­ti­sche Dop­pel­be­steue­rung. Ein Teil der Divi­den­de wird im Her­kunfts­land ein­be­hal­ten, wäh­rend in Deutsch­land den­noch Steu­er anfällt. Beson­ders bei hohen Quel­len­steu­er­sät­zen kann dadurch mehr als ein Drit­tel der ursprüng­li­chen Brut­to­di­vi­den­de ver­lo­ren gehen.

Rück­for­de­rung: theo­re­tisch mög­lich, prak­tisch müh­sam

Zwar exis­tie­ren Ver­fah­ren zur Rück­for­de­rung zu viel gezahl­ter Quel­len­steu­er, doch die­se sind häu­fig kom­plex, lang­wie­rig und mit büro­kra­ti­schem Auf­wand ver­bun­den. Unter­schied­li­che For­mu­la­re, fremd­spra­chi­ge Behör­den und lan­ge Bear­bei­tungs­zei­ten füh­ren dazu, dass vie­le Pri­vat­an­le­ger auf eine Rück­for­de­rung ver­zich­ten. Damit bleibt ein Teil der Ren­di­te dau­er­haft uner­reich­bar.

Steu­er­freund­li­che Märk­te als stra­te­gi­scher Vor­teil

Nicht alle Län­der gehen bei der Besteue­rung von Divi­den­den gleich vor. Eini­ge Staa­ten erhe­ben ent­we­der gar kei­ne Quel­len­steu­er oder ledig­lich sehr nied­ri­ge Sät­ze, die voll­stän­dig anre­chen­bar sind. Für Divi­den­den­in­ves­to­ren gel­ten sol­che Märk­te als beson­ders attrak­tiv, da Aus­schüt­tun­gen nahe­zu unge­kürzt beim Anle­ger ankom­men.

Gera­de gro­ße Finanz­plät­ze mit sta­bi­len recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen bie­ten hier Vor­tei­le. Dort ver­bin­det sich eine ver­läss­li­che Divi­den­den­kul­tur mit steu­er­li­cher Trans­pa­renz – ein wich­ti­ger Fak­tor für lang­fris­ti­ge Ein­kom­mens­stra­te­gien.

War­um Net­to-Ren­di­te wich­ti­ger ist als Divi­den­den­hö­he

Ein zen­tra­ler Denk­feh­ler vie­ler Anle­ger besteht dar­in, sich auf hohe nomi­nel­le Divi­den­den­ren­di­ten zu kon­zen­trie­ren. Ent­schei­dend ist jedoch nicht die aus­ge­schüt­te­te Brut­to­di­vi­den­de, son­dern das, was nach Steu­ern tat­säch­lich auf dem Kon­to lan­det.

Eine schein­bar attrak­ti­ve Ren­di­te kann durch hohe Quel­len­steu­ern schnell an Wir­kung ver­lie­ren. Umge­kehrt kann eine nied­ri­ge­re Divi­den­den­quo­te in einem steu­er­lich güns­ti­gen Umfeld zu deut­lich höhe­ren Net­to­er­trä­gen füh­ren. Die steu­er­li­che Behand­lung ist damit ein eben­so wich­ti­ger Bestand­teil der Ana­ly­se wie Geschäfts­mo­dell, Sta­bi­li­tät oder Aus­schüt­tungs­his­to­rie.

Ein­ord­nung für Divi­den­denstra­te­gien

Auch bei quel­len­steu­er­freund­li­chen Län­dern gilt: Divi­den­den sind nie­mals voll­stän­dig steu­er­frei. Die deut­sche Kapi­tal­ertrag­steu­er zuzüg­lich Soli­da­ri­täts­zu­schlag wird wei­ter­hin auto­ma­tisch ein­be­hal­ten. Den­noch las­sen sich durch klu­ge Län­der­wahl erheb­li­che Ren­di­te­un­ter­schie­de erzie­len.

Für lang­fris­tig ori­en­tier­te Anle­ger bedeu­tet das:

  • Divi­den­den soll­ten immer nach Steu­ern bewer­tet wer­den.
  • Län­der mit hohen Quel­len­steu­er­sät­zen ver­die­nen beson­de­re Auf­merk­sam­keit.
  • Steu­er­struk­tur ist kein Neben­the­ma, son­dern ein zen­tra­ler Bestand­teil nach­hal­ti­ger Ertrags­stra­te­gien.

