Asi­ens Bör­sen am Mor­gen – 24.07.2026

Bör­sen­nach­rich­ten aus dem asia­tisch-pazi­fi­schen Raum

Der 24. Juli 2026 mar­kiert einen Tag erheb­li­cher Insta­bi­li­tät an den glo­ba­len Finanz­märk­ten, pri­mär getrie­ben durch eine Eska­la­ti­on der geo­po­li­ti­schen Span­nun­gen im Nahen Osten, einen mas­si­ven Ölpreis­schock und erneu­te Sor­gen über die Nach­hal­tig­keit von Inves­ti­tio­nen in Künst­li­che Intel­li­genz (KI).

1. Ener­gie­kri­se und der Sprung des Ölprei­ses über 100 USD

Das domi­nie­ren­de The­ma des Tages ist der dra­ma­ti­sche Anstieg der Ölprei­se. Brent-Roh­öl über­sprang die Mar­ke von 100 USD pro Bar­rel und stieg nach Angrif­fen von mit dem Iran ver­bün­de­ten Hut­hi-Rebel­len auf sau­di­sche Tan­ker im Roten Meer um etwa 7 % auf ein Zwei-Monats-Hoch von 102 USD. Die­se Ent­wick­lung hat zwei der welt­weit wich­tigs­ten Schiff­fahrts­we­ge – das Rote Meer und die Stra­ße von Hor­muz – mas­siv beein­träch­tigt. US-Prä­si­dent Donald Trump droh­te dar­auf­hin mit „mas­si­ven mili­tä­ri­schen Bestra­fun­gen“ für den Iran und sei­ne Ver­bün­de­ten. Markt­be­ob­ach­ter befürch­ten, dass dies nicht nur ein kurz­fris­ti­ger Aus­schlag ist, son­dern eine ech­te Rück­kehr der Infla­ti­ons­ri­si­ken bedeu­tet, da Öl als „Lebens­eli­xier der Welt­wirt­schaft“ gilt.

2. Mas­si­ver Aus­ver­kauf an den asia­ti­schen Akti­en­märk­ten

Die asia­ti­schen Bör­sen reagier­ten mit deut­li­chen Kurs­ver­lus­ten auf die Kom­bi­na­ti­on aus stei­gen­den Ener­gie­kos­ten und schwa­chen Vor­ga­ben aus den USA.

  • Japan: Der Nik­kei 225 brach um near­ly 3 % ein (ein Minus von über 1.900 Punk­ten), belas­tet durch Sor­gen über hohe KI-Aus­ga­ben und stei­gen­de Import­kos­ten auf­grund des schwa­chen Yen.
  • Süd­ko­rea: Der KOSPI stürz­te um 5,5 % ab, was den hef­tigs­ten Rück­gang in der Regi­on dar­stellt. Beson­ders Tech­no­lo­gie­wer­te wie Sam­sung Elec­tro­nics und SK Hynix ver­lo­ren über 7 % an Wert.
  • Indi­en und Tai­wan: Auch hier kam es zu signi­fi­kan­ten Ver­lus­ten; der indi­sche Nif­ty 50 und der Sen­sex gaben nach, wäh­rend die Märk­te in Tai­wan eben­falls stark unter Druck gerie­ten.

3. Die „KI-Angst“ vs. Intels Über­ra­schungs­er­folg

Inner­halb des Tech­no­lo­gie­sek­tors herrscht eine gespal­te­ne Stim­mung. Wäh­rend die Akti­en von Alpha­bet (Goog­le) und Tes­la über Nacht ein­bra­chen, weil Anle­ger die hohen Inves­ti­ti­ons­kos­ten für die KI-Infra­struk­tur kri­tisch hin­ter­frag­ten, gab es posi­ti­ve Nach­rich­ten von Intel. Intel konn­te sei­ne Gewinn­pro­gno­sen für das zwei­te Quar­tal ver­dop­peln, getrie­ben durch eine mas­si­ve Nach­fra­ge nach Chips für KI-Rechen­zen­tren. Dies deu­tet dar­auf hin, dass der KI-Boom bei Hard­ware-Zulie­fe­rern wei­ter­hin intakt ist, auch wenn die Mone­ta­ri­sie­rung auf der Soft­ware­sei­te (wie bei Alpha­bet) den Inves­to­ren Geduld abver­langt.

