Aus­län­di­sche Beschäf­tig­te in Eng­pass­be­ru­fen


Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf die Klei­ne Anfra­ge der Frak­ti­on Die Lin­ke zum The­ma „Aus­län­di­sche Beschäf­tig­te in Eng­pass­be­ru­fen“

1. Hin­ter­grund & Fra­ge­stel­lung

Vor dem Hin­ter­grund des demo­gra­fi­schen Wan­dels (Ren­ten­ein­tritt der gebur­ten­star­ken Jahr­gän­ge) und des zuneh­men­den Arbeits­kräf­te­man­gels frag­te die Frak­ti­on Die Lin­ke nach Daten zur Beschäf­ti­gung, zum Auf­ent­halts­sta­tus und zu den Her­kunfts­län­dern aus­län­di­scher Arbeits­kräf­te in Eng­pass­be­ru­fen sowie nach den Maß­nah­men der Bun­des­re­gie­rung zur Inte­gra­ti­on, zur Fach­kräf­te­ein­wan­de­rung und zur Bekämp­fung von Abwanderung/Diskriminierung.

2. Wich­tigs­te sta­tis­ti­sche Befun­de (Stand Juni 2025)

  • Star­ker Anstieg aus­län­di­scher Beschäf­tig­ter:
    • Im Juni 2025 arbei­te­ten in Deutsch­land rund 8,8 Mil­lio­nen sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­te in Eng­pass­be­ru­fen.
    • Davon besa­ßen rund 1,29 Mil­lio­nen (14,6 %) eine aus­län­di­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit (Anstieg von 7,6 % / 608.814 Per­so­nen im Jahr 2015).
  • Ost-West-Ver­gleich:
    • West­deutsch­land: 15,5 % der Beschäf­tig­ten in Eng­pass­be­ru­fen sind Aus­län­der (2015: 8,6 %).
    • Ost­deutsch­land: 10,6 % (2015: 3,6 %). Ber­lin weist mit 18,6 % den höchs­ten Anteil im Osten auf; Flä­chen­län­der wie Thü­rin­gen (7,1 %) oder Sach­sen (7,8 %) lie­gen dar­un­ter, ver­zeich­nen aber hohe Zuwachs­ra­ten.
  • Bran­chen­schwer­punk­te mit sehr hohem Aus­län­der­an­teil (Juni 2025):
    • Sys­tem­gas­tro­no­mie (60,8 %)
    • Fleisch­ver­ar­bei­tung (57,3 %)
    • Pflasterer/Steinsetzer (43,5 %)
    • Gas­tro­no­mie­ser­vice (38,5 %)
    • Köche (35,4 %)
    • Gerüst­bau (33,8 %)
    • Berufs­kraft­fah­rer / Lkw (32,9 %)
    • Glas-/Fens­ter­rei­ni­gung (32,9 %)
    • Pfle­ge­be­ru­fe ins­ge­samt (15,1 % bzw. 181.564 Per­so­nen).

3. Auf­ent­halts­sta­tus & Blei­be­per­spek­ti­ven

  • Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge in Eng­pass­be­ru­fen (Juni 2025):
    • 37,3 % besit­zen eine befris­te­te Auf­ent­halts­er­laub­nis.
    • 31,8 % ver­fü­gen über eine unbe­fris­te­te Nie­der­las­sungs­er­laub­nis.
    • 2,1 % Auf­ent­halts­ge­stat­tung (lau­fen­des Asyl­ver­fah­ren), 0,2 % Dul­dung.
    • 22,8 % ohne nähe­re Anga­be in den Mel­de­da­ten.
  • Recht­li­che Lage: Die Bun­des­re­gie­rung sieht der­zeit kei­nen Bedarf für wei­te­re gesetz­li­che Ände­run­gen bezüg­lich Nie­der­las­sungs­er­laub­nis­sen für Fach­kräf­te in Eng­pass­be­ru­fen, da bereits ver­kürz­te Vor­auf­ent­halts­zei­ten (z. B. nach § 18c Auf­enthG / Blaue Kar­te EU) exis­tie­ren.

4. Arbeits­kräf­te­be­darf, Demo­gra­fie & EU-Zuwan­de­rung

  • Deckungs­lü­cke bis 2029:
    • Nach Mit­tel­frist­pro­gno­sen (QuBe-Pro­jekt von BIBB/IAB/GWS) über­steigt der Neu­be­set­zungs­be­darf (4,81 Mio.) deut­lich das pro­gnos­ti­zier­te inlän­di­sche Angebot/Zuwanderung (4,37 Mio.).
    • Ost­deutsch­land hat in Rela­ti­on zur Bevöl­ke­rungs­grö­ße einen pro­por­tio­nal noch höhe­ren Bedarf an Net­to­zu­wan­de­rung.
  • Mas­si­ver Rück­gang der EU-Net­to­zu­wan­de­rung:
    • Der Zuzugs­über­schuss aus EU-Staa­ten ist dras­tisch gesun­ken: von +143.515 Per­so­nen (2022) auf nur noch +12.700 Per­so­nen (2025).
    • Grün­de sind u. a. die wirt­schaft­li­che Anglei­chung in den Her­kunfts­län­dern und gestie­ge­ne Lebens­hal­tungs­kos­ten in Deutsch­land.

5. Inte­gra­ti­on, Will­kom­mens­kul­tur und Dis­kri­mi­nie­rung

  • Wahr­neh­mung von Stu­di­en: Die Bun­des­re­gie­rung nimmt Stu­di­en (wie DeZIMExpat Insi­derIAB) zur Kennt­nis, die zei­gen, dass büro­kra­ti­sche Hür­den, Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen und ein nega­ti­ves gesell­schaft­li­ches Kli­ma die Attrak­ti­vi­tät Deutsch­lands min­dern und zu Abwan­de­rungs­über­le­gun­gen füh­ren.
  • Gegen­maß­nah­men & För­der­pro­gram­me:
    • Gesamt­pro­gramm Spra­che (Inte­gra­ti­ons- und Berufs­sprach­kur­se).
    • Gesetz­li­che Ver­ste­ti­gung der Bera­tungs­an­ge­bo­te des För­der­pro­gramms „Inte­gra­ti­on durch Qua­li­fi­zie­rung (IQ)“ bei der Bun­des­agen­tur für Arbeit ab 2029.
    • För­de­rung von 17 „Regio­na­len Inte­gra­ti­ons­netz­wer­ken Will­kom­mens­kul­tur inter­na­tio­na­ler Arbeits­kräf­te“ (RINWA) mit über 60 Teil­vor­ha­ben (2026–2028).
    • Initia­ti­ven wie INQA (betrieb­li­che Arbeits­kul­tur) sowie Modell­pro­jek­te und Bera­tung gegen Ras­sis­mus im Arbeits­kon­text.

Quel­le: Bun­des­tags­druck­sa­che 21/7546

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