Deutlichen Kostenanstieg beim US-Kampfjetprogramm F‑35 von Lockheed Martin, das ohnehin bereits als das teuerste Rüstungsprogramm in der Geschichte der USA gilt.
Die geschätzten Anschaffungskosten des F‑35-Programms sind seit Ende 2023 um rund 51 Milliarden US-Dollar gestiegen. Das entspricht einem Plus von etwa 10 %. Die Gesamtschätzung für die Beschaffungskosten liegt damit nun bei ungefähr 536 Milliarden US-Dollar, gegenüber zuvor etwa 485 Milliarden US-Dollar.
Ursprünglich war das Programm beim Start im Oktober 2001 als Vorhaben mit Kosten von rund 233 Milliarden US-Dollar geplant.
Gründe für den Kostenanstieg
Der Kostenanstieg wird laut Regierungsbericht und Programmstelle vor allem durch mehrere Faktoren verursacht:
- Software-Verbesserungen
- Insbesondere das sogenannte Block-4-Upgradepaket spielt eine Rolle.
- Dieses Paket umfasst 55 Software- und Hardware-Upgrades.
- Es liegt bereits seit Jahren hinter dem Zeitplan zurück.
- Aufgrund der aktuellen Leistung der Auftragnehmer mussten die Kostenschätzungen angepasst werden.
- Allein diese Neubewertung fügte etwa 900 Millionen US-Dollar zur Schätzung hinzu.
- Verbesserungen der Einsatzbereitschaft
- Die F‑35-Flotte leidet weiterhin unter Problemen bei der Einsatzbereitschaft.
- Ein Hauptproblem sind laut Aussagen von Führungskräften der US Air Force gegenüber dem Kongress Engpässe bei Wartung und Ersatzteilen.
- Zusätzliche Mittel sollen daher unter anderem in mehr Ersatzteile fließen, um die Verfügbarkeit der Flugzeuge zu verbessern.
- Mehr Ersatzteile
- Der Mangel an Ersatzteilen wird ausdrücklich als eine der Ursachen für schlechte Bereitschaftsraten genannt.
- Die zusätzliche Finanzierung soll helfen, diese Lücke zu schließen.
- Verbesserungen an der Triebwerksleistung
- Ein Teil des Kostenanstiegs hängt mit Forschungs- und Entwicklungsarbeiten am Flugzeug und am Pratt-&-Whitney-Triebwerk zusammen.
- Änderungen bei der Beschaffung durch das Marine Corps
- Die neue Kostenschätzung berücksichtigt auch, dass das US Marine Corps weniger F‑35B kaufen will.
- Stattdessen sollen mehr F‑35C beschafft werden.
- Die F‑35B ist die Version mit Kurzstart- und Senkrechtlandefähigkeit.
- Die F‑35C ist die für Flugzeugträger ausgelegte Version und teurer.
- Neues Radar
- In der Schätzung enthalten sind außerdem Produktionskosten für ein klassifiziertes Hochleistungsradar von Northrop Grumman.
- Dieses Radar trägt die Bezeichnung APG-85.
- Neue Vertragsbedingungen
- Ebenfalls berücksichtigt sind die endgültigen Vertragsbedingungen für die Produktionslose 18 und 19.
Aufschlüsselung der zusätzlichen Kosten
Die Programmstelle erklärte, man verfolge den Anstieg der Beschaffungskosten genau. Die zusätzlichen rund 51 Milliarden US-Dollar setzen sich grob zusammen aus:
- etwa 32 Milliarden US-Dollar mehr für die Beschaffung von Flugzeugen und Triebwerken,
- etwa 19 Milliarden US-Dollar für Forschung und Entwicklung im Zusammenhang mit dem Flugzeug sowie dem Pratt-&-Whitney-Triebwerk.
Stand der Auslieferungen
Bis Ende Juli waren 872 Flugzeuge an die USA ausgeliefert worden. Insgesamt sind 2.470 US-Flugzeuge geplant.
Die Kostenschätzung kann künftig weiter steigen. Gründe dafür könnten sein:
- neue Mängel, die bei Tests entdeckt werden,
- ein höherer Bedarf an Ersatzteilen,
- die Integration technologischer Neuerungen,
- weitere Verzögerungen oder Leistungsprobleme bei Auftragnehmern.
