Worum es insgesamt geht
Die Bundesregierung beantwortet eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zur Altersarmut und Alterssicherung in Deutschland. Die Antwort liefert viele statistische Daten (2015–2025) und verweist häufig auf frühere Drucksachen und Berichte.
Zentrale Befunde zur Altersarmut
- Altersarmut bleibt hoch, besonders bei Frauen über 65 Jahren. Frauen: 21,3 %, Männer: 17,3 % armutsgefährdet (Armutsbericht 2026).
- Ursachen laut Bundesregierung:
- geringere Erwerbseinkommen von Frauen
- traditionelle Rollenverteilung
- Teilzeit & Erwerbsunterbrechungen
- sinkende Renten bei steigender Kinderzahl (Westdeutschland)
- Ostdeutschland stärker betroffen, da Renten dort stärker von der gesetzlichen Rentenversicherung abhängen (79 % Anteil am Alterseinkommen).
Wichtige statistische Entwicklungen (Auswahl)
Verhältnis Pflichtversicherte zu Rentnern (2024)
Deutschland: 1,74 Spannweite:
- Höchstes Verhältnis: Hamburg (2,40)
- Niedrigstes: Mecklenburg-Vorpommern (1,19)
Geringfügig Beschäftigte (2025)
Deutschland: 7,9 Mio., davon
- 246.800 ohne Rentenbeitrag
- 1,57 Mio. voller Beitrag
- 6,09 Mio. Pauschalbeitrag
Rentenzahlbeträge (2015 → 2025)
Deutlicher Anstieg aller Rentenarten. Beispiel Altersrente Männer (Zugang):
- 2015: 1.048 €
- 2025: 1.415 €
Frauen (Zugang):
- 2015: 652 €
- 2025: 1.039 €
Renten unter / über 1.446 € (2025)
Viele Menschen mit 40+ oder 45+ Versicherungsjahren erhalten dennoch unter 1.446 €.
Beispiel Deutschland (Männer, ≥40 Jahre):
- 1,36 Mio. unter 1.446 €
- 3,53 Mio. über 1.446 €
Frauen (≥40 Jahre):
- 2,22 Mio. unter 1.446 €
- 1,42 Mio. über 1.446 €
Erwerbsminderungsrenten
- Sehr hoher Anteil mit Abschlägen: 95–98 %
- Abschläge steigen über die Jahre (2025: ca. 129 € durchschnittlich)
Grundsicherung im Alter & bei Erwerbsminderung
Stetiger Anstieg:
- 2016: 1,03 Mio.
- 2025: 1,28 Mio.
Wohngeldbezug ab 65 Jahren
Daten im Anhang – ebenfalls steigende Tendenz.
Armutsgefährdungsquote (ARQ)
- Messung über EU-SILC
- Zeitreihenbruch 2020 → Vergleich vorher/nachher eingeschränkt
- Daten bis 2025 verfügbar
Bewertung politischer Maßnahmen
Die Bundesregierung:
- verweist häufig auf frühere Antworten und Berichte
- liefert keine neuen konkreten Maßnahmen gegen Altersarmut
- betont die Komplexität der Armutsmessung
- äußert sich nicht konkret zu Auswirkungen möglicher Reformen (Rentenkommission):
- Kopplung Regelaltersgrenze an Lebenserwartung
- Abschaffung Rente für besonders langjährig Versicherte
- Absenkung Rentenniveau nach 2031 → Auswirkungen laut Bundesregierung nicht pauschal abschätzbar
Kernbotschaft der Bundesregierung
Die Bundesregierung liefert umfangreiche Daten, vermeidet aber klare politische Aussagen oder neue Strategien. Viele Antworten bestehen aus Verweisen auf frühere Drucksachen und Berichte.
Quelle: Bundestagsdrucksache 21/7204