Der stra­te­gi­sche Eng­pass des Welt­han­dels

1. Aus­gangs­punkt: Schlie­ßung der Stra­ße von Hor­mus

Die Stra­ße von Hor­mus ist ein zen­tra­ler Eng­pass im glo­ba­len Han­del. Sie ist nur etwa 21 See­mei­len breit, aber von ent­schei­den­der Bedeu­tung für den Ener­gie­markt.

  • Rund 20 % des welt­wei­ten Erd­öls wer­den durch die­se Meer­enge trans­por­tiert.
  • Etwa 25 % des glo­ba­len Flüs­sig­erd­ga­ses (LNG) pas­sie­ren eben­falls die­sen See­weg.
  • Durch die Eska­la­ti­on des Kon­flikts zwi­schen USA, Isra­el und Iran kam es zu einer Blo­cka­de, wodurch der Tan­ker- und Schiffs­ver­kehr inner­halb weni­ger Tage von etwa 40 Durch­fahr­ten täg­lich auf nahe­zu null sank.

Die­se Ent­wick­lung löst einen glo­ba­len Ange­bots­schock aus.

2. Ket­ten­re­ak­ti­on ent­lang glo­ba­ler Lie­fer­ket­ten

Das zen­tra­le Argu­ment der Ana­ly­se des Kiel Insti­tuts lau­tet:
Die Fol­gen blei­ben nicht auf Ener­gie beschränkt, son­dern ver­brei­ten sich ent­lang indus­tri­el­ler Wert­schöp­fungs­ket­ten.

Die Wir­kungs­ket­te:

  1. Ener­gie­markt-Schock
    Unter­bre­chung der Öl- und Gas­lie­fe­run­gen.
  2. Che­mi­sche Indus­trie betrof­fen
    Petro­che­mi­ka­li­en, Metha­nol und ande­re Grund­stof­fe wer­den knap­per.
  3. Dün­ge­mit­tel­pro­duk­ti­on sinkt
    Beson­ders Harn­stoff­dün­ger ist stark von Gas und petro­che­mi­schen Vor­pro­duk­ten abhän­gig.
  4. Land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­on wird teu­rer
    Weni­ger Dün­ge­mit­tel → gerin­ge­re Pro­duk­ti­on oder höhe­re Kos­ten.
  5. Nah­rungs­mit­tel­prei­se stei­gen
    Beson­ders in import­ab­hän­gi­gen Län­dern.

Die­se sys­te­mi­sche Ket­ten­re­ak­ti­on wird im Text als zen­tra­ler Mecha­nis­mus beschrie­ben.

3. Rol­le der Golf­re­gi­on in glo­ba­len Lie­fer­ket­ten

Der Per­si­sche Golf ist nicht nur für Ener­gie wich­tig, son­dern auch für zahl­rei­che Vor­leis­tungs­gü­ter:

  • Petro­che­mi­ka­li­en
  • Metha­nol
  • Dün­ge­mit­tel (z. B. Harn­stoff)
  • ener­gie­in­ten­si­ve Metal­le (Alu­mi­ni­um, Stahl)
  • regio­na­le Agrar­pro­duk­te

Die­se Pro­duk­te sind in der Golf­re­gi­on stark kon­zen­triert pro­du­ziert. Dadurch ent­ste­hen hohe glo­ba­le Abhän­gig­kei­ten, die sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten sogar ver­stärkt haben.

4. Betrof­fe­ne Regio­nen und öko­no­mi­sche Aus­wir­kun­gen

Ent­wick­lungs­län­der beson­ders betrof­fen

Die stärks­ten Effek­te tre­ten in Regio­nen auf, die stark von Impor­ten abhän­gen:

  • Süd­asi­en
  • Sub­sa­ha­ra-Afri­ka
  • Tei­le des Nahen Ostens

Bei­spiel­haf­te Pro­gno­sen:

Land/RegionEffekt
Sri Lan­ka, Paki­stan, Indi­enNah­rungs­mit­tel­prei­se +10–15 %
Wohl­fahrts­ver­lust dort−3,5 % bis −1,8 %

Die­se Ver­lus­te kön­nen 10- bis 20-mal grö­ßer sein als in Indus­trie­län­dern.

Ver­gleich mit Indus­trie­län­dern

Regi­onWohl­fahrts­ver­lust
Euro­päi­sche Uni­on−0,76 % bis −0,36 %
USA−0,16 % bis −0,04 %

Der Grund: Indus­trie­län­der ver­fü­gen über diver­si­fi­zier­te­re Lie­fer­ket­ten und grö­ße­re wirt­schaft­li­che Resi­li­enz.

5. Bedeu­tung für wirt­schaft­li­che Model­le

Das Kiel Insti­tut argu­men­tiert, dass klas­si­sche Han­dels­mo­del­le die Aus­wir­kun­gen unter­schät­zen.

Grund:

  • sie berück­sich­ti­gen häu­fig kei­ne kom­ple­xen Lie­fer­ket­ten­ver­flech­tun­gen
  • Eng­päs­se bei Vor­leis­tun­gen erzeu­gen mul­ti­pli­ka­ti­ve Effek­te über ver­schie­de­ne Indus­trien hin­weg.

Kri­ti­sche Ein­ord­nung

Die Ana­ly­se basiert auf einem Sze­na­rio einer voll­stän­di­gen kurz­fris­ti­gen Blo­cka­de der Stra­ße von Hor­mus. Dabei bestehen eini­ge Unsi­cher­hei­ten:

  1. Sub­sti­tu­ti­ons­mög­lich­kei­ten
    Ein Teil der Ener­gie­lie­fe­run­gen könn­te über ande­re Rou­ten oder stra­te­gi­sche Reser­ven abge­fe­dert wer­den.
  2. Zeit­li­che Dimen­si­on
    Kurz­fris­ti­ge Preis­schocks sind wahr­schein­lich stär­ker als lang­fris­ti­ge Effek­te, da Märk­te Anpas­sungs­me­cha­nis­men ent­wi­ckeln.
  3. Poli­ti­sche Gegen­maß­nah­men
    Mili­tä­ri­sche Siche­rung von Han­dels­rou­ten oder diplo­ma­ti­sche Lösun­gen könn­ten die Blo­cka­de rela­tiv schnell been­den.

Den­noch bleibt die Kern­aus­sa­ge plau­si­bel:
Glo­ba­le Lie­fer­ket­ten erzeu­gen sys­te­mi­sche Abhän­gig­kei­ten, sodass ein regio­na­ler Kon­flikt welt­weit wirt­schaft­li­che Fol­gen aus­lö­sen kann.


Quelle:ifw-kiel

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