Nvi­dia über­trifft Erwar­tun­gen und befeu­ert den KI-Boom

Nvi­dia hat erneut sehr star­ke Zah­len vor­ge­legt und signa­li­siert, dass der KI-Inves­ti­ti­ons­boom noch meh­re­re Jah­re anhal­ten könn­te. Das Unter­neh­men erwar­tet für das Geschäfts­jahr bis Janu­ar 2028 ein Umsatz­wachs­tum von rund 70 % – deut­lich mehr als die zuvor von Ana­lys­ten erwar­te­ten etwa 44 %. Für das lau­fen­de drit­te Quar­tal stellt Nvi­dia rund 108 Mrd. US-Dol­lar Umsatz in Aus­sicht, gegen­über einer Ana­lys­ten­schät­zung von etwa 104,2 Mrd. US-Dol­lar.

Beson­ders stark bleibt das Geschäft mit Rechen­zen­tren: Der Data-Cen­ter-Umsatz stieg im ver­gan­ge­nen Quar­tal auf 89 Mrd. US-Dol­lar, mehr als dop­pelt so viel wie ein Jahr zuvor. Nvi­dia und AWS wol­len außer­dem 2027 und 2028 zusam­men zwei Mil­lio­nen zusätz­li­che Nvi­dia-GPUs ein­set­zen. Gleich­zei­tig begren­zen Eng­päs­se bei Spei­cher und ande­ren Kom­po­nen­ten das Wachs­tum und drü­cken vor­aus­sicht­lich die Mar­gen.

An der Bör­se reagier­ten Anle­ger zunächst ver­hal­ten, weil die Erwar­tun­gen an Nvi­dia bereits extrem hoch waren. Wäh­rend des Ana­lys­ten­calls änder­te sich die Stim­mung jedoch deut­lich: Nach Aus­sa­gen von CEO Jen­sen Huang, KI habe einen „Inflec­tion Point“ erreicht, stieg die Aktie nach­börs­lich um etwa 4–5 %. Gute Zah­len bei Nvi­dia wer­den inzwi­schen fast als selbst­ver­ständ­lich ange­se­hen – ent­schei­dend ist, ob sie die ohne­hin hohen Erwar­tun­gen noch ein­mal über­tref­fen.

Für den gesam­ten KI-Sek­tor sind die Zah­len posi­tiv. Micro­soft, Meta und ande­re gro­ße Tech­no­lo­gie­kon­zer­ne sol­len die­ses Jahr zusam­men mehr als 730 Mrd. US-Dol­lar in KI-Infra­struk­tur inves­tie­ren, gegen­über etwa 400 Mrd. im Vor­jahr. Gleich­zei­tig gibt es Sor­gen über die Finan­zie­rung des Booms und soge­nann­te „cir­cu­lar deals“, bei denen KI-Anbie­ter indi­rekt auch die Nach­fra­ge ihrer Kun­den finan­zie­ren.

In Chi­na gibt es vor­sich­ti­ge Fort­schrit­te. Nvi­dia ver­kauf­te erst­mals seit Anfang 2025 wie­der eine klei­ne Men­ge fort­schritt­li­cher KI-Chips, kon­kret H200-Chips. Die­se Ver­käu­fe mach­ten aller­dings weni­ger als 1 % des Data-Cen­ter-Umsat­zes aus. Wegen chi­ne­si­scher Ein­wän­de konn­te Nvi­dia nicht die gesam­te von den USA geneh­mig­te Men­ge ver­kau­fen und muss­te wegen über­schüs­si­ger H200-Bestän­de eine Belas­tung von 400 Mio. US-Dol­lar ver­bu­chen. Nvi­dia kal­ku­liert daher wei­ter­hin mit null Data-Cen­ter- und KI-Umsatz aus Chi­na in sei­nem Aus­blick.

Das all­ge­mei­ne Bör­sen­um­feld war dage­gen etwas schwä­cher. Vor den Nvi­dia-Zah­len schlos­sen Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq leicht im Minus. Belas­tend war vor allem eine höher als erwar­te­te US-Infla­ti­on von 3,7 %, wodurch die Unsi­cher­heit über die nächs­te Ent­schei­dung der US-Noten­bank zunahm. Die gro­ßen Indi­zes ver­lo­ren aller­dings nur zwi­schen etwa 0,02 % und 0,21 %.