Einsatzgeschichte und Status des Jets
Die F‑35 ist seit 2015 operativ im Einsatz. Sie flog bereits Kampfeinsätze, unter anderem im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und auch von der USS Abraham Lincoln, einem US-Flugzeugträger.
Gesamtkosten inklusive Betrieb und Unterstützung
Die nun genannten 536 Milliarden US-Dollar beziehen sich nur auf die Beschaffungskosten. Davon getrennt steht eine weitere enorme Summe für Betrieb und Unterstützung über Jahrzehnte hinweg.
Für Betrieb, Wartung, Unterstützung und langfristige Nutzung werden etwa 1,5 Billionen US-Dollar veranschlagt. Zusammen mit den Anschaffungskosten ergibt sich damit ein Gesamtvolumen von ungefähr 2 Billionen US-Dollar.
Diese Zahl umfasst laut Programmstelle nicht nur die Flugzeuge selbst, sondern unter anderem auch:
- Triebwerke,
- Wartungssysteme,
- Trainingssysteme,
- Simulatoren,
- Kampfdaten-Systeme,
- langfristige Instandhaltung,
- künftige Fähigkeitsentwicklungen,
- Treibstoff,
- Personal, das das System wartet und betreibt.
Die Programmstelle betont, dass diese Kosten über einen Zeitraum von etwa 90 Jahren berechnet und prognostiziert werden. Sie argumentiert außerdem, dass die weltweit steigende Nachfrage nach der F‑35 für das Programm spreche.
Kritik am Programm
Trotz dieser Verteidigung bleibt das F‑35-Programm stark umstritten. Der US-Rechnungshof, die Government Accountability Office, hat die F‑35 in einem Bericht vom Juni in einer Übersicht über „wasteful programs“, also verschwenderische Programme, aufführte.
Hauptkritikpunkte sind:
- stark gestiegene Kosten,
- Verzögerungen bei wichtigen Modernisierungen,
- schlechte Einsatzbereitschaft,
- Mangel an Ersatzteilen,
- hohe langfristige Betriebskosten,
- technische Risiken bei weiteren Upgrades.
Rolle von Lockheed Martin
Lockheed Martin ist der Hauptauftragnehmer des F‑35-Programms. Ein Vertreter des Unternehmens verwies Bloomberg bei Fragen jedoch an die Programmstelle. Die zentralen Erklärungen zum Kostenanstieg kamen daher nicht direkt von Lockheed Martin, sondern vom F‑35-Programmamt.
Gesamtbewertung
Die F‑35 bleibt technologisch eines der fortschrittlichsten Kampfflugzeuge der Welt und wird international stark nachgefragt. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter, während das Programm mit Verzögerungen, Ersatzteilmangel, Wartungsproblemen und anhaltender politischer Kritik zu kämpfen hat.
Kurz gesagt: Die USA müssen für das F‑35-Programm deutlich mehr zahlen als bisher angenommen. Die neue Schätzung von 536 Milliarden US-Dollar für die Beschaffung ist nur ein Teil der tatsächlichen finanziellen Belastung. Einschließlich Betrieb und Unterstützung über Jahrzehnte könnten die Gesamtkosten bei rund 2 Billionen US-Dollar liegen.
Eine weltweit exakte Top‑5 nach Lebenszykluskosten gibt es nicht, weil viele Staaten Betriebskosten nicht veröffentlichen und Programme unterschiedlich abrechnen. Bei den gut dokumentierten US-Programmen ergibt sich aber ungefähr dieses Bild:
| Rang | Waffensystem / Programm | Größenordnung | Was enthalten ist |
|---|---|---|---|
| 1 | F‑35 Lightning II | > 2 Billionen US-$ | Beschaffung + Betrieb bis 2088 |
| 2 | B‑21 Raider | ≈ 203 Mrd. US-$ | geschätzte Beschaffung + 30 Jahre Betrieb |
| 3 | LGM-35A Sentinel (ICBM) | ≈ 141 Mrd. US-$ | Entwicklung + Beschaffung; Betrieb noch nicht enthalten |
| 4 | Columbia-Klasse SSBN | ≈ 126 Mrd. US-$ | Beschaffung von 12 Atom-U-Booten; Betrieb/Atomwaffen zusätzlich |
| 5 | F‑22 Raptor | ≈ 67 Mrd. US-$ + Modernisierung | Entwicklung + Beschaffung; Modernisierung nochmals rund 9 Mrd. $ |
1.F‑35 – mit riesigem Abstand
Das ist der Ausreißer. Das GAO bezeichnet die F‑35 aktuell ausdrücklich als das kostspieligste Waffensystem des US-Verteidigungsministeriums. Für Betrieb und Erhaltung allein werden inzwischen etwa 1,6 Billionen Dollar bis 2088 angesetzt.
