Worum es insgesamt geht
Die Bundesregierung beantwortet eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion zur Datenlage über die muslimische Bevölkerung in Deutschland. Die Fragesteller kritisieren die bisherige BAMF‑Studie Muslimisches Leben in Deutschland 2020 (MLD 2020) und fordern detaillierte statistische Angaben zu Migration, Geburten, Sterbefällen, Asyl, Einbürgerungen und weiteren demografischen Faktoren für zahlreiche muslimisch geprägte Herkunftsländer.
Kernpunkte der Vorbemerkungen
Position der Fragesteller
Sie halten die MLD‑Schätzung für systematisch zu niedrig, weil:
- Mikrozensus 2019 als Basis veraltet sei.
- Personen in Gemeinschaftsunterkünften nicht erfasst werden.
- Die dritte Generation von Migranten nicht vollständig berücksichtigt werde.
- Nur 23 Herkunftsländer einbezogen wurden (Subsahara-Afrika weitgehend fehlt).
- Konvertiten ohne Migrationshintergrund ausgeschlossen sind.
Position der Bundesregierung
- Die neue Hochrechnung (Stand Juni 2026) basiert auf Mikrozensus 2025 und MLD‑2020‑Daten.
- Die Definition „Migrationshintergrund“ umfasst auch viele Personen der dritten Generation.
- Subsahara-Herkunftsländer seien zahlenmäßig gering.
- Konvertiten seien statistisch kaum relevant.
- Insgesamt sei die BAMF‑Hochrechnung eine bestmögliche Annäherung.
Wesentliche Daten & Antworten der Bundesregierung
Migration (seit 1962)
- Umfangreiche Tabellen zu Zuzügen, Fortzügen und Wanderungssalden für alle genannten Herkunftsländer.
- Große Zuwanderungswellen u. a. aus:
- Türkei (historisch),
- Syrien (ab 2015 massiv),
- Afghanistan,
- Irak.
Ausländische Bevölkerung (1967–2025)
- Jährliche Bestandszahlen nach Herkunftsland, Geschlecht und Altersgruppen.
- Starker Anstieg seit 2015 bei Syrien, Afghanistan, Irak.
Einbürgerungen (seit 1972)
- Tabellen zu Einbürgerungen und Miteinbürgerungen Minderjähriger.
- Detaillierte Daten erst ab 2000 verfügbar.
Doppelte Staatsangehörigkeit
- 1,2 Mio. Menschen besitzen 2025 deutsche + Herkunftsstaatsangehörigkeit aus den genannten Ländern.
Geburten
- Daten zu Geburten mit Eltern aus Herkunftsländern (teilweise eingeschränkt).
- Keine Daten zu Geburtsland der Eltern (Frage 10).
Sterbefälle
- Daten ab 2003 verfügbar.
Migrationshintergrund laut Mikrozensus 2025
- Tabellen zu Herkunftsland, Generation, Geschlecht, Altersgruppen.
Zensus 2022
- Daten zu Geburtsländern und zu Personen in Gemeinschaftsunterkünften.
Geburtenziffern & Kinderzahl
- Keine ausreichenden Fallzahlen für differenzierte Fertilitätsstatistiken.
Asyl & Aufenthalt
Asylerstanträge (2010–2026)
- Insgesamt 2,312 Mio. Erstanträge.
- Größte Gruppen:
- Syrien (750.247),
- Afghanistan (391.305),
- Irak (226.009),
- Türkei (176.135).
Aufenthaltsstatus der Antragsteller (Stand 31. Mai 2026)
- 1.825.710 Personen halten sich noch in Deutschland auf:
- 814.553 mit Schutzstatus,
- 110.487 geduldet,
- 123.043 ausreisepflichtig.
Schutzsuchende insgesamt (Stand 31. Mai 2026)
- 2.158.417 Personen aus den genannten Ländern:
- 12.258 Asylberechtigte,
- 465.898 anerkannte Flüchtlinge,
- 345.265 subsidiär Schutzberechtigte,
- 117.973 geduldet,
- 264.279 im laufenden Verfahren.
Aufnahmeprogramme (§§ 22, 23, 24 AufenthG)
- Detaillierte Jahreszahlen für humanitäre Aufnahmen, Ortskräfteverfahren, Resettlement.
- Besonders hohe Zahlen bei:
- Afghanischen Ortskräften (22.278 seit 2014),
- Syrischen humanitären Aufnahmen (39.197 seit 2013),
- Resettlement (12.973 seit 2013).
Familiennachzug
- Seit 2010: 167.335 Aufenthaltstitel für Familiennachzug zu Schutzberechtigten.
- Größte Gruppen:
- Syrien (101.139),
- Türkei (16.441),
- Irak (14.626),
- Somalia (4.298).
Religion & Infrastruktur
Islamischer Religionsunterricht
- Keine Daten, da Ländersache.
Moscheegemeinden
- 2022: ca. 2.600 muslimische/alevitische Gemeinden.
- 2011: 2.342 Gemeinden.
Aktuelle Schätzung der muslimischen Bevölkerung
- Hochrechnung 2026 basiert auf:
- Mikrozensus 2025,
- MLD‑2020‑Befragungsdaten,
- Intervallschätzung.
Dritte Generation & Konvertiten
- Dritte Generation wird teilweise erfasst, wenn Eltern nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurden.
- Zahl der nicht erfassten Personen wird als relativ gering eingeschätzt.
- Konvertiten ohne Migrationshintergrund: keine belastbaren Zahlen, vermutlich geringe Gruppe.
Quelle: Drucksache 21/7124