Monats­be­richt der Bun­des­agen­tur für Arbeit für Mai 2026

1. Gesamt­la­ge: Kei­ne Trend­wen­de in Sicht

  • Wirt­schaft: Das Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) wuchs im 1. Quar­tal 2026 preis‑, sai­son- und kalen­der­be­rei­nigt um 0,3 %. Die wirt­schaft­li­che Erho­lung wird jedoch durch die Aus­wir­kun­gen des Iran-Krie­ges (höhe­re Ener­gie­prei­se, Lie­fer­ket­ten­stö­run­gen, Unsi­cher­heit) gebremst. Die Kon­junk­tur ist zu schwach, um posi­ti­ve Impul­se am Arbeits­markt zu set­zen.
  • Arbeits­markt: Es gibt kei­ne nach­hal­ti­ge Ent­span­nung. Zwar sind Arbeits­lo­sig­keit und Unter­be­schäf­ti­gung im Mai sai­son­be­rei­nigt leicht gesun­ken, dies ist jedoch lar­ge­ly ein Aus­gleichs­ef­fekt zum star­ken Anstieg im April (bedingt durch Oster­fe­ri­en). Im Durch­schnitt der letz­ten Mona­te zeigt sich eher eine stei­gen­de Ten­denz.
  • Beschäf­ti­gung: Die sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung ist im März sai­son­be­rei­nigt erst­mals seit fünf Mona­ten wie­der leicht gestie­gen (+9.000), liegt aber immer noch unter dem Vor­jah­res­ni­veau. Voll­zeit­be­schäf­ti­gung nimmt ab, wäh­rend Teil­zeit­be­schäf­ti­gung wächst.

2. Arbeits­lo­sig­keit und Unter­be­schäf­ti­gung (Mai 2026)

  • Arbeits­lo­se: Ins­ge­samt 2,95 Mil­lio­nen Men­schen waren arbeits­los gemel­det. Das ist ein Rück­gang von 58.000 gegen­über April, aber ein Anstieg von 31.000 gegen­über dem Vor­jahr.
    • Rechts­kreis SGB III (Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung): 1,145 Mio. Arbeits­lo­se (+82.000 gegen­über Vor­jahr). Hier ver­schlech­tert sich die Lage deut­lich stär­ker als im SGB II.
    • Rechts­kreis SGB II (Bürgergeld/Jobcenter): 1,806 Mio. Arbeits­lo­se (-51.000 gegen­über Vor­jahr).
  • Unter­be­schäf­ti­gung: Lag bei 3,63 Mil­lio­nen Per­so­nen (ohne Kurz­ar­beit). Sie ist gegen­über dem Vor­jahr um 15.000 gestie­gen.
  • Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit: 1,064 Mil­lio­nen Men­schen waren län­ger als ein Jahr arbeits­los (+32.000 gegen­über Vor­jahr). Der Anteil an allen Arbeits­lo­sen stieg auf 36,1 %.
  • Chan­cen & Risi­ken: Das Risi­ko, aus einer Beschäf­ti­gung her­aus arbeits­los zu wer­den, steigt lang­sam wie­der an. Gleich­zei­tig sind die Chan­cen, Arbeits­lo­sig­keit durch eine neue Job­auf­nah­me zu been­den, his­to­risch nied­rig (Abgangs­quo­te nur 5,65 %).

3. Sozia­le Siche­rung

  • Leis­tungs­be­zie­hen­de: Ins­ge­samt 4,84 Mil­lio­nen Men­schen bezo­gen Leis­tun­gen (SGB III oder SGB II).
    • Arbeits­lo­sen­geld (SGB III): 1,073 Mio. Bezie­her (+113.000 gegen­über Vor­jahr).
    • Bür­ger­geld (SGB II): 3,83 Mio. erwerbs­fä­hi­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te (-103.000 gegen­über Vor­jahr).
  • Hil­fe­quo­ten: Rund 7,9 % der Bevöl­ke­rung bis zur Regel­al­ters­gren­ze waren hil­fe­be­dürf­tig.

4. Aus­bil­dungs­markt (Berichts­jahr 2025/26 bis Mai)

  • Daten­la­ge: Die Sta­tis­tik der gemel­de­ten Aus­bil­dungs­stel­len ist auf­grund pro­zes­sua­ler Umstel­lun­gen der­zeit unvoll­stän­dig und unter­zeich­net. Ein Ver­gleich mit dem Vor­jahr ist daher nur ein­ge­schränkt aus­sa­ge­kräf­tig.
  • Ten­denz: Trotz der Daten­lü­cke zeich­net sich eine ange­spann­te Lage ab:
    • Die Zahl der gemel­de­ten Aus­bil­dungs­stel­len ist deut­lich gesun­ken (sta­tis­tisch ‑10 %, real ver­mut­lich etwas weni­ger stark).
    • Die Zahl der gemel­de­ten Bewer­ber ist leicht gestie­gen (+2 % auf 382.000).
  • Ver­sor­gungs­la­ge: Im Mai waren noch 199.000 Aus­bil­dungs­stel­len unbe­setzt, aber auch 199.000 Bewer­ber unver­sorgt (ohne Stel­le und ohne Alter­na­ti­ve). Die Zahl der Unver­sorg­ten ist gegen­über dem Vor­jahr gestie­gen (+7.000). Beson­ders in Bal­lungs­räu­men wie Ber­lin und Bre­men hat sich die Situa­ti­on ver­schärft.

5. Ein­satz arbeits­markt­po­li­ti­scher Instru­men­te

  • Im Mai 2026 nah­men 742.000 Per­so­nen an geför­der­ten Maß­nah­men teil (deut­lich mehr als im Vor­jahr).
  • Die Akti­vie­rungs­quo­te lag bei 16,8 %.
  • Schwer­punk­te waren:
    • Beruf­li­che Wei­ter­bil­dung (188.000 Teil­neh­mer).
    • Akti­vie­rung und beruf­li­che Ein­glie­de­rung (163.000 Teil­neh­mer).
    • Maß­nah­men zur För­de­rung der Berufs­wahl und Aus­bil­dung (108.000 Teil­neh­mer).

Fazit

Der deut­sche Arbeits­markt befin­det sich im Mai 2026 in einer sta­gnie­ren­den Pha­se mit schwa­cher Kon­junk­tur. Die Arbeits­lo­sig­keit steigt struk­tu­rell wei­ter an, ins­be­son­de­re im Bereich der qua­li­fi­zier­ten Arbeit­neh­mer (SGB III). Die Chan­cen auf Wie­der­ein­glie­de­rung sind gering, wäh­rend das Risi­ko des Arbeits­platz­ver­lusts zunimmt. Auch der Aus­bil­dungs­markt zeigt eine zuneh­men­de Dis­kre­panz zwi­schen Ange­bot und Nach­fra­ge, wobei sowohl unbe­setz­te Stel­len als auch unver­sorg­te Bewer­ber hoch blei­ben. Geo­po­li­ti­sche Unsi­cher­hei­ten (Iran-Krieg) belas­ten wei­ter­hin die wirt­schaft­li­che Per­spek­ti­ve.

Quel­le: Arbeits­agen­tur

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