Ein mutmaßlicher Fahrzeugangriff auf die Feierlichkeiten zum Christopher Street Day hat Berlin erschüttert. Am Abend des 25. Juli 2026 fuhr ein Fahrzeug nahe dem Tiergarten und dem Brandenburger Tor in eine Menschenmenge. Dabei wurde ein Mensch getötet, 17 weitere Personen wurden verletzt. Acht von ihnen erlitten schwere Verletzungen, drei befanden sich zunächst in Lebensgefahr.
Nach Angaben der Polizei kam das Fahrzeug zum Stillstand, nachdem es gegen einen Baum geprallt war. Als die Einsatzkräfte eintrafen, fanden sie es leer vor. Die Behörden leiteten daraufhin eine umfangreiche Fahndung nach einem oder mehreren möglichen Tätern ein. Später teilte die Polizei mit, sie habe einen Tatverdächtigen identifiziert, der ihr als Angehöriger der Berliner Islamistenszene bekannt sei. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung war der Mann noch nicht festgenommen. Auch der genaue Tathergang und das Motiv waren zunächst nicht abschließend geklärt.
Der Vorfall ereignete sich während einer der größten LGBTQ-Veranstaltungen Europas. Hunderttausende Menschen waren in Berlin zusammengekommen, um den Christopher Street Day zu feiern und für Gleichstellung, gesellschaftliche Teilhabe sowie den Schutz vor Diskriminierung zu demonstrieren. Nach dem Angriff wurden die Feierlichkeiten abrupt beendet. Zahlreiche Rettungs- und Polizeikräfte waren im Einsatz, um Verletzte zu versorgen und den Tatort abzusichern.
Der Berliner Fall steht in einer Reihe schwerer Vorfälle, bei denen Fahrzeuge in Deutschland gezielt oder unter ungeklärten Umständen in Menschenmengen gesteuert wurden. Im Mai 2026 kamen in einer Fußgängerzone in Leipzig zwei Menschen ums Leben, drei weitere wurden schwer verletzt. Die Behörden gingen davon aus, dass der festgenommene Fahrer möglicherweise psychisch erkrankt war. In Mannheim wurden im März 2025 zwei Menschen getötet und elf verletzt. Die Ermittler sahen Hinweise auf eine vorsätzliche Tat, fanden jedoch keine Belege für ein politisches oder religiöses Motiv.
Auch öffentliche Veranstaltungen wurden wiederholt zum Ziel. Im Februar 2025 fuhr ein Mann mit einem Auto in eine Gewerkschaftsdemonstration in München. Eine Frau und ihre zweijährige Tochter starben, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft war die Tat islamistisch motiviert. Wenige Monate zuvor hatte ein Fahrer auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt sechs Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Die Staatsanwaltschaft führte die Tat unter anderem auf persönliche Frustration und einen zivilrechtlichen Konflikt zurück.
Zu den weiteren schweren Fällen gehören die Todesfahrt durch die Trierer Fußgängerzone im Dezember 2020, der Angriff auf einen Karnevalsumzug in Volkmarsen sowie die Fahrt in eine Menschengruppe in einem Berliner Einkaufsviertel im Jahr 2022. Besonders prägend war der islamistische Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016. Der Täter hatte einen Lastwagen entführt, dessen Fahrer getötet und das Fahrzeug anschließend in den Weihnachtsmarkt gesteuert. Elf weitere Menschen starben, Dutzende wurden verletzt.
Die Fälle zeigen, dass sich hinter Fahrzeugangriffen sehr unterschiedliche Motive verbergen können. Neben politischem oder religiösem Extremismus spielten in der Vergangenheit psychische Erkrankungen, Alkohol, persönliche Konflikte und andere individuelle Faktoren eine Rolle. Gemeinsam ist den Taten jedoch, dass sie stark besuchte und schwer vollständig zu schützende öffentliche Räume treffen. Seit dem Anschlag von 2016 haben solche Vorfälle deshalb immer wieder Debatten über Sicherheitsmaßnahmen bei Demonstrationen, Weihnachtsmärkten, Volksfesten und anderen Großveranstaltungen ausgelöst.