Die Ent­wick­lung des Isla­mis­mus in Deutsch­land (2024/25)

1. Stra­te­gi­sche Ein­lei­tung: Das Radi­ka­li­sie­rungs­ge­sche­hen im Über­blick

Der vor­lie­gen­de Bericht eva­lu­iert auf Basis des MOTRA-Moni­tors 2024/25 die aktu­el­le Sicher­heits­la­ge und die Dyna­mi­ken kol­lek­ti­ver Radi­ka­li­sie­rung in Deutsch­land. Wir befin­den uns in einem dau­er­haf­ten „Poly-Kri­sen-Modus“, in dem sich Ukrai­ne-Krieg, Gaza-Kon­flikt und öko­no­mi­sche Depri­va­ti­ons­ängs­te zu einem Zustand kol­lek­ti­ver Ago­nie ver­dich­ten. Die Befund­la­ge belegt eine nor­ma­ti­ve Ent­gren­zung, bei der das Radi­ka­li­sie­rungs­ge­sche­hen auf einem pre­kär hohen Niveau sta­gniert, ohne dass eine Trend­wen­de erkenn­bar wäre. Das Moni­to­ring indi­ziert eine zuneh­men­de Ent­frem­dung wei­ter Bevöl­ke­rungs­krei­se von demo­kra­ti­schen Kern­wer­ten, was eine kli­ni­sche Ana­ly­se der Ein­stel­lungs­ebe­ne als Früh­warn­in­di­ka­tor für sicher­heits­re­le­van­te Hand­lun­gen unum­gäng­lich macht.

2. Ana­ly­se der Ein­stel­lungs­ebe­ne: Radi­ka­li­sie­rungs­trends in der Bevöl­ke­rung

Die Iden­ti­fi­ka­ti­on von Radi­ka­li­sie­rungs­po­ten­zia­len stützt sich maß­geb­lich auf die reprä­sen­ta­ti­ve Lang­zeit­stu­die „Men­schen in Deutsch­land“ (MiD). Die­se Daten erlau­ben eine prä­zi­se Abgren­zung zwi­schen dem poli­zei­li­chen Hell­feld und den im Dun­kel­feld schwe­len­den Ein­stel­lungs­clus­tern. Beson­ders in der Grup­pe der Mus­li­me unter 40 Jah­ren ist eine signi­fi­kan­te Radi­ka­li­sie­rungs­ten­denz mess­bar.

Ver­gleich isla­mis­mus­af­fi­ner Ein­stel­lun­gen (Mus­li­me unter 40 Jah­re)

Kate­go­rieBefund 2021Befund 2025Trend / Sta­tus
Mani­fes­te Ein­stel­lun­gen(Nied­ri­ges Niveau)11,5 %Signi­fi­kan­ter Anstieg
Laten­te Ein­stel­lun­gen(Wach­send)33,6 %Höchs­te Zuwachs­ra­te
Gesamt­ra­te (Latent/Manifest)~30 % (geschätzt)45,1 %Stra­te­gi­sches Risi­ko

Die­se Ero­si­on der demo­kra­ti­schen Basis ist kau­sal mit einer mas­si­ven ano­mi­schen Ver­un­si­che­rung ver­knüpft, die inzwi­schen 54,8 % der Gesamt­be­völ­ke­rung erfasst hat. Die­se Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit führt zu einem Ver­trau­ens­va­ku­um gegen­über staat­li­chen Insti­tu­tio­nen. Wo der Staat als hand­lungs­un­fä­hig wahr­ge­nom­men wird, beset­zen isla­mis­ti­sche Nar­ra­ti­ve den Raum als ver­meint­lich sta­bi­le Ord­nungs­al­ter­na­ti­ven.

3. Der Gaza-Kon­flikt und Anti­se­mi­tis­mus als Radi­ka­li­sie­rungs­trei­ber

Inter­na­tio­na­le Kon­flik­te fun­gie­ren als hoch­wirk­sa­me „Trig­ger­punk­te“ für inlän­di­sche Eska­la­ti­ons­dy­na­mi­ken. Der 7. Okto­ber 2023 mar­kiert hier­bei eine Zäsur, die eine mas­si­ve Ver­schie­bung anti­se­mi­ti­scher Ein­stel­lungs­mus­ter kata­ly­siert hat.