Fazit

Hohe Divi­den­den allein machen noch kein gutes Invest­ment. Erst im Zusam­men­spiel aus sta­bi­len Geschäfts­mo­del­len, ver­läss­li­cher Aus­schüt­tungs­po­li­tik und steu­er­lich effi­zi­en­tem Markt­um­feld ent­steht ech­ter Mehr­wert für Anle­ger. Wer sei­ne Divi­den­denstra­te­gie kon­se­quent an der Net­to-Ren­di­te aus­rich­tet, ver­mei­det unan­ge­neh­me Steu­er­fal­len – und sorgt dafür, dass ein grö­ße­rer Teil der Erträ­ge tat­säch­lich im eige­nen Port­fo­lio ankommt.

Bei­spie­le für pro­ble­ma­ti­sche Län­der

Beson­ders ungüns­tig sind u. a.:

  • Finn­land (35 % Quel­len­steu­er)
    • Von 100 € Brut­to­di­vi­den­de kom­men effek­tiv teils nur rund 54 € net­to an.
  • Por­tu­gal, Schweiz, Tsche­chi­en
  • Auch Spa­ni­en, Ita­li­en und Frank­reich lie­gen über der anre­chen­ba­ren Gren­ze.

Eine Rück­for­de­rung der zu viel gezahl­ten Steu­er ist zwar theo­re­tisch mög­lich, gilt aber in der Pra­xis als kom­pli­ziert, lang­wie­rig und oft abschre­ckend.

Län­der mit güns­ti­ger oder kei­ner Quel­len­steu­er

Als „Steu­er­ge­heim­tipps“ gel­ten Staa­ten, in denen Divi­den­den nahe­zu unge­kürzt ankom­men:

  • Kei­ne oder sehr gerin­ge Quel­len­steu­er:
    • Liech­ten­stein
    • Hong­kong
    • Sin­ga­pur
    • Ber­mu­das
    • Bra­si­li­en
    • Kana­da
    • Thai­land
  • Irland – nur wenn das Unter­neh­men dort tat­säch­lich ansäs­sig ist.

Beson­der­heit Groß­bri­tan­ni­en

Die wich­tigs­te gro­ße Volks­wirt­schaft ohne Quel­len­steu­er auf Divi­den­den ist das Ver­ei­nig­te König­reich.

Wei­te­re inter­na­tio­na­le Bei­spie­le

  • Grie­chen­land:
    • Quel­len­steu­er inzwi­schen nur noch ca. 5 %
  • Sin­ga­pur (kei­ne Quel­len­steu­er)
  • Wei­te­re inter­es­san­te Lis­tings

Divi­den­den und Quel­len­steu­er: Wie ist die Situa­ti­on in den USA?

Die USA neh­men eine Son­der­stel­lung unter den Divi­den­den­märk­ten ein. Für deut­sche Anle­ger sind sie weder pro­ble­ma­tisch noch voll­stän­dig steu­erneu­tral, gel­ten aber ins­ge­samt als ver­gleichs­wei­se gut hand­hab­bar.

1. Höhe der US-Quel­len­steu­er

Grund­sätz­lich beträgt die ame­ri­ka­ni­sche Quel­len­steu­er:

  • 30 % auf Divi­den­den

Durch das Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men (DBA) zwi­schen Deutsch­land und den USA wird sie jedoch redu­ziert auf:

  • 15 % Quel­len­steu­er

Vor­aus­set­zung dafür ist:

  • kor­rekt hin­ter­leg­tes W‑8­BEN-For­mu­lar bei der Depot­bank.

Die­ses For­mu­lar bestä­tigt, dass der Anle­ger in Deutsch­land steu­er­pflich­tig ist.

2. Steu­er­li­che Wir­kung für deut­sche Anle­ger

Die ent­schei­den­de Beson­der­heit:

  • Die 15 % US-Quel­len­steu­er sind voll­stän­dig auf die deut­sche Abgel­tungs­steu­er anre­chen­bar.

Das bedeu­tet in der Pra­xis:

  • kei­ne Dop­pel­be­steue­rung
  • kei­ne Rück­for­de­rung not­wen­dig
  • kein büro­kra­ti­scher Auf­wand im Aus­land

Bei­spiel:

SchrittBetrag
Brut­to­di­vi­den­de100 €
US-Quel­len­steu­er (15 %)–15 €
Anrech­nung auf deut­sche Abgel­tungs­steu­ervoll­stän­dig
Effek­ti­ve Gesamt­steu­erca. 26,4 % inkl. Soli
Net­to­di­vi­den­deca. 73–74 €

Damit schnei­den US-Divi­den­den ähn­lich gut ab wie deut­sche Akti­en.

