Mög­li­che Aus­wei­tung der sach­grund­lo­sen Befris­tung

Die Bun­des­re­gie­rung beant­wor­tet eine Klei­ne Anfra­ge der Frak­ti­on BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur geplan­ten Aus­wei­tung der sach­grund­lo­sen Befris­tung von aktu­ell 24 Mona­ten auf 48 Mona­te sowie einer mög­li­chen sechs­fa­chen Ver­län­ge­rung. Die Koali­ti­on aus CDU/CSU und SPD hat­te dies am 1. Juli 2026 ver­ein­bart.

Zen­tra­le Fak­ten zur aktu­el­len Befris­tungs­si­tua­ti­on (Stand 2025)

Umfang sach­grund­lo­ser Befris­tun­gen

  • 1,256 Mio. Beschäf­tig­te waren 2025 sach­grund­los befris­tet (≈ 3 % aller Beschäf­tig­ten).
  • 790.000 Neu­ein­stel­lun­gen waren sach­grund­los befris­tet (≈ 18,5 % aller Neu­ein­stel­lun­gen).

Struk­tur der Betrof­fe­nen

  • Kei­ne Daten zu Alter, Geschlecht, Bil­dung oder Ein­kom­men.

Bran­chen mit den meis­ten Befris­tun­gen

  1. Unter­neh­mens­na­he Dienst­leis­tun­gen
  2. Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen
  3. Ein­zel­han­del
  4. Gast­ge­wer­be
  5. Ver­kehr und Lage­rei

Kei­ne Daten zu Berufs­grup­pen.

Dau­er & Ket­ten­be­fris­tun­gen

  • Kei­ne Erkennt­nis­se zur durch­schnitt­li­chen Dau­er.
  • Ket­ten­be­fris­tun­gen sind wegen des Anschluss­ver­bots grund­sätz­lich nicht mög­lich.

Erkennt­nis­se zu Moti­ven & Fol­gen

Arbeit­ge­ber­mo­ti­ve

  • Sach­grund­lo­se Befris­tung dient als ver­län­ger­te Erpro­bungs­pha­se.
  • Kann Brü­cke in unbe­fris­te­te Beschäf­ti­gung sein.

Fol­gen für Beschäf­tig­te

  • Nega­ti­ve Effek­te mög­lich, beson­ders zu Beginn der Erwerbs­bio­gra­fie (Unsi­cher­heit, Lohn­ent­wick­lung abhän­gig vom wei­te­ren Ver­lauf).
  • Befris­tung kann Ein­stieg in Erwerbs­tä­tig­keit erleich­tern.
  • Fami­li­en­pla­nung: Ten­denz zur Ver­schie­bung von Erst­ge­bur­ten.
  • Kei­ne Daten zu Aus­wir­kun­gen auf Woh­nungs­su­che oder Kre­dit­chan­cen.

Arbeits­platz­si­cher­heit

  • Befris­tet Beschäf­tig­te: 24 % sub­jek­ti­ve Arbeits­platz­sor­ge (2018–2024 sta­bil).
  • Unbe­fris­tet Beschäf­tig­te: leich­te Abnah­me auf 3,5 %.

Über­gän­ge in unbe­fris­te­te Beschäf­ti­gung (1. Halb­jahr 2025)

  • 330.000 inner­be­trieb­li­che Über­nah­men ins­ge­samt.
  • 213.000 Über­nah­men aus sach­grund­lo­ser Befris­tung.
  • Anteil: 65,2 % aller Über­nah­men.

Bewer­tung der geplan­ten Aus­wei­tung

Argu­men­te der Bun­des­re­gie­rung für die Aus­wei­tung

  • Soll Wirt­schaft dyna­mi­sie­ren und Arbeits­markt bele­ben.
  • Erleich­tert Unter­neh­men Ein­stel­lun­gen und Fle­xi­bi­li­tät.
  • Zeit­lich befris­tet bis Ende 2030.

Argu­men­te dage­gen / Risi­ken

  • Grö­ße­re Fle­xi­bi­li­tät bedeu­tet gerin­ge­ren Schutz für Beschäf­tig­te.
  • Grund­satz: Unbe­fris­te­te Beschäf­ti­gung ist die Regel, Befris­tung die Aus­nah­me.
  • Gefahr von Befris­tungs­ket­ten soll wei­ter­hin ver­mie­den wer­den.

Recht­li­che Ein­ord­nung

  • Kei­ne Locke­rung des Anschluss­ver­bots geplant → kei­ne wie­der­hol­ten Befris­tun­gen beim sel­ben Arbeit­ge­ber.
  • Locke­rung wäre nicht mit Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­ein­bar.

Erwar­te­te wirt­schaft­li­che Effek­te

  • Kei­ne belast­ba­re Schät­zung zu zusätz­li­chen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen.
  • Kei­ne Hin­wei­se, dass unbe­fris­te­te Beschäf­ti­gung ver­drängt wird.
  • Befris­tun­gen die­nen oft als Sprung­brett in unbe­fris­te­te Jobs.

Gesamt­fa­zit

Die Bun­des­re­gie­rung lie­fert vie­le sta­tis­ti­sche Daten, betont aber gleich­zei­tig deut­li­che Daten­lü­cken (z. B. sozia­le Struk­tur, Dau­er, Berufs­grup­pen). Die geplan­te Aus­wei­tung soll Unter­neh­men fle­xi­bi­li­sie­ren, birgt aber Risi­ken für Beschäf­ti­gungs­si­cher­heit und wider­spricht teil­wei­se dem bis­he­ri­gen Norm­zweck des Befris­tungs­rechts.


Quel­le: Bun­des­tags-Druck­sa­che 21/7697

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