Was pas­siert, wenn Lin­ke oder Grü­ne an die Macht kom­men?

Wesent­li­che Merk­ma­le staats­so­zia­lis­ti­scher Dik­ta­tu­ren

Die wesent­li­chen Merk­ma­le staats­so­zia­lis­ti­scher Dik­ta­tu­ren las­sen sich in vier zen­tra­le Berei­che glie­dern:

1. Poli­tik und Herr­schafts­mo­no­pol

  • Allein­herr­schaft der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei:
    Eine Par­tei bean­sprucht die füh­ren­de Rol­le im Staat und kon­trol­liert die poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen.
  • Besei­ti­gung des poli­ti­schen Wett­be­werbs:
    Oppo­si­ti­ons­par­tei­en wer­den ver­bo­ten, unter­drückt oder in ein von der Staats­par­tei kon­trol­lier­tes Bünd­nis­sys­tem ein­ge­glie­dert.
  • Unfreie Wah­len:
    Wah­len fin­den teil­wei­se for­mal statt, ermög­li­chen jedoch kei­ne ech­te poli­ti­sche Aus­wahl und kei­nen demo­kra­ti­schen Macht­wech­sel.
  • Auf­he­bung der Gewal­ten­tei­lung:
    Regie­rung, Par­la­ment und Jus­tiz sind nicht unab­hän­gig, son­dern den Vor­ga­ben der Par­tei­füh­rung unter­ge­ord­net.
  • Feh­len­de Rechts­staat­lich­keit:
    Gerich­te und Geset­ze wer­den zur Durch­set­zung poli­ti­scher Zie­le und zur Ver­fol­gung von Regime­geg­nern ein­ge­setzt.
  • Gleich­schal­tung der Gesell­schaft:
    Ver­ei­ne, Ver­bän­de, Gewerk­schaf­ten und ande­re Orga­ni­sa­tio­nen wer­den staat­lich kon­trol­liert und auf die herr­schen­de Ideo­lo­gie aus­ge­rich­tet.
  • Mäch­ti­ger Par­tei­ap­pa­rat:
    Es ent­steht eine umfang­rei­che Büro­kra­tie mit einer pri­vi­le­gier­ten poli­ti­schen Füh­rungs­schicht, der soge­nann­ten Nomen­kla­tu­ra.
  • Ein­schrän­kung der Grund­rech­te:
    Mei­nungs­frei­heit, Pres­se­frei­heit, Ver­samm­lungs­frei­heit, Reli­gi­ons­frei­heit und poli­ti­sche Mit­be­stim­mung wer­den stark begrenzt.

2. Wirt­schafts­ord­nung: Kom­man­do- und Plan­wirt­schaft

  • Weit­ge­hen­de Ver­staat­li­chung:
    Pri­va­te Unter­neh­men und Pro­duk­ti­ons­mit­tel wer­den ver­staat­licht, ent­eig­net oder stark staat­lich regle­men­tiert.
  • Zen­tra­le Wirt­schafts­pla­nung:
    Der Staat legt fest, wel­che Waren in wel­chen Men­gen pro­du­ziert wer­den. Auch Prei­se, Löh­ne und Inves­ti­tio­nen wer­den zen­tral bestimmt.
  • Mehr­jah­res­plä­ne:
    Die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung wird durch staat­li­che Plä­ne, bei­spiels­wei­se Fünf­jah­res­plä­ne, gesteu­ert.
  • Kol­lek­ti­vie­rung der Land­wirt­schaft:
    Pri­va­te land­wirt­schaft­li­che Betrie­be wer­den zu Genos­sen­schaf­ten oder staat­li­chen Betrie­ben zusam­men­ge­schlos­sen.
  • Ein­ge­schränk­ter Wett­be­werb:
    Ange­bot, Nach­fra­ge und unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dun­gen spie­len nur eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le.
  • Man­geln­de Leis­tungs- und Inno­va­ti­ons­an­rei­ze:
    Da Betrie­be vor allem staat­li­che Vor­ga­ben erfül­len müs­sen, bestehen häu­fig gerin­ge Anrei­ze für Qua­li­tät, Effi­zi­enz und tech­ni­sche Inno­va­tio­nen.
  • Man­gel­wirt­schaft:
    Vie­le Kon­sum­gü­ter und Dienst­leis­tun­gen sind nur ein­ge­schränkt ver­füg­bar. Es kommt zu lan­gen War­te­zei­ten, Ver­sor­gungs­eng­päs­sen und Qua­li­täts­pro­ble­men.
  • Büro­kra­tie und Inef­fi­zi­enz:
    Die zen­tra­le Steue­rung ver­ur­sacht einen hohen Ver­wal­tungs­auf­wand, Fehl­pla­nun­gen und eine gerin­ge wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­vi­tät.
  • Staat­li­che Sozi­al­leis­tun­gen:
    Arbeits­platz­ga­ran­tien, nied­ri­ge Mie­ten, sub­ven­tio­nier­te Grund­nah­rungs­mit­tel und umfas­sen­de Kin­der­be­treu­ung die­nen auch der poli­ti­schen Sta­bi­li­sie­rung des Sys­tems.