  • Gesamt­be­völ­ke­rung: Ver­dopp­lung mani­fes­ter anti­se­mi­ti­scher Ein­stel­lun­gen von 3,5 % (2021) auf 7,2 % (2025).
  • Mus­li­me unter 40 Jah­re: Ein dras­ti­scher Anstieg von 11,3 % (2021) auf 29,1 % (2025).

Isla­mis­ti­sche Akteu­re instru­men­ta­li­sie­ren die­se emo­tio­na­li­sier­te Lage gezielt für ihre anti-west­li­che Agen­da. Anti­se­mi­ti­sche Nar­ra­ti­ve die­nen dabei als Rekru­tie­rungs­in­stru­ment, um glo­ba­le Kon­flik­te in loka­le Iden­ti­täts­kämp­fe zu über­set­zen. Die­se Dyna­mik mani­fes­tiert sich jedoch nicht mehr iso­liert, son­dern wird durch die tech­no­lo­gi­sche Dis­rup­ti­on des digi­ta­len Raums poten­ziert.

4. Trans­for­ma­ti­on im Digi­ta­len: „Tik­To­ki­sie­rung“ und tech­no­lo­gi­sche Dis­rup­ti­on

Die Infor­ma­ti­ons­öko­no­mie hat sich von klas­si­schen Gate­kee­pern hin zu algo­rith­misch gesteu­er­ten Platt­for­men ver­scho­ben. Das Tech­no­lo­gie­mo­ni­to­ring iden­ti­fi­ziert drei kri­ti­sche Ent­wick­lun­gen:

  1. Tik­Tok-Domi­nanz: Als „Reich­wei­ten­platt­form“ nor­ma­li­siert Tik­Tok radi­ka­le Inhal­te durch algo­rith­mi­sche Emp­feh­lungs­lo­gi­ken. Dies führt zu einer mas­si­ven Ver­jün­gung der Ziel­grup­pen (12- bis 14-Jäh­ri­ge).
  2. Bin­nen­ko­hä­renz: Auf Platt­for­men wie Tele­gram ent­steht eine sta­bi­le digi­ta­le Infra­struk­tur für abge­schot­te­te Öffent­lich­kei­ten. Hier ver­dich­ten sich exklu­si­ve Nut­zungs­mus­ter mit extre­mis­ti­schen Welt­bil­dern. Ein aktu­el­les Bei­spiel ist die Instru­men­ta­li­sie­rung des „Compact“-Verbots und des­sen gericht­li­cher Auf­he­bung 2025: Isla­mis­tisch-auto­ri­tä­re Krei­se nutz­ten dies ana­log zur rech­ten Sze­ne, um das Nar­ra­tiv eines repres­si­ven „Zen­sur-Staa­tes“ zu fes­ti­gen und ihre Sub­scri­ber-Zah­len mas­siv zu stei­gern.
  3. Gene­ra­ti­ve KI: Der Ein­satz von KI zur Ska­lie­rung von Pro­pa­gan­da führt zu einer Auf­lö­sung der Gren­ze zwi­schen mensch­li­cher und arti­fi­zi­el­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on. Dies stellt eine fun­da­men­ta­le Bedro­hung für die gesell­schaft­li­che Resi­li­enz dar.

Die­se digi­ta­le Dyna­mik schlägt unmit­tel­bar auf die ope­ra­ti­ve Prä­ven­ti­ons­ebe­ne durch.

5. Befun­de aus der Pra­xis: Exper­ten­pa­nels und die Hand­lungs­ebe­ne

Die Aus­wer­tung von 15 Exper­ten­in­ter­views aus 12 Bun­des­län­dern vali­diert die quan­ti­ta­ti­ven Daten durch die „Pra­xis der Radi­ka­li­sie­rung“.