Das Wachs­tum bleibt außer­ge­wöhn­lich hoch, die Nach­fra­ge ver­brei­tert sich und die gro­ßen Tech-Kon­zer­ne inves­tie­ren wei­ter mas­siv. Die wich­tigs­ten Risi­ken sind aktu­ell extrem hohe Anle­ger­erwar­tun­gen, Lie­fer­eng­päs­se, sin­ken­de Mar­gen, hohe Inves­ti­ti­ons­sum­men im KI-Sek­tor und die poli­ti­sche Unsi­cher­heit im Chi­na-Geschäft.


Zusam­men­fas­sung

Nvi­dia hat beein­dru­cken­de Quar­tals­zah­len vor­ge­legt, die die Erwar­tun­gen der Ana­lys­ten in jeder Kate­go­rie über­trof­fen haben. Hier sind die wich­tigs­ten Details zu Nvi­di­as finan­zi­el­lem Abschnei­den, den Umsatz­trei­bern und dem Aus­blick:

  • Her­aus­ra­gen­de Quar­tals­er­geb­nis­se: Der Umsatz erreich­te im zwei­ten Quar­tal 96,2 Mil­li­ar­den Dol­lar, was die Ana­lys­ten­schät­zun­gen von etwas über 92 Mil­li­ar­den Dol­lar über­traf. Im Ver­gleich zum Vor­jah­res­quar­tal (46,7 Mil­li­ar­den Dol­lar) hat sich der Umsatz mehr als ver­dop­pelt. Der berei­nig­te Gewinn je Aktie lag mit 2,22 Dol­lar eben­falls über den erwar­te­ten 2,10 Dol­lar.
  • Domi­nanz des Rechen­zen­trums­ge­schäfts: Fast der gesam­te Kon­zern­um­satz stammt mitt­ler­wei­le aus einer ein­zi­gen Spar­te. Das Rechen­zen­trums­ge­schäft erwirt­schaf­te­te im ver­gan­ge­nen Quar­tal 89 Mil­li­ar­den Dol­lar – ein Anstieg von 117 % im Ver­gleich zum Vor­jahr. Damit macht die­ser Bereich inzwi­schen 92 % des gesam­ten Kon­zern­um­sat­zes aus.
  • Ver­tei­lung des Klum­pen­ri­si­kos: Um die Abhän­gig­keit von den weni­gen gro­ßen Cloud-Kon­zer­nen (“Hypers­ca­lern” wie Micro­soft, Ama­zon oder Goog­le) zu ver­deut­li­chen, schlüs­selt Nvi­dia sei­ne Ein­nah­men nun getrennt auf:
    • Die Hypers­ca­ler ver­dop­pel­ten ihre Auf­trä­ge auf 48,7 Mil­li­ar­den Dol­lar.
    • Die übri­ge Kund­schaft (spe­zia­li­sier­te KI-Cloud-Anbie­ter, Indus­trie­kon­zer­ne und klas­si­sche Unter­neh­men) wuchs sogar um 138 % auf 40,3 Mil­li­ar­den Dol­lar. Die Nach­fra­ge ver­teilt sich somit zuneh­mend auf eine brei­te­re Basis. Laut CEO Jen­sen Huang erle­ben wir der­zeit ein „gol­de­nes Zeit­al­ter“ neu­er KI-Labo­re und Start-ups.
  • Star­ke Pro­gno­se ohne Chi­na-Geschäft: Für das lau­fen­de Quar­tal stellt Nvi­dia einen Umsatz von 108 Mil­li­ar­den Dol­lar in Aus­sicht (Ana­lys­ten hat­ten im Schnitt mit 104 Mil­li­ar­den Dol­lar gerech­net). Das Bemer­kens­wer­te dar­an: Die­se Pro­gno­se ent­hält kei­nen ein­zi­gen Dol­lar aus dem chi­ne­si­schen Rechen­zen­trums­ge­schäft, da Nvi­dia den welt­weit größ­ten Absatz­markt schlicht nicht mit­ein­be­zieht.
  • Mar­gen­druck durch Spei­cher­chip-Knapp­heit: Einen klei­nen Dämp­fer gab es bei der Brut­to­mar­ge. Wäh­rend zuletzt von jedem ein­ge­nom­me­nen Dol­lar vor Abzug von For­schung, Ver­trieb und Ver­wal­tung noch 75 Cent übrig blie­ben (75 %), soll die­ser Wert im lau­fen­den Quar­tal auf 74 Cent sin­ken. Grund hier­für sind gestie­ge­ne Ein­kaufs­prei­se infol­ge einer welt­wei­ten Knapp­heit bei Spei­cher­chips.

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