4. Wäh­rungs­vo­la­ti­li­tät: Yen auf 40-Jah­res-Tief

Die Stär­ke des US-Dol­lars, begüns­tigt durch stei­gen­de Ren­di­ten für US-Staats­an­lei­hen (die 10-jäh­ri­ge Ren­di­te erreich­te ein 18-Monats-Hoch von über 4,7 %), setzt asia­ti­sche Wäh­run­gen unter mas­si­ven Druck.

  • Japa­ni­scher Yen: Der Yen ver­harrt auf einem 40-Jah­res-Tief von nahe­zu 164 pro Dol­lar. Die japa­ni­sche Finanz­mi­nis­te­rin Satsuki Kata­ya­ma beton­te die Bereit­schaft zu „ent­schlos­se­nen Maß­nah­men“ ohne Zögern, um der Vola­ti­li­tät ent­ge­gen­zu­wir­ken.
  • Indi­sche Rupie: Die Wäh­rung steht kurz vor einem Rekord­tief, was die indi­sche Zen­tral­bank (RBI) ver­mut­lich zu Inter­ven­tio­nen zwin­gen wird.

5. Trumps Rück­kehr zur Zoll­mau­er

Ein wei­te­res infla­tio­nä­res Signal ist die Ent­schei­dung der US-Regie­rung, neue Zöl­le zwi­schen 10 % und 12,5 % auf Waren von etwa 60 Han­dels­part­nern zu erhe­ben, dar­un­ter die EU, Chi­na und Indi­en. Die USA begrün­den dies mit einer unzu­rei­chen­den Durch­set­zung von Ver­bo­ten gegen Zwangs­ar­beit. Die­se Maß­nah­men erset­zen einen aus­lau­fen­den glo­ba­len 10-Pro­zent-Zoll und wer­den von Part­nern wie Aus­tra­li­en und Neu­see­land bereits scharf als „unge­recht­fer­tigt“ kri­ti­siert.

6. Chi­nas Tech-Sek­tor und Bör­sen­de­büts

Trotz der all­ge­mei­nen Markt­un­si­cher­heit gibt es bedeu­ten­de Bewe­gun­gen im chi­ne­si­schen Tech­no­lo­gie­sek­tor. Das bevor­ste­hen­de Bör­sen­de­büt von CXMT (Chan­gXin Memo­ry Tech­no­lo­gies) wird als Block­bus­ter-Ereig­nis mit einem Volu­men von fast 10 Mil­li­ar­den US-Dol­lar erwar­tet. Ana­lys­ten sehen dar­in einen wich­ti­gen Indi­ka­tor für Chi­nas Halb­lei­ter­indus­trie, wobei die Nach­fra­ge der Inves­to­ren trotz eines Abschlags gegen­über glo­ba­len Wett­be­wer­bern wie Micron sehr hoch ist.

Robo­ta­xis: Chi­na hat damit begon­nen, erneut Geneh­mi­gun­gen für Robo­ta­xis zu ertei­len, nach­dem die­se im April vor­über­ge­hend aus­ge­setzt wor­den waren.

