Die USA wol­len sich bei der Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung auf lin­ke Grup­pen kon­zen­trie­ren

US-Außen­mi­nis­ter Mar­co Rubio gab am 16. Juli 2026 auf einer Minis­ter­kon­fe­renz in Washing­ton, D.C., bekannt, dass die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ihre inter­na­tio­na­len Anstren­gun­gen zur Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung neu aus­rich­ten und ver­stärkt auf soge­nann­te „links­extre­me Ter­ror­grup­pen“ fokus­sie­ren wer­den. Er begrün­de­te dies damit, dass links­extre­me Gewalt in der Ver­gan­gen­heit ein „blin­der Fleck“ der inter­na­tio­na­len Sicher­heits­ar­chi­tek­tur gewe­sen sei.

Hin­ter­grund und innen­po­li­ti­sche Kri­tik
Die­se Stra­te­gie mar­kiert den bis­her bedeu­tends­ten Ver­such der Trump-Regie­rung, die­sen Fokus zu inter­na­tio­na­li­sie­ren. Demo­kra­ti­sche Poli­ti­ker war­nen jedoch ein­dring­lich vor einer Poli­ti­sie­rung der Sicher­heits­be­hör­den. In einem Brief kri­ti­sier­ten elf demo­kra­ti­sche Abge­ord­ne­te die neue Aus­rich­tung als par­tei­isch, nicht daten­ge­stützt und warn­ten davor, dass Res­sour­cen von ande­ren extre­mis­ti­schen Bedro­hun­gen (wie rechts­extre­men oder neo­na­zis­ti­schen Grup­pen) abge­zo­gen wer­den könn­ten. Sie befürch­ten, dass legi­ti­me Pro­tes­te und poli­ti­sche Geg­ner unter den Begriff des „Links­ter­rors“ sub­su­miert wer­den könn­ten.

Kon­kre­te Maß­nah­men der US-Regie­rung

  • Die Ein­stu­fung von vier euro­päi­schen anar­chis­ti­schen Grup­pen als aus­län­di­sche ter­ro­ris­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen seit Novem­ber, ver­bun­den mit aus­ge­setz­ten Beloh­nun­gen von bis zu 10 Mil­lio­nen US-Dol­lar für Hin­wei­se zu ihrer Finan­zie­rung.
  • Die Ankün­di­gung neu­er Visums­be­schrän­kun­gen für Per­so­nen, die Gewalt oder wirt­schaft­li­che Sabo­ta­ge unter­stüt­zen oder anstif­ten.
  • Die Aus­wei­tung der Unter­su­chun­gen des US-Finanz­mi­nis­te­ri­ums zur Nut­zung von gemein­nüt­zi­gen Struk­tu­ren, um aus­län­di­sche Ein­flüs­se zu ver­schlei­ern und Gewalt zu ermög­li­chen.

Außen­mi­nis­ter Rubio kün­dig­te an, dass die US-Regie­rung nach einem ers­ten Work­shop für Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den im Mai einen zwei­ten Work­shop zur Erör­te­rung der Bedro­hung durch links­extre­me Grup­pen gemein­sam mit Deutsch­land aus­rich­ten wird.

Dies ver­deut­licht den Ver­such der US-Admi­nis­tra­ti­on, ihre sicher­heits­po­li­ti­sche Prio­ri­sie­rung des Links­extre­mis­mus nicht nur natio­nal, son­dern auch bila­te­ral zu ver­an­kern und Deutsch­land als stra­te­gi­schen Part­ner in die­se spe­zi­fi­sche Form der sicher­heits­po­li­ti­schen und nach­rich­ten­dienst­li­chen Zusam­men­ar­beit ein­zu­bin­den.