3. War­um die USA für Divi­den­den­in­ves­to­ren beson­ders attrak­tiv sind

a) Kei­ne Steu­er­fal­le

Im Gegen­satz zu Län­dern wie Finn­land oder Frank­reich gilt:

  • kein nicht anre­chen­ba­rer Steu­er­an­teil
  • kei­ne Rück­for­de­rung bei US-Behör­den nötig

b) Extrem gro­ße Aus­wahl an Divi­den­den­wer­ten

Die USA bie­ten:

  • hun­der­te eta­blier­te Divi­den­den­zah­ler
  • jahr­zehn­te­lan­ge Aus­schüt­tungs­his­to­ri­en

Beson­ders bekannt:

  • Divi­dend Aris­to­crats (≥ 25 Jah­re stei­gen­de Divi­den­de)
  • Divi­dend Kings (≥ 50 Jah­re stei­gen­de Divi­den­de)

c) Typi­sche US-Divi­den­den­ti­tel

Klas­si­sche Aus­schüt­ter:

  • Coca-Cola
  • Proc­ter & Gam­ble
  • John­son & John­son
  • Pep­si­Co
  • McDonald’s

REITs (Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten):

  • Real­ty Inco­me
  • W. P. Carey
  • Digi­tal Real­ty

Finanz­wer­te:

  • JPMor­gan
  • Bank of Ame­ri­ca
  • Black­Rock

4. Wich­ti­ge Ein­schrän­kun­gen und Risi­ken

4.1 REIT-Son­der­fall

Bei US-REITs gilt:

  • Divi­den­den kön­nen teil­wei­se anders besteu­ert wer­den
  • nicht immer voll­stän­dig anre­chen­bar
  • abhän­gig von Struk­tur und Divi­den­den­typ

In der Pra­xis funk­tio­niert die Besteue­rung bei deut­schen Bro­kern meist kor­rekt, ist aber kom­ple­xer als bei nor­ma­len Akti­en.

4.2 ETF-Ebe­ne (oft über­se­hen)

Bei US-Divi­den­den-ETFs mit Sitz in Irland:

  • Quel­len­steu­er fällt bereits auf Fonds­ebe­ne an
  • Anle­ger sehen die­se Steu­er nicht direkt
  • sie ist nicht anre­chen­bar

Das betrifft beson­ders:

  • S&P‑500-ETFs
  • Divi­den­den-ETFs

Bei Ein­zel­ak­ti­en exis­tiert die­ses Pro­blem nicht.

4.3 Wech­sel­kurs­ri­si­ko

Divi­den­den wer­den in US-Dol­lar aus­ge­schüt­tet:

  • schwa­cher Dol­lar → nied­ri­ge­re Euro-Divi­den­de
  • star­ker Dol­lar → höhe­re Euro-Divi­den­de

Das kann die effek­ti­ve Ren­di­te spür­bar beein­flus­sen.

5. Gesamt­be­wer­tung der USA

Vor­tei­le

  • voll­stän­di­ge Anrech­nung der Quel­len­steu­er
  • kein Rück­for­de­rungs­auf­wand
  • enor­me Aus­wahl sta­bi­ler Divi­den­den­zah­ler
  • hohe Trans­pa­renz
  • zuver­läs­si­ge Aus­schüt­tungs­kul­tur

Nach­tei­le

  • kei­ne voll­stän­di­ge Steu­er­frei­heit wie UK oder Sin­ga­pur
  • Wäh­rungs­ri­si­ko
  • bei ETFs teil­wei­se ver­steck­te Quel­len­steu­er­ver­lus­te

6. Kri­ti­sche Ein­ord­nung

Aus rein steu­er­li­cher Sicht sind die USA:

  • nicht opti­mal,
  • aber sehr effi­zi­ent und inves­to­ren­freund­lich.

Sie lie­gen klar:

  • bes­ser als Finn­land, Frank­reich, Spa­ni­en oder Por­tu­gal
  • leicht schlech­ter als Groß­bri­tan­ni­en oder Sin­ga­pur

Für vie­le Anle­ger bil­den sie des­halb das Rück­grat eines Divi­den­den­port­fo­li­os, weil hier hohe Rechts­si­cher­heit, sta­bi­le Unter­neh­men und steu­er­li­che Plan­bar­keit zusam­men­tref­fen.

Kurz­fa­zit

USA = kein Steu­er­pa­ra­dies, aber auch kei­ne Steu­er­fal­le.

Für Divi­den­den­in­ves­to­ren gel­ten ame­ri­ka­ni­sche Akti­en als:

  • gut kal­ku­lier­bar
  • admi­nis­tra­tiv ein­fach
  • lang­fris­tig sehr zuver­läs­sig

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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater