Nvidia-Quartalszahlen und der KI-Investitionszyklus
Nvidia hat seine mit Spannung erwarteten Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt und die Erwartungen übertroffen. Der Umsatz belief sich auf 96,2 Milliarden US-Dollar (gegenüber einer durchschnittlichen Erwartung von 92,3 Milliarden US-Dollar), das bereinigte EPS lag bei 2,22 US-Dollar, und die bereinigte Bruttomarge erreichte 75 %. Der Umsatz im kritischen Rechenzentrumssegment betrug 89 Milliarden US-Dollar.
Für das dritte Quartal prognostiziert Nvidia einen Umsatz von 108 Milliarden US-Dollar (+/- 2 %). Zudem gab die CFO einen seltenen Ausblick auf das Fiskaljahr 2028 (Kalenderjahr 2027) und stellte ein jährliches Umsatzwachstum von 70 % in Aussicht – deutlich über dem Marktkonsens von 45 %. CEO Jensen Huang betonte, dass dieses Wachstum in einem von Angebotsengpässen geprägten Umfeld stattfindet. Die neue Chip-Generation „Vera Rubin“ befindet sich mittlerweile in voller Produktion und soll im dritten Quartal bereits 20 % der Rechenzentrumsumsätze ausmachen.
Trotz dieser Rekordwerte reagierte die Aktie nachbörslich verhalten und verlor rund 2 %. Investoren sorgen sich zunehmend um eine künftige Wachstumsverlangsamung, eine leichte Margenkompression (mit einem erwarteten Rückgang der Bruttomargen in den niedrigen 70-Prozent-Bereich) sowie steigende Kosten für Speicherchips. Zudem steht Nvidias Praxis der „zirkulären Finanzierung“ – also die Bereitstellung von Garantien und die Organisation von Drittkapital für eigene Kunden wie Neo-Clouds – unter genauer Beobachtung.
Inflation, Zinsängste und die Fed vor Jackson Hole
Die neuen US-Inflationsdaten (PCE-Preisindex) zeigen eine weiterhin hartnäckige Teuerung. Die Kernrate stieg im Monatsvergleich um 0,2 % (ungerundet 0,246 %, womit sie nur haarscharf abgerundet wurde). Im Jahresvergleich verharrt die PCE-Kernrate bei 3,3 % und die Gesamtrate bei 3,7 % – beide deutlich über dem Fed-Ziel von 2 %.
Starke Wirtschaftsdaten stützten an diesem Tag das Lager der geldpolitischen Falken: Die Auftragseingänge für langlebige Güter stiegen überraschend deutlich um 1,1 %, die persönlichen Einkommen legten um 0,4 % zu, und die realen Inlandsverkäufe im zweiten Quartal wurden auf ein starkes Plus von 4,2 % nach oben korrigiert. Infolgedessen stiegen die US-Anleiherenditen an (die 2‑jährige Rendite kletterte zurück auf etwa 4,20 % bis 4,22 %).
Vor der am Freitag anstehenden Eröffnungsrede von Fed-Chef Kevin Warsh beim Jackson-Hole-Symposium wächst der Markt-Druck. Während Regionalpräsidenten wie Susan Collins (Boston Fed) betonen, dass bei ausbleibender Inflationsabschwächung weitere Zinserhöhungen nötig sein könnten, erwartet Citi Wealths Conrad DeQuadros, dass der nächste Schritt der Fed eher eine Zinserhöhung als eine Senkung sein wird.
Metas historischer 16,7‑Milliarden-Dollar-Vergleich
In einem wegweisenden Gerichtsverfahren hat sich Meta mit 29 US-Bundesstaaten auf einen Vergleich in Höhe von 16,7 Milliarden US-Dollar (bzw. bis zu 18 Milliarden US-Dollar inklusive Gebühren) geeinigt. Dem Technologiekonzern war vorgeworfen worden, Facebook und Instagram bewusst so gestaltet zu haben, dass sie Jugendliche süchtig machen. Mit dem Vergleich wendet Meta ein potenziell existenzbedrohendes Urteil ab – das Unternehmen hatte das Risiko im schlimmsten Fall intern auf bis zu 1,4 Billionen US-Dollar taxiert.
Der Vergleich zwingt Meta zu drastischen Produktänderungen für den Jugendschutz:
- Einführung eines täglichen Nutzungslimits von maximal zwei Stunden für Jugendliche unter 18 Jahren.
- Automatische nächtliche Sperrzeiten (12:00 Uhr nachts bis 06:00 Uhr morgens).
- Stummschalten von Benachrichtigungen während der Schulzeit.
- Verbot für Jugendliche, bestimmte Sicherheitseinstellungen ohne die ausdrückliche Zustimmung der Eltern zu deaktivieren.