7. Wich­ti­ge Wirt­schafts­da­ten und Fir­men­news

  • Japa­ni­sche Infla­ti­on: Die Kern­in­fla­ti­on in Japan stieg im Juni auf 1,6 % (nach 1,4 % im Mai), blieb jedoch den fünf­ten Monat in Fol­ge unter dem 2‑Pro­zent-Ziel der Bank of Japan (BOJ). Den­noch wächst der Druck auf die BOJ, die Zin­sen bei ihrer Sit­zung nächs­te Woche anzu­he­ben.
  • Wirt­schaft­li­che Resi­li­enz in Japan: Trotz der Unsi­cher­hei­ten stieg die japa­ni­sche Indus­trie­pro­duk­ti­on im Juli so schnell wie seit 2014 nicht mehr.
  • HSBC-Ver­kauf: Die Groß­bank HSBC gab den Ver­kauf ihres Ver­si­che­rungs­ge­schäfts in Sin­ga­pur an die Alli­anz für 2,09 Mil­li­ar­den USD bekannt, was einen Gewinn vor Steu­ern von etwa 1,8 Mil­li­ar­den USD gene­rie­ren soll.
  • Regu­lie­rung in Süd­ko­rea: Um die spe­ku­la­ti­ve Vola­ti­li­tät ein­zu­däm­men, zieht Seo­ul stren­ge­re Cash-Anfor­de­run­gen für den Han­del mit gehe­bel­ten ETFs (Exch­an­ge Traded Funds) auf den 31. Juli vor.

Über­sicht der wich­tigs­ten asia­tisch-pazi­fi­schen Markt­in­di­zes (Stand: 06:00 Uhr MEZ)

IndexLetz­ter KursTages­än­de­rung% Ände­rung
Nik­kei 22564455,82-1966,78-2,96%
TOPIX4007,78-46,1-1,14%
SSE Com­po­si­te Index3830,19-46,58-1,20%
CSI 3004672,64-55,36-1,17%
Hang Seng Index24895,62-315,19-1,25%
Hang Seng Chi­na Enter­pri­ses Index8259,23-93,44-1,12%
KOSPI6706,57-390,32-5,50%
BSE Sen­sex75878,75-512,64-0,67%
Nif­ty 5023728,45-141,15-0,59%
Tai­wan Capi­ta­liza­ti­on Weigh­ted Index43768,62-1082,19-2,41%
S&P/ASX 2008754,7-84,3-0,95%
NZX 50 Index13746,82-48,45-0,35%
S&P Asia 5010650,19-199,06-1,83%

*Bei den ange­zeig­ten Kur­sen han­delt es sich um Moment­auf­nah­men, da der Bör­sen­han­del zum Zeit­punkt der Erstel­lung die­ses Bei­trags noch läuft.


Infla­ti­ons­druck und geo­po­li­ti­sche Eska­la­ti­on (24. Juli 2026)

1. Die Rück­kehr des Ölpreis­schocks: Geo­po­li­ti­sche Insta­bi­li­tät im Nahen Osten

Die glo­ba­le Ener­gie­si­cher­heit sieht sich einer Zer­reiß­pro­be gegen­über, die das Poten­zi­al hat, das bis­he­ri­ge makro­öko­no­mi­sche Nar­ra­tiv einer kon­trol­lier­ten Dis­in­fla­ti­on voll­stän­dig zu unter­mi­nie­ren. Der mas­si­ve Anstieg der Roh­öl­prei­se fun­giert als sys­te­mi­scher Belas­tungs­fak­tor, der weit über punk­tu­el­le Ver­sor­gungs­eng­päs­se hin­aus­geht. Die mari­ti­me Sicher­heit in den kri­ti­schen Han­dels­kor­ri­do­ren des Nahen Ostens ist fak­tisch nicht mehr gewähr­leis­tet, was eine fun­da­men­ta­le Neu­be­wer­tung der glo­ba­len Infla­ti­ons­ri­si­ken erzwingt.