3. Ideo­lo­gie, Erzie­hung und Medi­en­kon­trol­le

  • Ver­bind­li­che Staats­ideo­lo­gie:
    Der Mar­xis­mus-Leni­nis­mus wird als ein­zig gül­ti­ge poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Welt­an­schau­ung dar­ge­stellt.
  • Ideo­lo­gi­sche Erzie­hung:
    Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und Aus­bil­dungs­stät­ten ver­mit­teln die Wer­te und Zie­le des sozia­lis­ti­schen Staa­tes.
  • Poli­ti­sche Beein­flus­sung der Jugend:
    Kin­der und Jugend­li­che wer­den in staat­lich gelenk­te Orga­ni­sa­tio­nen ein­ge­bun­den und zu „sozia­lis­ti­schen Per­sön­lich­kei­ten“ erzo­gen.
  • Kon­trol­le der Medi­en:
    Zei­tun­gen, Rund­funk und Fern­se­hen unter­lie­gen der staat­li­chen bezie­hungs­wei­se par­tei­li­chen Kon­trol­le.
  • Zen­sur:
    Bücher, Fil­me, Musik, Kunst­wer­ke und Pres­se­ver­öf­fent­li­chun­gen wer­den über­prüft, ein­ge­schränkt oder ver­bo­ten.
  • Ein­ge­schränk­te Mei­nungs­frei­heit:
    Öffent­li­che Kri­tik an der Par­tei, der Regie­rung oder der Staats­ord­nung kann beruf­li­che, gesell­schaft­li­che oder straf­recht­li­che Fol­gen haben.
  • Pro­pa­gan­da:
    Medi­en, Bil­dung und öffent­li­che Ver­an­stal­tun­gen die­nen dazu, die Staats­füh­rung posi­tiv dar­zu­stel­len und poli­ti­sche Geg­ner abzu­wer­ten.
  • Kon­trol­le von Wis­sen­schaft und Kul­tur:
    Wis­sen­schaft­li­che For­schung und kul­tu­rel­le Tätig­keit müs­sen sich grund­sätz­lich an den poli­ti­schen Vor­ga­ben des Staa­tes ori­en­tie­ren.

4. Über­wa­chung, Repres­si­on und staat­li­che Gewalt

  • Umfas­sen­de Über­wa­chung:
    Geheim­diens­te und Sicher­heits­or­ga­ne beob­ach­ten die Bevöl­ke­rung und sam­meln Infor­ma­tio­nen über tat­säch­li­che oder ver­meint­li­che Geg­ner.
  • Ein­satz inof­fi­zi­el­ler Mit­ar­bei­ter:
    Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wer­den zur ver­deck­ten Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung über Kol­le­gen, Freun­de, Nach­barn oder Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge ein­ge­setzt.
  • Ver­fol­gung von Regime­kri­ti­kern:
    Sys­tem­kri­ti­ker kön­nen ein­ge­schüch­tert, über­wacht, fest­ge­nom­men, inhaf­tiert oder aus­ge­bür­gert wer­den.
  • Beruf­li­che und sozia­le Benach­tei­li­gung:
    Poli­ti­sche Unan­ge­passt­heit kann zu Berufs­ver­bo­ten, ver­wei­ger­ten Bil­dungs­we­gen, Woh­nungs­nach­tei­len oder gesell­schaft­li­cher Aus­gren­zung füh­ren.
  • Poli­ti­sche Straf­jus­tiz:
    Straf­tat­be­stän­de wer­den gezielt ein­ge­setzt, um Oppo­si­tio­nel­le, Flucht­wil­li­ge oder ande­re uner­wünsch­te Per­so­nen zu bestra­fen.
  • Ein­schrän­kung der Bewe­gungs­frei­heit:
    Aus­lands­rei­sen, Aus­wan­de­rung und Wohn­ort­wech­sel wer­den staat­lich kon­trol­liert oder ver­hin­dert.
  • Grenz­si­che­rung und Flucht­ver­hin­de­rung:
    Beson­ders in der DDR die­nen Grenz­an­la­gen, die Ber­li­ner Mau­er und straf­recht­li­che Maß­nah­men dazu, die Flucht aus dem Staat zu ver­hin­dern.
  • Unter­drü­ckung von Pro­tes­ten:
    Demons­tra­tio­nen, Streiks und Reform­be­we­gun­gen wer­den durch Poli­zei, Sicher­heits­kräf­te oder das Mili­tär auf­ge­löst.
  • Staat­li­cher Ter­ror in beson­ders repres­si­ven Pha­sen:
    Vor allem wäh­rend sta­li­nis­ti­scher Herr­schafts­pha­sen kommt es zu mas­sen­haf­ten Ver­haf­tun­gen, Depor­ta­tio­nen, Zwangs­ar­beit und Tötun­gen.
  • Aus­schal­tung unab­hän­gi­ger Gewerk­schaf­ten:
    Freie Arbeit­neh­mer­ver­tre­tun­gen wer­den ver­bo­ten und durch staat­lich kon­trol­lier­te Ein­heits­ge­werk­schaf­ten ersetzt.

Zusam­men­fas­sung

Staats­so­zia­lis­ti­sche Dik­ta­tu­ren ver­bin­den das poli­ti­sche Herr­schafts­mo­no­pol einer kom­mu­nis­ti­schen Par­tei mit einer zen­tral gelenk­ten Wirt­schaft, einer ver­bind­li­chen Staats­ideo­lo­gie sowie umfas­sen­der Über­wa­chung und Repres­si­on. Dabei kön­nen sich Aus­maß und Form der Unter­drü­ckung je nach Staat und his­to­ri­schem Zeit­raum deut­lich unter­schei­den.


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