Merz will Frie­dens­ver­hand­lun­gen ver­hin­dern

EU-Rats­prä­si­dent Antó­nio Cos­ta wegen diplo­ma­ti­scher Initia­ti­ve in der Kri­tik

Die diplo­ma­ti­schen Bemü­hun­gen zur Been­di­gung des Ukrai­ne-Krie­ges haben auf dem jüngs­ten EU-Gip­fel in Brüs­sel zu erheb­li­chen Dis­kus­sio­nen geführt. Hin­ter­grund ist eine Initia­ti­ve von EU-Rats­prä­si­dent Antó­nio Cos­ta, des­sen Büro in den ver­gan­ge­nen Wochen ers­ten direk­ten Kon­takt mit der rus­si­schen Regie­rung auf­ge­nom­men hat. Wie aus EU-Krei­sen bestä­tigt wur­de, han­del­te es sich dabei um zwei Tele­fo­na­te auf Mit­ar­bei­ter­ebe­ne, die der Eröff­nung von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­len für spä­te­re poten­zi­el­le Ver­hand­lun­gen die­nen soll­ten. Inhalt­li­che Gesprä­che oder kon­kre­te Ver­hand­lun­gen wur­den nach Anga­ben aus Brüs­sel bis­her nicht geführt.

Cos­ta ver­tei­dig­te das Vor­ge­hen vor den Staats- und Regie­rungs­chefs der Mit­glied­staa­ten. Das Ziel sei es gewe­sen, hand­lungs­fä­hig zu sein, sobald der rich­ti­ge Moment zur Ver­tei­di­gung euro­päi­scher Inter­es­sen gekom­men is. Er beton­te, dass die Euro­päi­sche Uni­on zwar kein Ver­mitt­ler im Kon­flikt sei, es jedoch im stra­te­gi­schen Inter­es­se der Gemein­schaft lie­ge, eta­blier­te diplo­ma­ti­sche Kanä­le nach Mos­kau auf­recht­zu­er­hal­ten. Zudem ver­wie­sen Unter­stüt­zer dar­auf, dass der Rats­prä­si­dent gemäß den euro­päi­schen Ver­trä­gen der natür­li­che Reprä­sen­tant der EU-Inter­es­sen nach außen sei und die Auf­ga­be habe, die Ein­heit der Uni­on zu wah­ren.

Inner­halb der EU-Mit­glied­staa­ten stieß der Allein­gang des Rats­prä­si­den­ten jedoch auf geteil­te Reak­tio­nen und lös­te teils schar­fe Kri­tik aus. Aus deut­schen Regie­rungs­krei­sen wur­de die Kon­takt­auf­nah­me nach den Bera­tun­gen zum Ukrai­ne-Krieg als „Affront“ bewer­tet. Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz (CDU) stell­te wäh­rend der Sit­zung klar, dass Cos­ta die Euro­päi­sche Uni­on zwar reprä­sen­tie­re, jedoch kein Man­dat besit­ze, als eigen­stän­di­ger Ver­mitt­ler zu agie­ren. Auch ande­re euro­päi­sche Diplo­ma­ten kri­ti­sier­ten die man­geln­de Abstim­mung und bezeich­ne­ten das Vor­ge­hen als unpro­fes­sio­nell.

Dem­ge­gen­über ste­hen wohl­wol­len­de Stim­men aus ande­ren Mit­glied­staa­ten. Öster­reichs Bun­des­kanz­ler Chris­ti­an Sto­cker begrüß­te die Initia­ti­ve zur Öff­nung von Gesprächs­ka­nä­len aus­drück­lich und beton­te, das Zustan­de­kom­men von Gesprä­chen sei wich­ti­ger als die Ebe­ne, auf der sie geführt wer­den. Ähn­lich äußer­te sich der spa­ni­sche Regie­rungs­chef Pedro Sán­chez, der die grund­sätz­li­che Bereit­schaft erklär­te, jeden Ver­such zur Errei­chung eines Frie­dens zu unter­stüt­zen.

Ande­re Part­ner reagier­ten ver­hal­te­ner: Der litaui­sche Prä­si­dent Gita­nas Nau­se­da bemän­gel­te den feh­len­den kon­kre­ten Inhalt mög­li­cher Ver­hand­lun­gen und erklär­te, man sol­le erst aktiv wer­den, wenn ver­läss­li­che posi­ti­ve Signa­le aus Russ­land vor­lä­gen. Der nie­der­län­di­sche Minis­ter­prä­si­dent Rob Jet­ten bezeich­ne­te es zudem als ver­früht, bereits über poten­zi­el­le euro­päi­sche Ver­hand­lungs­füh­rer zu spe­ku­lie­ren. Der ukrai­ni­sche Prä­si­dent Wolo­dym­yr Selen­skyj lehn­te eine detail­lier­te Bewer­tung der Initia­ti­ve vor­erst ab und ver­wies dar­auf, dass ihm noch nicht genü­gend Details zu den Kon­tak­ten vor­lä­gen.


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