Dazu kommen die Beschaffungskosten. Der aktueller Stand vom 26. August 2026 nennt inzwischen rund 536 Mrd. $, nachdem sich die Schätzung seit Ende 2023 um etwa 51 Mrd. $ erhöht hat.
Damit landet man grob bei:
**536 Mrd. $ Beschaffung
- ca. 1,5–1,6 Billionen $ Betrieb
= rund 2,0–2,1 Billionen $**
Bloomberg weist außerdem darauf hin, dass diese Kalkulation einen Zeitraum von ungefähr 90 Jahren umfasst und beispielsweise Wartung, Training, Simulatoren, Treibstoff und Personal enthält.
2. B‑21 Raider – etwa 203 Mrd. $
Für den neuen amerikanischen Stealthbomber plante die Air Force mindestens 100 Flugzeuge. Der öffentlich genannte durchschnittliche Beschaffungspreis liegt bei 692 Mio. $ pro Flugzeug in 2022-Dollar.
Eine Pentagon-Schätzung von 2021 bezifferte 30 Jahre Beschaffung und Betrieb auf rund 203 Mrd. $. Vieles am B‑21-Programm bleibt allerdings geheim.
3. Sentinel – mindestens 141 Mrd. $
Die LGM-35 Sentinel soll die alten Minuteman-III-Interkontinentalraketen ersetzen.
Das Pentagon musste das Programm nach massiven Kostensteigerungen neu bewerten. Die offizielle Schätzung für die Program Acquisition Costs stieg auf 140,9 Mrd. $ – rund 81 % über der ursprünglichen Schätzung.
Und dabei fehlen noch die jahrzehntelangen Betriebskosten. Die 141 Mrd. umfassen unter anderem neue Raketen sowie die Modernisierung beziehungsweise Erneuerung von 450 Silos und 45 Startkontrollzentren.
4. Columbia-Klasse – rund 126 Mrd. $ nur für die U‑Boote
Die USA wollen 12 Columbia-Klasse-Atom-U-Boote bauen, die künftig einen wesentlichen Teil der nuklearen Abschreckung tragen.
Die Navy schätzte die reinen Beschaffungskosten zuletzt auf etwa 126,4 Mrd. $.
Das erste Boot ist besonders teuer: ungefähr 15,2 Mrd. $, weil darin ein großer Teil der Entwicklungs- und Konstruktionskosten der gesamten Klasse steckt. Die folgenden Boote liegen eher bei rund 9 Mrd. $.
5. F‑22 Raptor – rund 67–77 Mrd. $
Die F‑22 war ebenfalls extrem teuer, vor allem weil nur eine relativ kleine Flotte gebaut wurde. Das Beschaffungsprogramm wurde bei über 67 Mrd. $ abgeschlossen. Eine zusätzliche Modernisierung wurde später auf etwa 9,4 Mrd. $ geschätzt.
Damit landet man je nach Abgrenzung bei ungefähr 76 Mrd. $ Gesamtinvestition, bevor die langfristigen Betriebskosten berücksichtigt werden.
Das wirklich Auffällige ist also der Abstand: Selbst ein Atomraketenprogramm wie Sentinel oder eine komplette Klasse strategischer Atom-U-Boote liegt bei den öffentlich ausgewiesenen Anschaffungs-/Entwicklungskosten im Bereich von 100–150 Mrd. $. Die F‑35 kommt über ihre Lebensdauer dagegen auf mehr als 2.000 Mrd. $ – also etwa eine Größenordnung darüber.