  • Ana­ly­se der Preis­ent­wick­lung: Der Preis für Brent-Roh­öl hat die psy­cho­lo­gisch wich­ti­ge Mar­ke von 100 USD nach­hal­tig durch­bro­chen und mar­kier­te in der Spit­ze ein Zwei-Monats-Hoch von 102 USD. Mit einem Zuwachs von nahe­zu 40 % allein in die­sem Monat reflek­tiert der Markt eine mas­si­ve Prä­mie für das Ver­sor­gungs­ri­si­ko.
  • Ursa­chen der Eska­la­ti­on: Die Angrif­fe der Hou­t­hi-Rebel­len auf sau­di­sche Tan­ker im Roten Meer haben eine zwei­te stra­te­gi­sche Schlag­ader der glo­ba­len Ölver­sor­gung blo­ckiert. In Kom­bi­na­ti­on mit der fak­ti­schen Schlie­ßung der Stra­ße von Hor­muz durch den Iran sind die wich­tigs­ten Tran­sit­rou­ten für die Welt­wirt­schaft unter­bro­chen.
  • Stra­te­gi­sche Ein­ord­nung: Die Dro­hung von US-Prä­si­dent Trump hin­sicht­lich einer „schwe­ren mili­tä­ri­schen Bestra­fung“ gegen den Iran hat die Markt­vo­la­ti­li­tät wei­ter ange­facht. Wie Nigel Green (CEO der deVe­re Group) tref­fend ana­ly­siert, han­delt es sich hier­bei nicht um einen tem­po­rä­ren Peak, son­dern um eine „ech­te Wie­der­eröff­nung der Infla­ti­ons­fra­ge“, da der Rück­gang der Ener­gie­kos­ten, der den Zen­tral­ban­ken bis­her Hand­lungs­spiel­raum ver­schaff­te, nun abrupt endet.

Die­se geo­po­li­ti­sche Zuspit­zung indu­ziert eine unmit­tel­ba­re Flucht aus Risi­ko­an­la­gen und führt zu einer dras­ti­schen Ero­si­on an den inter­na­tio­na­len Akti­en­märk­ten.

2. Ero­si­on der Akti­en­märk­te und Neu­be­wer­tung von Tech-Gigan­ten

Die Kom­bi­na­ti­on aus explo­die­ren­den Ener­gie­kos­ten und der dar­aus resul­tie­ren­den Erwar­tungs­hal­tung gegen­über den Zen­tral­ban­ken hat eine glo­ba­le Neu­be­wer­tung der Risi­ko­prä­mi­en aus­ge­löst. Inves­to­ren reagie­ren mit einer aus­ge­präg­ten Risi­ko­aver­si­on, da die Trag­fä­hig­keit aktu­el­ler Bewer­tun­gen in einem Umfeld stei­gen­der Kapi­tal­kos­ten mas­siv infra­ge gestellt wird.

  • Markt­ent­wick­lung in Asi­en: Die Ver­lus­te in Asi­en waren sub­stan­zi­ell; der japa­ni­sche Nik­kei schloss mit einem Minus von fast 3 %, wäh­rend der süd­ko­rea­ni­sche KOSPI einen Ein­bruch von nahe­zu 4 % ver­kraf­ten muss­te. Der brei­te­re MSCI-Index für den asia­tisch-pazi­fi­schen Raum (ex Japan) gab um 1 % nach.
  • Sek­tor­ana­ly­se Tech­no­lo­gie: Die eigent­lich robus­ten Ergeb­nis­se von Intel boten ange­sichts der makro­öko­no­mi­schen Schwe­re nur einen „flüch­ti­gen Sup­port“. Viel schwe­rer wie­gen die Ergeb­nis­se von Alpha­bet und Tes­la, die als ers­te der soge­nann­ten „Magni­fi­cent Seven“ berich­te­ten und damit als Stim­mungs­ba­ro­me­ter für den gesam­ten Tech-Sek­tor fun­gie­ren.
  • KI-Infra­struk­tur und Cash Burn: Die Kapi­tal­märk­te stra­fen der­zeit den mas­si­ven Kapi­tal­ver­brauch (cash burn) für den Auf­bau der KI-Infra­struk­tur ab. In einem Markt­um­feld, in dem die Cost of Capi­tal durch die Ent­wick­lun­gen am Ren­ten­markt dras­tisch stei­gen, reicht das rei­ne Nar­ra­tiv zukünf­ti­ger KI-Poten­zia­le nicht mehr aus, um Kapi­tal­al­lo­ka­ti­ons-Beden­ken zu zer­streu­en.

