Britische Kommunalverwaltungen warnen Schulen vor möglichen religiösen Sensibilitäten bei Schülerzeichnungen und anderen Unterrichtsinhalten

Mehrere Labour geführte Kommunalverwaltungen im Norden Englands haben Schulen eine Leitlinie mit dem Titel „Sharing the Journey“ zur Verfügung gestellt. Das Dokument weist auf mögliche Bedenken muslimischer Eltern hin, wenn Schüler im Kunstunterricht menschliche Figuren oder religiöse Gestalten zeichnen sollen. Es wurde 2022 von den Räten Leeds, Calderdale, Oldham und Wakefield erarbeitet und inzwischen an weitere Behörden wie Sefton, Tameside und Kirklees weitergegeben.

In dem Leitfaden heißt es wörtlich: „A three-dimensional imagery of humans is considered idolatrous by some Muslims. It is very important that the school understands this and is also careful not to ask its students to reproduce images of Jesus, Prophet Mohammed or other figures considered to be prophets in Islam. Some Muslim pupils may not wish to draw the human figure.“ Schulen werden aufgefordert, „flexible in catering for religious differences“ zu sein.

Ähnliche Hinweise betreffen weitere Fächer. Zur Musik wird erklärt: „In Islam, music is traditionally limited to the human voice and non-tuneable percussion instruments as in the days of the Prophet, when they were only used in marriage ceremonies and on the battlefield.“ Bei Tanz und Drama wird auf mögliche Vorbehalte gegen „physical contact between males and females“ oder Darstellungen hingewiesen, die „immodesty or sexual feelings“ fördern könnten. Das Dokument listet auch Sport, Drama und das Fach Relationships, Health and Sex Education (RSHE) als Bereiche auf, in denen Sensibilitäten auftreten können.

Ziel der Leitlinie sei es laut den beteiligten Kommunen, „a sensitive and positive approach to religious and cultural diversity“ zu fördern und Schulen bei der Berücksichtigung unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu unterstützen. Ein Sprecher des Calderdale Council erklärte, das Papier sei 2023 erstellt worden, um Schulen praktische Hilfestellung zu geben.

Die Leitlinie wird derzeit in der Region Kirklees verteilt – dem Verwaltungsbezirk der Batley Grammar School. Dort hatte 2021 ein Religionslehrer Proteste ausgelöst, nachdem er in einer Stunde eine Karikatur des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Der Lehrer befindet sich seitdem weiterhin im Versteck; die Schule entschuldigte sich damals und zog die betreffende Unterrichtseinheit zurück.

Im Kontext der Debatte steht auch die am 9. März 2026 von Gemeindeminister Steve Reed vorgestellte nicht-gesetzliche Definition von „anti-Muslim hostility“. Diese soll nach Angaben der Regierung „unacceptable prejudice, discrimination and hatred“ klar benennen, gleichzeitig aber die Meinungsfreiheit schützen. Reed betonte im Unterhaus, die Definition diene der Bekämpfung von Hassverbrechen, ohne legitime Kritik an Religion einzuschränken.

Kritiker, darunter Abgeordnete und Organisationen wie die Free Speech Union, fordern die Bildungsministerin Bridget Phillipson auf, die Leitlinie zurückzuziehen. Sie argumentieren, dass sie die künstlerische Freiheit und den normalen Schulunterricht unnötig einschränke. Die betroffenen Kommunen haben bislang keine Änderung angekündigt.

Die Leitlinie „Sharing the Journey“ ist öffentlich einsehbar und wird von den Räten als offenes Ressource zur Verfügung gestellt. Sie richtet sich explizit an Schulleitungen und Lehrkräfte und soll den Alltag in multireligiösen Klassen erleichtern.


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