BKA-Bun­des­la­ge­bild 2025 zu Sexu­al­de­lik­ten zum Nach­teil von Kin­dern und Jugend­li­chen

Zen­tra­le Aus­sa­ge

Eine Ent­war­nung gibt es nicht. Nach einem leich­ten Rück­gang im Vor­jahr stie­gen die regis­trier­ten Miss­brauchs­fäl­le 2025 wie­der. Beson­ders deut­lich wächst der digi­ta­le Tat­be­reich. Cyber­g­roo­ming, Sextor­ti­on, Live­strea­ming und der Ein­satz künst­li­cher Intel­li­genz ver­än­dern und erleich­tern die Tat­be­ge­hung.

Wich­tigs­te Fall­zah­len 2025

Delikts­be­reichFäl­leVer­än­de­rung zu 2024
Sexu­el­ler Miss­brauch von Kin­dern17.126+4,7 %
Sexu­el­ler Miss­brauch von Jugend­li­chen1.239+4,0 %
Kin­der­por­no­gra­fi­sche Inhal­te41.677−2,7 %
Jugend­por­no­gra­fi­sche Inhal­te11.515+19,9 %
Sexu­el­le Aus­beu­tung Min­der­jäh­ri­ger357−5,3 %

Damit erreich­ten ins­be­son­de­re Delik­te mit jugend­por­no­gra­fi­schen Inhal­ten einen neu­en Höchst­stand. Der Rück­gang bei kin­der­por­no­gra­fi­schen Inhal­ten bedeu­tet wegen des wei­ter­hin sehr hohen Niveaus kei­ne grund­le­gen­de Ver­bes­se­rung.

Opfer und Tat­ver­däch­ti­ge

Ins­ge­samt wur­den 20.051 min­der­jäh­ri­ge Miss­brauchs­op­fer erfasst, gegen­über 19.344 im Vor­jahr. Beim Miss­brauch von Kin­dern regis­trier­te die Poli­zei 18.736 Opfer und 12.823 Tat­ver­däch­ti­ge. Die Tat­ver­däch­ti­gen waren über­wie­gend männ­lich und han­del­ten meist allein.

Bei den kind­li­chen Opfern waren 74 Pro­zent weib­lich. Die gro­ße Mehr­heit war zwi­schen sechs und 13 Jah­ren alt. In 54 Pro­zent der Fäl­le bestand bereits eine fami­liä­re, freund­schaft­li­che, insti­tu­tio­nel­le oder sons­ti­ge sozia­le Bezie­hung zwi­schen Opfer und tat­ver­däch­ti­ger Per­son. Fäl­le ohne Vor­be­zie­hung dürf­ten häu­fig mit Groo­ming zusam­men­hän­gen.

Kin­der und Jugend­li­che mit kör­per­li­chen oder psy­chi­schen Beein­träch­ti­gun­gen gel­ten als beson­ders gefähr­det. Im digi­ta­len Raum kön­nen Schwie­rig­kei­ten beim Risi­ko­ma­nage­ment gezielt für Mani­pu­la­ti­on, die Anfer­ti­gung von Auf­nah­men oder sexu­el­le Erpres­sung aus­ge­nutzt wer­den.

Zunah­me digi­ta­ler Straf­ta­ten

Beson­ders stark stieg der Miss­brauch von Kin­dern ohne unmit­tel­ba­ren Kör­per­kon­takt: auf 4.861 Fäl­le, ein Plus von 16,5 Pro­zent. Hier­zu zäh­len bei­spiels­wei­se das geziel­te sexu­el­le Anspre­chen im Inter­net und ande­re soge­nann­te Hands-off-Delik­te.

Die Digi­ta­li­sie­rung ermög­licht:

  • Kon­takt­auf­nah­me und Mani­pu­la­ti­on über sozia­le Medi­en und Mes­sen­ger,
  • Cyber­g­roo­ming,
  • Sextor­ti­on, also Erpres­sung mit inti­men Auf­nah­men,
  • Über­tra­gung von Miss­brauch per Live­stream,
  • schnel­le und grenz­über­schrei­ten­de Ver­brei­tung von Auf­nah­men.