Die­ser Ver­kaufs­druck an den Akti­en­märk­ten wird durch die dra­ma­ti­sche Ent­wick­lung am Ren­ten­markt ver­schärft, wo die stei­gen­den Ren­di­ten den Druck auf die Unter­neh­mens­be­wer­tun­gen wei­ter erhö­hen.

3. Schock­wel­len am Ren­ten­markt und die aggres­si­ve Kehrt­wen­de der Zen­tral­ban­ken

Die Anlei­he­ren­di­ten fun­gie­ren der­zeit als unmiss­ver­ständ­li­cher Vor­bo­te einer deut­lich restrik­ti­ve­ren Geld­po­li­tik. Das aggres­si­ve „Repri­cing“ am Ren­ten­markt spie­gelt die Über­zeu­gung wider, dass die Zen­tral­ban­ken ihre „haw­ki­sh“ Rhe­to­rik in Taten umset­zen müs­sen, um die Kon­trol­le über die Infla­ti­ons­er­war­tun­gen nicht zu ver­lie­ren.

  • US-Tre­asu­ry-Daten: Die Ren­di­te der 10-jäh­ri­gen US-Staats­an­lei­hen klet­ter­te auf über 4,7 %. Die 30-jäh­ri­ge Ren­di­te sta­bi­li­sier­te sich über der 5 %-Mar­ke und nähert sich den Höchst­stän­den von 2007. Vish­nu Varathan (Mizu­ho) stellt hier­zu fest, dass eine Ren­di­te von 5 % bei den 10-jäh­ri­gen Papie­ren mitt­ler­wei­le eher als „Wet­te“ denn als „Furcht“ wahr­ge­nom­men wird, wäh­rend am Hori­zont bereits die 6 %-Mar­ke für 30-jäh­ri­ge Anlei­hen erscheint.
  • Geld­po­li­ti­sche Pro­gno­sen: Die Wahr­schein­lich­keit für eine Zins­er­hö­hung der Fede­ral Reser­ve bereits in der nächs­ten Woche wird vom Markt nun mit einem Drit­tel bewer­tet – eine dra­ma­ti­sche Ver­schie­bung inner­halb weni­ger Tage. Für die EZB ist eine Anhe­bung im Sep­tem­ber zu 70 % ein­ge­preist.
  • Bedeu­tung der For­ward Gui­dance: Leo­nard Kwan (T. Rowe Pri­ce) hebt her­vor, dass die Redu­zie­rung der For­ward Gui­dance durch die Fed fak­tisch einer „tat­säch­li­chen Straf­fung der Finanz­kon­di­tio­nen“ gleich­kommt, ohne dass die Zin­sen bereits real erhöht wur­den. Durch den Ver­zicht auf kla­re Ori­en­tie­rungs­hil­fen erhöht die Zen­tral­bank die Unsi­cher­heit und for­dert von den Markt­teil­neh­mern eine höhe­re Risi­ko­prä­mie ein.

Die stei­gen­den Ren­di­ten in den USA stüt­zen den US-Dol­lar und set­zen ande­re Welt­wäh­run­gen unter mas­si­ven Abwer­tungs­druck, was die glo­ba­len Ungleich­ge­wich­te wei­ter ver­schärft.

4. Wäh­rungs­kri­sen und staat­li­che Inter­ven­tio­nen: Yen und Rupie unter Druck

Die extre­me Vola­ti­li­tät an den Devi­sen­märk­ten hat ein Aus­maß erreicht, das die Sta­bi­li­tät des inter­na­tio­na­len Han­dels ernst­haft gefähr­det. Die Kom­bi­na­ti­on aus Dol­lar-Stär­ke und hohen Ener­gie­im­port­kos­ten zwingt ins­be­son­de­re asia­ti­sche Noten­ban­ken zu mas­si­ven defen­si­ven Inter­ven­tio­nen.