Geopolitische Spannungen, Ölpreise und Handelskonflikte
- Straße von Hormuz & Iran: Iran und der Oman verhandeln intensiv über einen temporären maritimen Korridor (für die nächsten 30 bis 60 Tage) zur gemeinsamen Minenräumung und Aufteilung der Passagegebühren. Eine dauerhafte Öffnung der Meerenge knüpft Teheran jedoch an Bedingungen wie die Aufhebung der US-Seeblockade. Die US-Regierung erhöht zeitgleich den Druck durch neue Sanktionen im Rahmen der „Operation Economic Outcast“. Die Entspannungssignale ließen die Ölpreise sinken: WTI notierte zeitweise wieder in den 70ern und pendelte sich bei etwa 80 bis 82 US-Dollar pro Barrel ein.
- US-Handelskonflikte mit Kanada und China: Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada verschärft sich weiter, nachdem der kanadische Premierminister Mark Carney Vergeltungszölle im Wert von 20 Milliarden US-Dollar verhängt hat. Das Weiße Haus prüft nun zusätzliche Strafmaßnahmen. Darüber hinaus plant die Trump-Administration neue Zölle in Höhe von 7,5 % auf chinesische Importe, um Peking für Marktverzerrungen und die finanzielle Unterstützung des Irans zu bestrafen – nur wenige Wochen vor dem geplanten Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping.
Vanguard expandiert durch M&A: Kauf von Altruist
In einem für seine Unternehmensgeschichte sehr ungewöhnlichen Schritt wächst der Vermögensverwalter Vanguard durch eine Akquisition und übernimmt die digitale Wealth-Management-Plattform Altruist. Laut Berichten des Wall Street Journal liegt die Bewertung der Transaktion bei rund 4 Milliarden US-Dollar. Vanguard-CEO Salim Ramji und Altruist-CEO Jason Wenk erklärten, dass diese Partnerschaft die Technologie für unabhängige Finanzberater stärken und honorarbasierte Beratung für Millionen Amerikaner zugänglich und erschwinglich machen soll.
Die Trump-Administration erwägt derzeit die Einführung eines neuen Zollsatzes von 7,5 % auf Importe aus China. Diese Maßnahme steht in direktem Zusammenhang mit der verschärften US-Außenpolitik und soll als wirtschaftliches Druckmittel dienen. Die wichtigsten Aspekte und Hintergründe dieser neuen Zollinitiative stellen sich wie folgt dar:
1. Die offiziellen Gründe für die neuen Zölle
Die geplanten Zölle haben zwei primäre Stoßrichtungen:
- Bestrafung für die finanzielle Unterstützung des Irans: China ist der größte Handelspartner des Irans und importiert weiterhin erhebliche Mengen iranischen Öls. Da die USA mit ihrer Kampagne „Operation Economic Outcast“ versuchen, den Iran wirtschaftlich vollständig zu isolieren und seine Einnahmequellen auszutrocknen, soll China für diese andauernden Handelsbeziehungen bestraft werden.
- Vorwurf der Marktverzerrung und Überkapazitäten: Die US-Regierung wirft Peking vor, den globalen Markt mit künstlich unterpreisigen Gütern zu überschwemmen („flooding the market“). Davon betroffen sind laut US-Angaben vor allem Schlüsselindustrien wie die Automobil‑, Zement- und Stahlbranche.
Diese geplante 7,5‑prozentige Abgabe folgt auf bereits im Vormonat verhängte, zweistellige Zölle gegen China und 59 andere Länder, mit denen die USA mangelhafte Maßnahmen gegen Zwangsarbeit („forced labor“) sanktioniert hatten.
2. Trumps Verhandlungstaktik und das Timing
Das Timing der Zollankündigung ist strategisch präzise gewählt:
- Druckmittel vor dem Staatsbesuch: Die Diskussion über die neuen Zölle erfolgt nur wenige Wochen vor dem geplanten Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping im Weißen Haus, der in etwa einem Monat stattfinden soll.
- Verhandeln aus einer Position der Stärke: Beobachter beschreiben dieses Vorgehen als typisch für Trumps Verhandlungsstil. Indem er im Vorfeld des Gipfels „Benzin ins Feuer gießt“ und Unsicherheit schürt, versucht er, aus einer Position maximaler Stärke heraus zu verhandeln. Die Zölle könnten letztlich als Verhandlungsmasse dienen, die Trump wieder fallen lässt, wenn China im Gegenzug einem für die USA vorteilhaften Abkommen zustimmt.
3. Ungleiche wirtschaftliche Ausgangslagen
Die USA gehen mit einem erheblichen wirtschaftlichen Vorteil in diese Verhandlungen, da sich die Konjunkturdaten beider Länder stark unterscheiden:
- Starke US-Konjunktur: Die US-Wirtschaft zeigt sich trotz geopolitischer Spannungen äußerst resilient. Das BIP-Wachstum ist robust, was unter anderem durch den massiven inländischen KI- und Rechenzentrums-Investitionszyklus angetrieben wird.
- Konjunkturflaute in China: Chinas Wirtschaft leidet diesen Sommer unter einer spürbaren Abkühlung. Die heimischen Einzelhandelsumsätze stiegen zuletzt um lediglich magere 0,6 % (deutlich unter den Erwartungen), und die Sachanlageninvestitionen (einschließlich Immobilien und Infrastruktur) brachen von Januar bis Juli um 6,7 % ein. Gleichzeitig stieg die urbane Arbeitslosigkeit auf 5,2 %. Da China dringend auf den Export in die USA angewiesen ist, hat die Trump-Administration im Handelsstreit strategisch die Oberhand.
4. Chinas Hebel und Gegenreaktionen
Peking hat die Vorwürfe der Marktüberflutung scharf zurückgewiesen und argumentiert, dass neue Zölle und Sanktionen die ohnehin angespannten Beziehungen nur weiter eskalieren lassen.
Obwohl die USA wirtschaftlich im Vorteil sind, verfügt China über ein potenzielles Druckmittel am Finanzmarkt: China hat seine Bestände an US-Schulden über die letzten zwei Jahrzehnte zwar kontinuierlich abgebaut, hält aber mit rund 640 Milliarden US-Dollar (ca. 2 % der gesamten ausstehenden US-Schulden) immer noch die drittgrößte Position an US-Staatsanleihen weltweit. Angesichts der Tatsache, dass die US-Gesamtverschuldung kürzlich die historische Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten hat, warnen Ökonomen, dass ein gezielter Boykott oder Verkauf von US-Anleihen durch China zu Turbulenzen bei US-Zinsauktionen führen und die Refinanzierungskosten für die USA in die Höhe treiben könnte.
Der jüngste Kursanstieg und die makroökonomischen Treiber
Bitcoin verzeichnete in der vergangenen Woche einen massiven Kursanstieg von rund 25 %. Dieser Zuwachs stellt den größten wöchentlichen prozentualen Gewinn seit etwa drei Jahren dar. Die Rallye katapultierte die Kryptowährung kurzzeitig über die Marke von 80.000 US-Dollar – ein Niveau, das seit Mai nicht mehr erreicht worden war, nachdem der Kurs zuvor monatelang in einer engen Spanne zwischen 60.000 und 70.000 US-Dollar stagnierte.
Als ein wesentlicher Treiber gilt die Sorge vor einer Abwertung des US-Dollars („Debasement Trade“). Ausgelöst wurde diese Diskussion durch den Anleihekaufplan von Scott Besson, der eine erhebliche Verkaufswelle beim US-Dollar nach sich zog. Diese Intervention am Anleihemarkt belebte die Debatte über die schützenden Eigenschaften von Bitcoin gegen Inflation wieder und schuf das passende makroökonomische Umfeld für den Ausbruch aus der vorangegangenen Flaute.
Regulatorische Impulse und politische Unterstützung
Neben den makroökonomischen Faktoren spielen regulatorische Entwicklungen eine entscheidende Rolle für den Aufwärtstrend. Zwar stockt derzeit die Verabschiedung des wichtigen US-Krypto-Gesetzes namens „Clarity Act“, doch gab es ein vielbeachtetes Treffen zwischen Donald Trump und Branchenvertretern. Bei diesem Treffen sprach Trump dem Sektor seine Unterstützung aus, forderte die Gesetzgeber auf, das Gesetz voranzubringen, und deutete an, dass bestimmte Krypto-Instrumente in die USA geholt werden sollen bzw. die CFTC (Commodity Futures Trading Commission) dies anstrebe.
Obwohl die Kryptomärkte im ersten Halbjahr trotz eines historisch günstigen regulatorischen Umfelds in den USA schwächelten, deuten die massiven Zuflüsse in US-amerikanische Bitcoin-ETFs darauf hin, dass es sich diesmal um eine substanziellere Rallye handelt als in der jüngeren Vergangenheit. Branchenvertreter äußern sich entsprechend optimistisch und prognostizieren bereits neue Höchststände bis zum Jahresende, auch wenn Beobachter diese Nachhaltigkeit noch vorsichtig bewerten.
Geopolitische Integration und das Ende der staatlichen Unabhängigkeit
Ein tiefgehender Wandel vollzieht sich bei der vermeintlichen Rolle von Kryptowährungen als „Alternative“ zum klassischen, dollarbasierten Finanzsystem. Die Vergangenheit, in der Krypto als anarchistisches System außerhalb staatlicher Kontrolle funktionierte, gehört zunehmend der Vergangenheit an. Stattdessen binden sich digitale Assets immer stärker an das US-Finanzsystem an.
Ein klares Beispiel hierfür sind die weltweit größten Stablecoins wie Tether (USDT) und USDC. Tether, das in den USA einst kritisch gesehen wurde, agiert mittlerweile als eine Art Verbündeter der US-Regierung. Das Unternehmen verweist regelmäßig auf die Kooperation mit Regulierungsbehörden beim Einfrieren illegaler Vermögenswerte. So war Tether im vergangenen Jahr an einer großen Beschlagnahmung beteiligt, bei der die USA Gelder einfroren, die von der iranischen Zentralbank genutzt wurden. Diese staatliche Kooperation gewinnt an Bedeutung, da die US-Regierung versucht, die finanziellen Ressourcen des Irans einzuschränken, und dabei auch digitale Vermögenswerte gezielt ins Visier nimmt.
Man beschäftigt sich mit amerikanischer Politik nicht aus Amerika-Faszination, sondern aus deutschem Eigeninteresse.
