BMW hat seine Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026 deutlich nach unten korrigiert. Der Münchner Autobauer rechnet im laufenden Jahr mit geringeren Auslieferungen und einem spürbar schwächeren Ergebnis. Als zentrale Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen die anhaltende Schwäche des chinesischen Automarkts, den verschärften Wettbewerb in Asien sowie die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Nahen Osten. Hinzu kommen höhere Energiepreise, konjunkturelle Unsicherheit und eine gedämpfte Verbraucherstimmung.
Besonders deutlich fällt die Korrektur bei der operativen Marge im Autogeschäft aus. BMW erwartet für die Autosparte nun nur noch eine Ebit-Marge von ein bis drei Prozent. Zuvor hatte der Konzern einen Korridor von vier bis sechs Prozent in Aussicht gestellt. Auch beim Vorsteuerergebnis rechnet das Management nicht mehr mit einem moderaten, sondern mit einem deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Die Fahrzeugauslieferungen sollen 2026 leicht sinken, nachdem BMW bislang von einem Absatz auf Vorjahresniveau ausgegangen war.
Die neue Prognose markiert eine erhebliche Eintrübung der Geschäftsperspektiven. BMW hatte sich in der Krise der deutschen Autoindustrie lange robuster gezeigt als Wettbewerber wie Volkswagen, Mercedes-Benz oder Porsche. Der Konzern verwies wiederholt auf seine breite internationale Produktionsstruktur und seine flexible Antriebsstrategie. Nun zeigt sich jedoch, dass auch BMW die schwächere Nachfrage in China und die dort zunehmende Konkurrenz nicht ausgleichen kann. Gerade in der Volksrepublik stehen deutsche Premiumhersteller unter Druck, weil heimische Anbieter insbesondere bei Elektrofahrzeugen Marktanteile gewinnen.
Auch finanzielle Kennzahlen geraten unter Druck. Der Free Cashflow im Autosegment soll nach der neuen Prognose zwar weiterhin mehr als 2,5 Milliarden Euro betragen, aber deutlich unter dem Vorjahreswert liegen. 2025 hatte BMW in der Autosparte noch rund 3,2 Milliarden Euro freien Mittelzufluss erzielt. Die Ausschüttungsquote von 30 bis 40 Prozent sowie das laufende Aktienrückkaufprogramm will der Konzern nach bisherigem Stand nicht antasten.
Als Reaktion kündigt BMW zusätzliche Struktur- und Effizienzmaßnahmen an. Diese sollen die bereits laufenden Sparanstrengungen beschleunigen und intensivieren. Konkrete Details nannte der Konzern zunächst nicht. Klar ist lediglich, dass die Maßnahmen im zweiten Halbjahr einmalige Belastungen verursachen sollen und ihre positive Wirkung erst in den Folgejahren sichtbar werden dürfte. Ob damit auch ein Stellenabbau verbunden sein könnte, bleibt offen. Während andere Hersteller bereits umfangreiche Spar- und Abfindungsprogramme aufgelegt haben, war BMW bislang ohne größere öffentlich angekündigte Personaleinschnitte ausgekommen.
An der Börse wurde die Gewinnwarnung negativ aufgenommen. Die BMW-Aktie gab nach Bekanntwerden der neuen Prognose im nachbörslichen Handel deutlich nach. Der Kursrückgang verschärft eine ohnehin schwache Entwicklung: Im laufenden Jahr hatte das Papier bereits erheblich an Wert verloren.
Die Prognosesenkung zeigt, dass sich die Belastungen der globalen Autoindustrie zunehmend auch bei BMW niederschlagen. Die Schwäche des chinesischen Markts, geopolitische Risiken und steigende Kosten treffen den Konzern in einer Phase, in der hohe Investitionen in Elektromobilität und neue Modellgenerationen erforderlich bleiben. Für BMW wird damit entscheidend, ob die angekündigten Effizienzmaßnahmen schnell genug greifen und ob die neue Elektrofahrzeuggeneration die erhoffte Nachfragewirkung entfalten kann.