  • Kri­se des Yen: Der japa­ni­sche Yen ver­harrt auf einem 40-Jah­res-Tief (nahe 163,89). Das US-Finanz­mi­nis­te­ri­um hat bereits vor „exzes­si­ver Vola­ti­li­tät“ gewarnt und for­dert wei­te­re Zins­schrit­te der Bank of Japan. Ana­lys­ten wie Tony Syca­mo­re (IG) wei­sen jedoch dar­auf hin, dass Inter­ven­tio­nen zur Stüt­zung des Yen der­zeit einem „Kampf gegen einen Hoch­ge­schwin­dig­keits­zug“ glei­chen, da die fun­da­men­ta­len Trei­ber schlicht zu mäch­tig sind.
  • Indi­sche Rupie: Die indi­sche Wäh­rung notiert mit 96,85 bis 96,90 unmit­tel­bar an der kri­ti­schen psy­cho­lo­gi­schen und his­to­ri­schen „roten Linie“ von 96,96. Als dritt­größ­ter Ölim­por­teur der Welt ist Indi­en dem Roh­öl­preis­schock schutz­los aus­ge­lie­fert. Die Reser­ve Bank of India (RBI) wird laut Händ­ler­be­rich­ten alles dar­an­set­zen, die­ses Rekord­tief zu ver­tei­di­gen, um eine unkon­trol­lier­te Abwer­tung zu ver­hin­dern.

Die Wäh­rungs­tur­bu­len­zen wer­den durch eine neue Eska­la­ti­ons­stu­fe in der glo­ba­len Han­dels­po­li­tik wei­ter befeu­ert, die als zusätz­li­cher infla­tio­nä­rer Impuls wirkt.

5. Eska­la­ti­on des glo­ba­len Han­dels­krie­ges: Neue Zöl­le und pro­tek­tio­nis­ti­sche Maß­nah­men

In einem bereits hoch­ent­zünd­li­chen Umfeld wir­ken neue Han­dels­bar­rie­ren als brand­be­schleu­ni­gen­der Infla­ti­ons­trei­ber. Die stra­te­gi­sche Nut­zung von Zöl­len ver­schärft die ange­bots­sei­ti­gen Schocks und belas­tet die glo­ba­len Lie­fer­ket­ten zusätz­lich.

  • US-Han­dels­po­li­tik: Die US-Admi­nis­tra­ti­on plant die Ein­füh­rung neu­er Zöl­le zwi­schen 10 % und 12,5 % auf Waren von ins­ge­samt 60 Han­dels­part­nern. Die­se Maß­nah­men tre­ten in Kraft, wäh­rend zeit­gleich ein tem­po­rä­rer glo­ba­ler Zoll von 10 % aus­läuft.
  • Öko­no­mi­sche Bewer­tung: Vish­nu Varathan ana­ly­siert die Lage als „Dou­ble Wham­my“: Der Ölpreis­an­stieg wirkt öko­no­misch wie ein de fac­to erho­be­ner Zoll auf den Kon­sum, der nun durch tat­säch­li­che pro­tek­tio­nis­ti­sche Zöl­le ergänzt wird.
  • Gra­nu­la­re Han­dels­dy­na­mik: Wäh­rend Bra­si­li­en die Maß­nah­men als „will­kür­lich“ und „unge­recht­fer­tigt“ gei­ßelt, zeigt sich in der Detail­be­trach­tung eine dif­fe­ren­zier­te­re Lage: Immer­hin 2.000 bra­si­lia­ni­sche Pro­duk­te wur­den von den neu­en US-Zöl­len aus­ge­nom­men, was den Spiel­raum für bila­te­ra­le Nach­ver­hand­lun­gen ver­deut­licht.

Die­se glo­ba­len Span­nun­gen zwin­gen die Akteu­re zu regio­na­len Anpas­sun­gen und füh­ren zu spe­zi­fi­schen regu­la­to­ri­schen Reak­tio­nen.

