Glo­ba­le Markt­me­cha­nik: War­um asia­ti­sche Bör­sen oft als Früh­in­di­ka­tor für Euro­pa gel­ten

Die gro­ßen Akti­en­märk­te der Welt sind durch Kapi­tal­strö­me, insti­tu­tio­nel­le Inves­to­ren und zeit­lich ver­setz­te Han­dels­zei­ten eng mit­ein­an­der ver­bun­den. Beson­ders auf­fäl­lig ist dabei die Bezie­hung zwi­schen den US-Bör­sen, den asia­ti­schen Märk­ten und den euro­päi­schen Han­dels­plät­zen. Obwohl die Ver­ei­nig­ten Staa­ten struk­tu­rell den glo­ba­len Akti­en­markt domi­nie­ren, rich­ten pro­fes­sio­nel­le Markt­teil­neh­mer ihre Auf­merk­sam­keit in den Nacht­stun­den häu­fig auf asia­ti­sche Indi­zes. Bewe­gun­gen dort lie­fern wich­ti­ge Hin­wei­se auf die mög­li­che Ent­wick­lung der euro­päi­schen Bör­sen zu Han­dels­be­ginn.

Domi­nanz der US-Bör­sen im glo­ba­len Finanz­sys­tem

Der wich­tigs­te Refe­renz­markt für inter­na­tio­na­le Inves­to­ren ist der S&P 500, der die Ent­wick­lung gro­ßer US-Unter­neh­men abbil­det. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten stel­len einen erheb­li­chen Anteil der welt­wei­ten Akti­en­markt­ka­pi­ta­li­sie­rung und ver­fü­gen über die größ­te Liqui­di­tät im glo­ba­len Akti­en­han­del. Zudem spie­len US-Unter­neh­men eine zen­tra­le Rol­le in glo­ba­len Indi­zes, wäh­rend der US-Dol­lar wei­ter­hin die domi­nie­ren­de Reser­ve- und Han­dels­wäh­rung bleibt.

Die­se struk­tu­rel­le Bedeu­tung führt dazu, dass Kurs­be­we­gun­gen an der Wall Street häu­fig als Signal für das glo­ba­le Risi­ko­um­feld inter­pre­tiert wer­den. Ver­än­de­run­gen in der US-Geld­po­li­tik, makro­öko­no­mi­sche Daten aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten oder Bewe­gun­gen gro­ßer Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men kön­nen des­halb welt­weit Kapi­tal­strö­me aus­lö­sen.

Zeit­ver­schie­bung und glo­ba­le Preis­fin­dung

Ein ent­schei­den­der Fak­tor für die Markt­me­cha­nik ist die zeit­li­che Abfol­ge der wich­tigs­ten Han­dels­plät­ze. Nach­dem der US-Han­del am Abend euro­päi­scher Zeit endet, öff­nen eini­ge Stun­den spä­ter die gro­ßen asia­ti­schen Bör­sen. Beson­ders rele­vant sind dabei der Nik­kei 225 in Tokio sowie der Hang Seng Index in Hong­kong.

Zwi­schen dem US-Bör­sen­schluss und der Öff­nung der euro­päi­schen Märk­te liegt eine mehr­stün­di­ge Pha­se, in der neue Infor­ma­tio­nen ver­ar­bei­tet wer­den. Nach­rich­ten aus Poli­tik, Wirt­schaft oder Geo­po­li­tik kön­nen in die­ser Zeit auf­tre­ten und müs­sen von den Märk­ten bewer­tet wer­den. Da asia­ti­sche Bör­sen als ers­te gro­ßen Akti­en­märk­te öff­nen, über­neh­men sie häu­fig die Rol­le der ers­ten Preis­fin­dung nach dem Ende der US-Han­dels­sit­zung.

Asia­ti­sche Märk­te als Indi­ka­tor für Euro­pa

Aus die­sem Grund beob­ach­ten insti­tu­tio­nel­le Inves­to­ren und Händ­ler in Euro­pa wäh­rend der Nacht­be­we­gun­gen in Tokio oder Hong­kong. Star­ke Kurs­be­we­gun­gen in die­sen Märk­ten gel­ten als Hin­weis dar­auf, wie euro­päi­sche Akti­en­in­di­zes vor­aus­sicht­lich eröff­nen könn­ten.

Wenn bei­spiels­wei­se der S&P 500 am Vor­abend deut­lich gefal­len ist und der Nik­kei wäh­rend der asia­ti­schen Sit­zung wei­ter nach­gibt, inter­pre­tie­ren Markt­teil­neh­mer dies häu­fig als Zei­chen für eine schwa­che Stim­mung im glo­ba­len Akti­en­markt. In der Fol­ge kön­nen euro­päi­sche Index-Futures bereits vor Han­dels­be­ginn unter Druck gera­ten.

Der deut­sche Leit­in­dex DAX wird dadurch indi­rekt beein­flusst. Noch bevor der Kas­sa­han­del beginnt, reagie­ren Händ­ler über Ter­min­märk­te auf die Signa­le aus Asi­en.

