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Am Montag, dem 23. Februar 2026, erlebten die US-Börsen einen erheblichen Ausverkauf, der maßgeblich durch neue Ängste vor den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz (KI) und Unsicherheiten in der US-Handelspolitik ausgelöst wurde. Der Dow-Jones-Index verlor über 800 Punkte (ein Minus von ca. 1,7 %) und schloss bei 48.804 Zählern, nachdem er erst Anfang des Monats die 50.000-Punkte-Marke überschritten hatte. Auch der breiter gefasste S&P 500 sank um rund 1 % auf 6.837 Punkte, während der technologielastige Nasdaq ein Minus von 1,1 % auf 22.627 Punkte verbuchte.
Haupttreiber des Börsenrückgangs
1. KI-Disruptionsängste und der „Citrini-Effekt“ Ein wesentlicher Faktor für die Nervosität war ein viraler Blog-Beitrag von Citrini Research. Der Autor Alap Shah entwarf darin ein düsteres Zukunftsszenario für das Jahr 2028, in dem KI so viele Aufgaben übernimmt, dass die Arbeitslosigkeit auf über 10 % steigt, der Konsum einbricht und der S&P 500 um fast 40 % fällt. Diese hypothetische Analyse löste reale Kursverluste bei Unternehmen aus, deren Geschäftsmodelle als gefährdet gelten:
- Zahlungsdienstleister und Kreditkarten: Visa und Mastercard fielen um etwa 5 %, während American Express über 7 % verlor, da KI-Agenten als effizientere Alternativen für den Zahlungsverkehr angesehen werden.
- Software-Sektor: Ein breiter Index von Software-Aktien wie Salesforce und Adobe verzeichnete massive Rückgänge und notiert nun rund 30 % unter seinem Rekordhoch. Unternehmen wie Datadog (-11 %) und CrowdStrike (-10 %) gehörten zu den größten Verlierern.
- Lieferdienste: DoorDash (-6,6 %) und Uber gerieten unter Druck, weil KI-Tools die Markteintrittsbarrieren für neue Konkurrenten senken könnten.
2. Der historische Absturz von IBM Die Aktie von IBM brach um 13 % ein – der größte Tagesverlust für den Konzern seit mehr als 25 Jahren. Auslöser war die Ankündigung des KI-Anbieters Anthropic, dass sein neues Tool „Claude Code“ die Automatisierung der Programmiersprache COBOL beherrsche. Da die Modernisierung von COBOL-Systemen ein Kerngeschäft von IBM ist, fürchten Investoren nun um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
3. Unsicherheit in der Handelspolitik Zusätzliche Belastung entstand durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA, das Teile der von Präsident Donald Trump erhobenen Zölle (basierend auf dem IEEPA-Gesetz) kippte. Trump reagierte umgehend mit der Ankündigung eines neuen globalen Zollsatzes von 15 % auf einer anderen Rechtsgrundlage (Section 122), was die Unsicherheit an den Märkten eher verschärfte. Die EU reagierte prompt und setzte Verhandlungen über Handelsabkommen mit den USA aus.
Wirtschaftliche Daten und Geldpolitik
Die Konjunkturdaten lieferten kaum Unterstützung. Die US-Industrieaufträge fielen im Dezember um 0,7 %, was leicht schlechter war als die Erwartungen der Ökonomen. Dennoch gibt es Lichtblicke: Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg wieder über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten.
In Bezug auf die Zinspolitik äußerte sich Fed-Gouverneur Christopher Waller vorsichtig. Er machte deutlich, dass eine mögliche Zinssenkung im März stark von den kommenden Arbeitsmarktdaten abhängen werde. Marktteilnehmer rechnen derzeit mehrheitlich erst im Sommer oder sogar erst im September mit einem Zinsschritt der US-Notenbank.
Einzelwerte und Kryptowährungen
Trotz der allgemeinen Marktschwäche gab es einige Gewinner:
- PayPal: Die Aktie stieg um 5,8 % aufgrund von Berichten über ein mögliches Übernahmeinteresse.
- Arcellux: Nach der Übernahme durch Gilead Sciences für 7,8 Milliarden Dollar schoss die Aktie um 78 % in die Höhe.
- Eli Lilly: Die Papiere legten um 4,5 % zu, nachdem Studiendaten zeigten, dass ihr Abnehmmittel Zepbound wirksamer ist als ein Konkurrenzprodukt von Novo Nordisk.
Dagegen setzte sich die Talfahrt bei Bitcoin fort. Die Kryptowährung rutschte zeitweise unter 64.000 Dollar und hat damit seit ihrem Höchststand im Oktober rund die Hälfte ihres Wertes verloren.
Ausblick
Der Fokus der Anleger richtet sich nun auf die zur Wochenmitte erwarteten Quartalszahlen von Nvidia. Als Symbol des KI-Booms wird das Ergebnis von Nvidia darüber entscheiden, ob die KI-Euphorie anhalten kann oder ob sich der Pessimismus hinsichtlich der tatsächlichen Renditen dieser Milliardeninvestitionen weiter verfestigt. Zudem wird die State of the Union-Rede von Präsident Trump mit Spannung erwartet, da sie weitere Details zur künftigen Zoll- und Wirtschaftspolitik enthalten könnte.
