An diesem Wochenende standen bedeutende innenpolitische Umbrüche in den USA, geopolitische Verhandlungen mit China sowie wirtschaftliche Herausforderungen im Fokus der Berichterstattung.
Politische Erschütterungen in Louisiana und Alabama
Das dominierende Thema in der US-Innenpolitik war die Niederlage des erfahrenen republikanischen Senators Bill Cassidy in der Vorwahl in Louisiana. Cassidy, der als einer von sieben republikanischen Senatoren für eine Verurteilung von Präsident Trump nach den Ereignissen vom 6. Januar 2021 gestimmt hatte, landete in einem Dreierrennen auf dem letzten Platz. Dieser Ausgang wird als klares Zeichen für die ungebrochene Macht von Trumps Unterstützung innerhalb der Republikanischen Partei gewertet. Trump selbst kommentierte das Ausscheiden Cassidys hämisch und erklärte dessen politische Karriere für beendet. In die Stichwahl am 27. Juni ziehen die von Trump unterstützte Julia Letlow und John Fleming ein.
Gleichzeitig versammelten sich in Alabama tausende Menschen zu Protesten für das Wahlrecht. In Städten wie Selma und Montgomery sprachen sich Demonstranten gegen Bemühungen der Republikaner aus, Wahlbezirke mit ethnischen Minderheitenmehrheiten („majority-minority districts“) im Süden abzuschaffen. Senator Cory Booker betonte bei der Kundgebung, dass die errungenen Freiheiten und Rechte der Vorfahren in Gefahr seien, wenn die aktuelle Generation ihre Pflicht nicht wahrnehme.
Geopolitik: Trump, China und Taiwan
Ein weiterer Schwerpunkt war die Nachbetrachtung von Präsident Trumps Reise nach Asien. Besonders kontrovers diskutiert wurde Trumps Ansatz, ein geplantes Waffenpaket für Taiwan als „Verhandlungschip“ in Gesprächen mit China einzusetzen. Während der chinesische Präsident Xi Jinping Taiwan als oberste Priorität ansieht und vor Konflikten warnte, scheint Trump den Fokus primär auf Geschäftsabschlüsse und wirtschaftliche Vorteile zu legen. Experten äußerten Besorgnis, dass dieser Kurs traditionelle amerikanische Bündnisse schwächen und Chinas Einfluss in der Region stärken könnte.
Zudem wurde die militärische Kapazität der USA thematisiert, da die USS Gerald Ford nach einem elfmonatigen Einsatz – dem längsten seit dem Vietnamkrieg – nach Virginia zurückkehrte. Der Flugzeugträger war während seines Einsatzes im Nahen Osten mit technischen Problemen und einem Brand konfrontiert, was Fragen zur Einsatzbereitschaft der US-Marine aufwarf, während gleichzeitig Spannungen im Indo-Pazifik zunehmen.
Wirtschaft und Finanzmärkte
Die wirtschaftliche Lage bleibt durch hohe Benzinpreise angespannt, die seit Beginn des Krieges um etwa 50 % gestiegen sind. In den USA wird über eine Aussetzung der Bundesbenzinsteuer nachgedacht, um die Verbraucher vor dem Memorial-Day-Wochenende zu entlasten, wobei Kritiker die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme von lediglich 18 Cent pro Gallone bezweifeln.
An der Wall Street richteten sich alle Augen auf die bevorstehenden Quartalszahlen von NVIDIA. Trotz eines volatilen Freitags, an dem Tech-Aktien wie NVIDIA und Meta Verluste hinnehmen mussten, bleibt die Nachfrage nach KI-Prozessoren ungebrochen hoch. Für Aufsehen sorgten zudem Berichte über Trumps persönliche Aktiengeschäfte: Offenlegungen zeigten über 3.700 Transaktionen in seinem Portfolio innerhalb eines einzigen Quartals, was Fragen zu potenziellen Interessenkonflikten aufwarf, da viele dieser Firmen direkte Geschäftsbeziehungen zur Regierung unterhalten.
Weitere internationale und regionale Meldungen
- Gesundheit: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte einen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda zu einem öffentlichen Gesundheitsnotfall. Bisher gibt es über 300 Verdachtsfälle und 88 Todesfälle.
- Infrastruktur: In New York hielt der Streik bei der Long Island Railroad (LIRR) an. Rund 3.500 Arbeiter legten die Arbeit nieder, um höhere Löhne zu fordern, was zu massiven Behinderungen im Pendlerverkehr führte.
- Kultur: Bulgarien gewann erstmals den Eurovision Song Contest in Wien. Der Wettbewerb war jedoch von Kontroversen und Boykottaufrufen wegen der Teilnahme Israels überschattet.