Künst­li­che Intel­li­genz ver­schärft die Pro­ble­ma­tik zusätz­lich: Vor­han­de­ne Bil­der und Vide­os kön­nen ohne ver­tief­te Fach­kennt­nis­se ver­än­dert und voll­stän­dig neue, künst­li­che Dar­stel­lun­gen erzeugt wer­den.

Min­der­jäh­ri­ge als Tat­ver­däch­ti­ge

Bei Delik­ten mit kin­der- und jugend­por­no­gra­fi­schen Inhal­ten ist der Anteil min­der­jäh­ri­ger Tat­ver­däch­ti­ger auf­fäl­lig hoch. Im Bereich kin­der­por­no­gra­fi­scher Inhal­te waren mehr als 40 Pro­zent der Tat­ver­däch­ti­gen min­der­jäh­rig. Häu­fig han­delt es sich um selbst ange­fer­tig­te Auf­nah­men oder um Inhal­te, die inner­halb der eige­nen Alters­grup­pe unbe­dacht wei­ter­ge­lei­tet wer­den.

Das BKA betont daher, dass neben Straf­ver­fol­gung auch Medi­en­kom­pe­tenz und Prä­ven­ti­on ent­schei­dend sind – für Kin­der und Jugend­li­che eben­so wie für Eltern, Lehr­kräf­te und Fach­per­so­nal.

Hin­wei­se aus dem Aus­land

Das US-ame­ri­ka­ni­sche Natio­nal Cen­ter for Miss­ing & Exploi­ted Child­ren über­mit­tel­te 2025 ins­ge­samt rund 220.000 Hin­wei­se an das BKA. Davon waren 106.652 nach deut­schem Recht straf­recht­lich rele­vant; 57.686 Vor­gän­ge konn­ten an zustän­di­ge Lan­des­kri­mi­nal­äm­ter wei­ter­ge­lei­tet wer­den. Das Hin­weis­auf­kom­men steigt seit Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich.

BKA-Prä­si­dent Hol­ger Münch warnt vor einer euro­päi­schen Rege­lungs­lü­cke bei der frei­wil­li­gen Erken­nung und Mel­dung ent­spre­chen­der Inhal­te und for­dert eine dau­er­haf­te EU-Rege­lung.

Ein­ord­nung der Zah­len

Das Lage­bild basiert über­wie­gend auf der Poli­zei­li­chen Kri­mi­nal­sta­tis­tik und zeigt damit nur das poli­zei­lich bekann­te Hell­feld. Nicht ange­zeig­te oder nicht erkann­te Taten sind dar­in nicht ent­hal­ten. Ver­än­de­run­gen der Fall­zah­len kön­nen zudem durch Anzei­ge­ver­hal­ten, Kon­troll­in­ten­si­tät und Ermitt­lungs­maß­nah­men beein­flusst wer­den. Das tat­säch­li­che Aus­maß dürf­te daher deut­lich grö­ßer sein.

Fazit

Der Bericht beschreibt kei­ne ein­heit­li­che Ent­wick­lung: Eini­ge Delikts­zah­len sin­ken leicht, wäh­rend Miss­brauchs­fäl­le und ins­be­son­de­re digi­ta­le Delik­te deut­lich zuneh­men. Die zen­tra­le Her­aus­for­de­rung ver­la­gert sich zuneh­mend in den digi­ta­len Raum. Das BKA lei­tet dar­aus einen kom­bi­nier­ten Hand­lungs­be­darf ab: wirk­sa­me­re Straf­ver­fol­gung, ver­läss­li­che inter­na­tio­na­le und euro­päi­sche Mel­de­ver­fah­ren, früh­zei­ti­ge Prä­ven­ti­on, bes­se­re Medi­en­kom­pe­tenz und beson­de­rer Schutz vul­nerabler Min­der­jäh­ri­ger.


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