Der asiatische Börsenverlauf am 26. Februar 2026 ist maßgeblich von der bullischen Umsatzprognose von Nvidia und wichtigen geldpolitischen Entscheidungen geprägt. Während der Technologiesektor durch den KI-Boom neuen Auftrieb erhält, sorgen Inflationsdaten und Zentralbankentscheidungen in verschiedenen Regionen für eine differenzierte Marktdynamik.
Südkorea: Ein historischer Höhenflug
Der südkoreanische Aktienmarkt verzeichnete eine außergewöhnliche Performance. Der KOSPI stieg über die Marke von 6.000 Punkten, was unter anderem dazu führte, dass die Marktkapitalisierung Südkoreas die von Frankreich und Deutschland überholte.
- Geldpolitik: Die Bank of Korea (BOK) ließ den Leitzins, wie von Experten erwartet, unverändert bei 2,5 %. Die Bank hob ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 2 % an, was auf die starke Erholung der Exporte zurückzuführen ist.
- Technologietreiber: Die Rallye wird primär vom Halbleitersektor getragen. Die Chipexporte stiegen im Januar und Februar um mehr als 100 %. Schwergewichte wie Samsung Electronics und SK Hynix profitierten direkt von der Nvidia-Prognose und verzeichneten deutliche Gewinne. Samsung erreichte dabei den höchsten Stand seiner Geschichte nach einer elftägigen Gewinnserie.
Japan: Rekordhochs und Währungsschwäche
In Japan stieg der Nikkei auf ein Rekordhoch, unterstützt durch eine Kombination aus Technologie-Optimismus und einer schwachen Währung.
- Geldpolitik und Yen: Die japanische Premierministerin nominierte zwei neue Mitglieder für das Board der Bank of Japan (BoJ), die als „Dovish“ (taubenhaft) und Reflationisten gelten. Dies dämpfte die Erwartungen an baldige Zinserhöhungen, was den Yen schwächte (Handel bei etwa 156 bis 160 gegenüber dem Dollar).
- Gewinner und Verlierer: Während Exporteure von der Yen-Schwäche profitierten, gerieten japanische Banken unter Druck, da höhere Zinsen vorerst ausbleiben könnten. Zulieferer wie Tokyo Electron und Ibiden (ein wichtiger Nvidia-Partner) zeigten jedoch im späteren Verlauf Volatilität, da die anfänglichen Gewinne von Nvidia im nachbörslichen US-Handel leicht nachließen.
Australien: Inflation und Unternehmensgewinne
Der australische Markt reagierte auf unerwartet hohe Inflationsdaten, was Spekulationen über weitere Zinserhöhungen durch die Reserve Bank of Australia (RBA) anheizte.
- Währung: Der australische Dollar erreichte gegenüber dem Yen den höchsten Stand seit 1990 und zeigte auch gegenüber dem US-Dollar Stärke.
- Unternehmenszahlen: Die Fluggesellschaft Qantas meldete einen Rekordgewinn, dennoch gab die Aktie aufgrund steigender Treibstoffkosten und anstehender Flotteninvestitionen um über 3 % nach. Im Bergbausektor zeigte sich Lynas (Seltene Erden) trotz der Dominanz Chinas optimistisch und meldete steigende Umsätze.
China und Geopolitik
Der Fokus in China liegt auf den Handelsbeziehungen und dem Wettbewerb im Technologiesektor.
- Diplomatie: Der deutsche Bundeskanzler Frederick Merz besuchte China, um über Handelsungleichgewichte und die Konkurrenz bei Elektrofahrzeugen zu sprechen. Es gibt Berichte über potenzielle Großaufträge für Airbus über etwa 120 Flugzeuge.
- KI-Wettbewerb: Nvidia erhielt Lizenzen für den Export weniger leistungsstarker H200-Chips nach China. Gleichzeitig warnen Analysten vor der wachsenden Stärke chinesischer Chip-Konkurrenten und der Führungsposition Chinas im Bereich der humanoiden Robotik, wo das Land 85 % der weltweiten Produktion hält.
Der „Nvidia-Effekt“ auf Asien
Nvidia prognostizierte für das erste Quartal einen Umsatz von 78 Milliarden US-Dollar, was die Erwartungen übertraf und die Sorgen über eine nachlassende KI-Nachfrage dämpfte. Da etwa 50 % des Nvidia-Umsatzes von den großen „Hyperscalern“ (Amazon, Meta, Microsoft, Alphabet) stammen, bleibt die Abhängigkeit von diesen Großkunden ein zentrales Thema. Für asiatische Zulieferer wie TSMC bedeutet dies weiterhin volle Auftragsbücher bis weit in die Jahre 2027/2028 hinein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der asiatische Markt derzeit eine Divergenz erlebt: Während hardwareorientierte Technologiestandorte wie Südkorea und Japan von der physischen KI-Infrastruktur profitieren, kämpfen Softwareunternehmen (wie Salesforce in den USA) mit der Disruption durch KI-Modelle.