War­um der Nik­kei beson­ders stark reagiert

Unter den asia­ti­schen Indi­zes gilt der Nik­kei als beson­ders eng mit der Ent­wick­lung der US-Bör­sen ver­bun­den. Ein wesent­li­cher Grund liegt in der Struk­tur der japa­ni­schen Wirt­schaft. Vie­le gro­ße japa­ni­sche Unter­neh­men erzie­len einen erheb­li­chen Teil ihrer Umsät­ze im Aus­land, ins­be­son­de­re in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Ver­än­de­run­gen der US-Kon­junk­tur­er­war­tun­gen wir­ken sich des­halb unmit­tel­bar auf die Bewer­tung japa­ni­scher Export­un­ter­neh­men aus.

Ein wei­te­rer Fak­tor ist die Rol­le inter­na­tio­na­ler Inves­to­ren. Ein gro­ßer Teil des Han­dels­vo­lu­mens an der Tokyo Stock Exch­an­ge stammt von glo­ba­len Fonds und insti­tu­tio­nel­len Anle­gern. Die­se ver­wal­ten ihre Port­fo­li­os häu­fig auf Basis glo­ba­ler Risi­ko­in­di­ka­to­ren, zu denen US-Akti­en­märk­te eine zen­tra­le Refe­renz dar­stel­len. Anpas­sun­gen der Risi­ko­po­si­tio­nen nach Bewe­gun­gen in den USA füh­ren daher oft zu par­al­le­len Trans­ak­tio­nen in Japan.

Hin­zu kommt der Ein­fluss des Wech­sel­kur­ses zwi­schen US-Dol­lar und Yen. Da ein schwä­che­rer Yen die Wett­be­werbs­fä­hig­keit japa­ni­scher Expor­teu­re ver­bes­sert, ver­stär­ken Wech­sel­kurs­be­we­gun­gen häu­fig die Reak­ti­on des Nik­kei auf Ver­än­de­run­gen im glo­ba­len Risi­ko­ap­pe­tit.

Stra­te­gien insti­tu­tio­nel­ler Inves­to­ren

Hedge­fonds und quan­ti­ta­ti­ve Han­dels­fir­men nut­zen die sta­tis­ti­schen Bezie­hun­gen zwi­schen den gro­ßen Akti­en­märk­ten sys­te­ma­tisch. Eine ver­brei­te­te Stra­te­gie ist das soge­nann­te Lead-Lag-Tra­ding. Dabei wird ange­nom­men, dass Bewe­gun­gen im US-Markt mit zeit­li­cher Ver­zö­ge­rung in ande­ren Märk­ten nach­voll­zo­gen wer­den.

Wenn der S&P 500 bei­spiels­wei­se stark steigt, kau­fen eini­ge Markt­teil­neh­mer Nik­kei-Futures vor oder unmit­tel­bar nach Öff­nung der japa­ni­schen Bör­se in Erwar­tung einer ent­spre­chen­den Anpas­sung der Kur­se.

Dar­über hin­aus ver­wen­den quan­ti­ta­ti­ve Fonds Model­le der sta­tis­ti­schen Arbi­tra­ge. Sie ana­ly­sie­ren his­to­ri­sche Kor­re­la­tio­nen zwi­schen ver­schie­de­nen Märk­ten und eröff­nen Posi­tio­nen, wenn kurz­fris­ti­ge Abwei­chun­gen von die­sen Mus­tern auf­tre­ten. Sol­che Stra­te­gien basie­ren auf der Annah­me, dass sich die lang­fris­tig beob­ach­te­ten Bezie­hun­gen zwi­schen den Märk­ten wie­der anglei­chen.

Gren­zen der glo­ba­len Kor­re­la­ti­on

Trotz der engen Ver­flech­tung sind die Bezie­hun­gen zwi­schen den Märk­ten nicht kon­stant. Regio­na­le Fak­to­ren kön­nen zeit­wei­se eine grö­ße­re Rol­le spie­len. Poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen in Chi­na, geld­po­li­ti­sche Maß­nah­men der Bank of Japan oder wirt­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen inner­halb Euro­pas kön­nen dazu füh­ren, dass sich ein­zel­ne Märk­te von glo­ba­len Trends lösen.

Auch Wech­sel­kurs­be­we­gun­gen oder spe­zi­fi­sche Bran­chen­ent­wick­lun­gen kön­nen die Kor­re­la­ti­on zwi­schen den Indi­zes kurz­fris­tig ver­än­dern.

Fazit

Die Dyna­mik zwi­schen US‑, asia­ti­schen und euro­päi­schen Bör­sen lässt sich als eine Abfol­ge glo­ba­ler Preis­fin­dung ver­ste­hen. Wäh­rend die Ver­ei­nig­ten Staa­ten auf­grund ihrer Grö­ße und Kapi­tal­markt­struk­tur häu­fig die Rich­tung vor­ge­ben, fun­gie­ren asia­ti­sche Märk­te als ers­te Reak­ti­ons­stu­fe im neu­en Han­dels­tag. Für euro­päi­sche Inves­to­ren lie­fern die Ent­wick­lun­gen in Tokio und Hong­kong daher wich­ti­ge Hin­wei­se auf das kurz­fris­ti­ge Markt­um­feld.

Gleich­zei­tig zeigt die Pra­xis insti­tu­tio­nel­ler Anle­ger, dass die­se Bezie­hun­gen nicht nur beob­ach­tet, son­dern auch aktiv gehan­delt wer­den. Stra­te­gien, die auf der zeit­li­chen und sta­tis­ti­schen Ver­bin­dung der gro­ßen Akti­en­märk­te basie­ren, gehö­ren heu­te zu einem fes­ten Bestand­teil des glo­ba­len Kapi­tal­markt­han­dels.


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