6. Regio­na­le Brenn­punk­te und peri­phä­re Risi­ko­fak­to­ren

Die Not­wen­dig­keit loka­ler Anpas­sun­gen an die glo­ba­le Kri­se führt zu einer Frag­men­tie­rung regu­la­to­ri­scher Maß­nah­men und zur Ent­ste­hung neu­er poli­ti­scher Risi­ken.

  • Fokus Japan: Das aktu­el­le Weiß­buch der Regie­rung kon­sta­tiert einen im Ver­gleich zu 2022 deut­lich beschleu­nig­ten Kos­ten­durch­druck der Unter­neh­men. Trotz einer robus­ten indus­tri­el­len Basis (PMI bei 54,7) wird die Beob­ach­tung des Out­put Gap und der Aus­wir­kun­gen des Nah­ost­kon­flikts auf die Inlands­nach­fra­ge zur stra­te­gi­schen Prio­ri­tät.
  • Fokus Süd­ko­rea: Zur Ein­däm­mung spe­ku­la­ti­ver Exzes­se hat die Finanz­auf­sicht die Erhö­hung der Bar­ein­la­ge­pflicht auf 30 Mil­lio­nen Won für gehe­bel­te Ein­zel­ak­ti­en-ETFs (ins­be­son­de­re auf Sam­sung Elec­tro­nics und SK Hynix) auf den 31. Juli vor­ge­zo­gen.
  • Fokus Sin­ga­pur: Trotz eines Strom­preis­an­stiegs von 17 % – bedingt durch die 95 %ige Abhän­gig­keit der Strom­erzeu­gung von impor­tier­tem Erd­gas – wird die MAS vor­aus­sicht­lich an ihrer Geld­po­li­tik inner­halb des S$NEER-Ban­des fest­hal­ten.
  • Peri­phä­re Risi­ko­fak­to­ren: Wäh­rend Chi­na die Sicher­heits­zu­sam­men­ar­beit mit Bela­rus und Usbe­ki­stan ver­tieft, stel­len die sozia­len Unru­hen in den USA (Wis­con­sin) ein erheb­li­ches Risi­ko dar. Die­se inter­nen Span­nun­gen könn­ten die innen­po­li­ti­sche Kapa­zi­tät der US-Admi­nis­tra­ti­on bin­den und deren Hand­lungs­fä­hig­keit in der glo­ba­len Kri­se ein­schrän­ken.

7. Zusam­men­fas­sen­de Bewer­tung der Markt­la­ge

Die aktu­el­le Markt­la­ge ist durch eine toxi­sche Kon­ver­genz aus geo­po­li­ti­scher Eska­la­ti­on, pro­tek­tio­nis­ti­scher Han­dels­po­li­tik und einer aggres­si­ven Neu­be­wer­tung der Zins­pfa­de gekenn­zeich­net. Wir befin­den uns nicht in einem kurz­fris­ti­gen Vola­ti­li­täts­schub, son­dern erle­ben eine fun­da­men­ta­le „Wie­der­eröff­nung der Infla­ti­ons­fra­ge“.

Das bis­he­ri­ge Markt­nar­ra­tiv einer bal­di­gen Rück­kehr zur geld­po­li­ti­schen Nor­ma­li­tät muss vor dem Hin­ter­grund eines Ölprei­ses über 100 USD und einer dro­hen­den Aus­wei­tung des Han­dels­krie­ges revi­diert wer­den. Das Sze­na­rio „höher für län­ger“ bei den Zin­sen ist nun das Basis-Sze­na­rio. Inves­to­ren müs­sen sich dar­auf ein­stel­len, dass die Zen­tral­ban­ken auf­grund des ange­bots­sei­ti­gen Infla­ti­ons­drucks kaum Spiel­raum für sta­bi­li­sie­ren­de Ein­grif­fe haben wer­den. Die stra­te­gi­sche Kapi­tal­al­lo­ka­ti­on muss in die­sem Umfeld eine deut­lich höhe­re Prä­mie für geo­po­li­ti­sche Risi­ken und anhal­ten­de geld­po­li­ti­sche Restrik­ti­on ein­prei­sen.