  • Eska­la­ti­on der Fall­zah­len: Das Bera­tungs­auf­kom­men erreicht Niveaus, die mit den IS-Aus­rei­se­wel­len von 2015/16 ver­gleich­bar sind. Die tech­no­lo­gisch beding­te Ver­jün­gung führt dazu, dass Prä­ven­ti­ons­stel­len zuneh­mend mit Kin­dern im Alter von 12 Jah­ren kon­fron­tiert sind.
  • Vul­nerabi­li­täts­fak­tor „Remi­gra­ti­on“: Die öffent­li­che Debat­te über Remi­gra­ti­on wirkt als Iden­ti­täts­schock. Sie ver­mit­telt jun­gen Mus­li­men das Gefühl, „nicht zuhau­se“ zu sein, was isla­mis­ti­sche Akteu­re als Steil­pass nut­zen, um sich als ein­zi­ge legi­ti­me Beschüt­zer zu insze­nie­ren.
  • Feh­ler­quel­le Schu­le: Eine „vor­schnel­le Ein­ord­nung“ emo­tio­na­ler Äuße­run­gen zum Gaza-Kon­flikt als anti­se­mi­tisch – ohne päd­ago­gi­sche Räu­me für Dis­kurs – erweist sich als Anwer­be­ge­schenk für Isla­mis­ten. Die hier­aus resul­tie­ren­den Aus­gren­zungs­er­fah­run­gen sind oft das fina­le Ein­stiegs­tor in die Radi­ka­li­sie­rung.
  • Hand­lungs­ebe­ne (PMK): Die poli­tisch moti­vier­te Kri­mi­na­li­tät erreich­te 2024 einen Höchst­stand von 100,7 Straf­ta­ten pro 100.000 Ein­woh­ner. Wäh­rend die Gewalt­kri­mi­na­li­tät nur mode­rat stieg, ver­zeich­net die Hass­kri­mi­na­li­tät his­to­ri­sche Spit­zen­wer­te, was die zuneh­men­de Freund-Feind-Pola­ri­sie­rung unter­streicht.

6. Fazit und Stra­te­gi­sche Hand­lungs­emp­feh­lun­gen

Das Radi­ka­li­sie­rungs­ge­sche­hen 2024/25 zeigt eine Gesell­schaft unter Stress, in der sich extre­mis­ti­sche Rän­der trotz einer pro-demo­kra­ti­schen Mehr­heit von 86 % laut­stark behaup­ten. Um die­ser Ent­wick­lung zu begeg­nen, sind zwei stra­te­gi­sche Impe­ra­ti­ve not­wen­dig:

  1. Stär­kung des demo­kra­ti­schen Pols durch infor­mel­le Kon­trol­le: Die Sicher­heits­po­li­tik muss den Fokus von rein for­mel­ler (justizieller/polizeilicher) Kon­trol­le auf die Stär­kung infor­mel­ler sozia­ler Kon­trol­le erwei­tern. Die schwei­gen­de Mehr­heit muss befä­higt wer­den, extre­mis­ti­schen Nar­ra­ti­ven in ihren All­tags­wel­ten aktiv ent­ge­gen­zu­tre­ten.
  2. För­de­rung des Kon­vi­via­lis­mus: Es bedarf uni­ver­sal­prä­ven­ti­ver Ansät­ze, die das Prin­zip des schöp­fe­ri­schen Kon­flikts stär­ken. Poli­ti­sche Riva­li­tät und radi­ka­ler Pro­test sind legi­ti­me Bestand­tei­le der Demo­kra­tie, solan­ge sie die Unan­tast­bar­keit der Men­schen­wür­de wah­ren.

Ein evi­denz­ba­sier­tes Moni­to­ring wie der MOTRA-Moni­tor ist die zwin­gen­de Vor­aus­set­zung, um Prä­ven­ti­on und Sicher­heits­po­li­tik jen­seits von ad-hoc-Aktio­nis­mus stra­te­gisch zu steu­ern. Eine wehr­haf­te Demo­kra­tie muss Radi­ka­li­sie­rung als Pro­zess begrei­fen, der dort bekämpft wird, wo das Ver­trau­en in den Rechts­staat ero­diert.


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