Zur aktu­el­len Bedro­hungs­la­ge durch Links­extre­mis­mus in Deutsch­land:

1. Anstieg links­extre­mer Straf­ta­ten und Angrif­fe auf Infra­struk­tur
Der Ver­fas­sungs­schutz warnt vor einem deut­lich stei­gen­den gewalt­be­rei­ten Poten­zi­al im Links­extre­mis­mus. Die Zahl der Straf­ta­ten ist im ver­gan­ge­nen Jahr auf über 8.000 gestie­gen. Im Fokus ste­hen dabei geziel­te Anschlä­ge auf kri­ti­sche Infra­struk­tur, wie etwa Brand­an­schlä­ge auf Bahn­stre­cken (z. B. Köln-Düs­sel­dorf) oder das Strom­netz (mit einem tage­lan­gen Aus­fall für 45.000 Haus­hal­te in Ber­lin).

2. Ver­schie­bung des sicher­heits­po­li­ti­schen Fokus
Der Extre­mis­mus­for­scher Hen­drik Han­sen beschreibt eine „Kon­junk­tur der Wahr­neh­mung“: Nach den Anschlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 lag der Fokus klar auf dem Isla­mis­mus, spä­ter nach dem NSU-Kom­plex und dem Auf­stieg der AfD auf dem Rechts­extre­mis­mus. Die­se Fokus­sie­rung sei zwar begrün­det gewe­sen, habe jedoch dazu geführt, dass der Links­extre­mis­mus zeit­wei­se aus dem Blick­feld gera­ten sei.

3. Akteu­re, Moti­ve und regio­na­le Hot­spots
Felix Neu­mann, Extre­mis­mus-Exper­te der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung, unter­schei­det zwi­schen eher ad-hoc statt­fin­den­dem Extre­mis­mus und lang­fris­tig geplan­tem Ter­ro­ris­mus, der gezielt Angst erzeu­gen will. Er iden­ti­fi­ziert drei regio­na­le Hot­spots für kli­ma­po­li­tisch moti­vier­te Sabo­ta­ge in Deutsch­land:

  • Ber­lin-Bran­den­burg (u. a. „Vul­kan­grup­pe“)
  • Nord­rhein-West­fa­len (u. a. „Kom­man­do Angry Birds“)
  • Raum Mün­chen (ver­schie­de­ne Akti­ons­grup­pen)

Das ideo­lo­gi­sche Motiv die­ser Grup­pen besteht dar­in, Tech­no­lo­gie, Glo­ba­li­sie­rung und Indus­trie als „böse“ zu betrach­ten und durch deren Zer­stö­rung eine ver­meint­lich bes­se­re Welt her­bei­füh­ren zu wol­len. Die Anschlä­ge zeich­nen sich durch eine hohe Pro­fes­sio­na­li­tät aus, wobei eine Betei­li­gung staat­li­cher Akteu­re (wie Russ­land) theo­re­tisch nicht aus­ge­schlos­sen wird.

4. Gefah­ren­po­ten­zi­al für die Bevöl­ke­rung
Aktu­el­le Sabo­ta­ge­ak­tio­nen zie­len pri­mär auf Sach­wer­te und nicht direkt auf Men­schen ab. Den­noch wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass indi­rek­te Fol­gen (z. B. das Frie­ren ohne Strom und Wär­me im Win­ter) durch­aus zu Ver­let­zun­gen oder Todes­fäl­len füh­ren kön­nen. Es wird die Sor­ge geäu­ßert, dass sich zukünf­tig neue Grup­pen bil­den könn­ten, die auch gezielt Men­schen in ihr Visier neh­men.

5. For­schungs­de­fi­zit und Hand­lungs­be­darf
Wäh­rend die Sicher­heits­be­hör­den die Bedro­hung mög­li­cher­wei­se unter­schätzt haben, besteht auch in der wis­sen­schaft­li­chen Auf­ar­bei­tung ein erheb­li­ches Defi­zit. Es man­gelt an For­schung und ent­spre­chen­den Finanz­mit­teln, um die anonym agie­ren­den Grup­pen (wie das „Kom­man­do Angry Birds“ oder die „Vul­kan­grup­pe“) struk­tu­rell zu durch­drin­gen und dar­auf auf­bau­end wirk­sa­me Prä­ven­ti­ons- und Bekämp­fungs­stra­te­gien zu ent­wi­ckeln.


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