Han­dels­zei­ten der wich­tigs­ten asia­ti­schen Bör­sen

Japan – Tokyo Stock Exch­an­ge (Nik­kei 225)

  • Orts­zeit (JST): 9:00 – 11:30 Uhr und 12:30 – 15:00 Uhr
  • MEZ: 1:00 – 3:30 Uhr und 4:30 – 7:00 Uhr
  • MESZ: 0:00 – 2:30 Uhr und 3:30 – 6:00 Uhr
  • Mit­tags­pau­se: 11:30 – 12:30 Uhr Orts­zeit

Hong Kong – Hong Kong Stock Exch­an­ge (Hang Seng)

  • Orts­zeit (HKT): 9:30 – 12:00 Uhr und 13:00 – 16:00 Uhr
  • MEZ: 2:30 – 5:00 Uhr und 6:00 – 9:00 Uhr
  • MESZ: 3:30 – 6:00 Uhr und 7:00 – 10:00 Uhr
  • Mit­tags­pau­se: 12:00 – 13:00 Uhr Orts­zeit

Chi­na – Shang­hai Stock Exch­an­ge (SSE Com­po­si­te)

  • Orts­zeit (CST): 9:30 – 11:30 Uhr und 13:00 – 15:00 Uhr
  • MEZ: 2:30 – 4:30 Uhr und 6:00 – 8:00 Uhr
  • MESZ: 3:30 – 5:30 Uhr und 7:00 – 9:00 Uhr
  • Mit­tags­pau­se: 11:30 – 13:00 Uhr Orts­zeit

Süd­ko­rea – Korea Exch­an­ge (KOSPI)

  • Orts­zeit (KST): 9:00 – 15:20 Uhr
  • MEZ: 1:00 – 7:20 Uhr
  • MESZ: 0:00 – 6:20 Uhr
  • Kei­ne Mit­tags­pau­se

Indi­en – Bom­bay Stock Exch­an­ge (BSE Sen­sex)

  • Orts­zeit (IST): 9:15 – 15:30 Uhr
  • MEZ: 5:00 – 11:00 Uhr (Win­ter)
  • MESZ: 3:45 – 9:45 Uhr (Som­mer)
  • Kei­ne Mit­tags­pau­se

Aus­tra­li­en – ASX (S&P/ASX 200)

  • Orts­zeit (AEST): 10:00 – 16:00 Uhr
  • MEZ: 0:00 – 6:00 Uhr
  • MESZ: 23:00 – 5:00 Uhr (Vor­abend)
  • Kei­ne Mit­tags­pau­se

Sin­ga­pur – Sin­ga­po­re Exch­an­ge (SGX)

  • Orts­zeit (SGT): 9:00 – 12:00 Uhr und 13:00 – 17:00 Uhr
  • MEZ: 2:00 – 5:00 Uhr und 6:00 – 10:00 Uhr
  • MESZ: 3:00 – 6:00 Uhr und 7:00 – 11:00 Uhr

Wich­ti­ge Hin­wei­se:

Früh­han­del: Asia­ti­sche Bör­sen öff­nen bereits in den frü­hen Mor­gen­stun­den deut­scher Zeit (zwi­schen 0:00–7:00 Uhr MEZ)

Mit­tags­pau­sen: Beson­ders in Japan, Chi­na und Hong Kong gibt es aus­ge­dehn­te Mit­tags­pau­sen (1–1,5 Stun­den)

Wochen­en­de: Alle Bör­sen sind sams­tags und sonn­tags geschlos­sen

MESZ – euro­päi­sche Som­mer­zeit­um­stel­lung

Dis­clai­mer: Die­ser Bericht dient aus­schließ­lich Infor­ma­ti­ons­zwe­cken und stellt kei­ne Anla­ge­be­ra­tung oder Emp­feh­lung zum Kauf oder Ver­kauf von Wert­pa­pie­ren dar. Für die Rich­tig­keit der Daten wird kei­ne Gewähr über­nom­men.

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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater